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Fußball-WM: Gut geplant ist halb gewonnen

Subtropisches Klima, riesige Entfernungen – Brasilien ist als Austragungsort der Fußball-WM 2014 kein leichtes Pflaster. Die beteiligten Logistiker sind aufs Beste vorbereitet.

Fußball, Sonne und Samba – dieses fröhliche Bild vermitteln die Offiziellen im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, die am 12. Juni um 22 Uhr deutscher Ortszeit mit dem Spiel Brasilien gegen Kroatien eröffnet wird. Bis zum 13. Juli dauert das globale Fußballfest an. Dafür war und ist für die Logistiker einiges an harter Arbeit geboten. Kein Wunder, bei diesen Distanzen: Die zwölf Spielorte Porto Alegre, Curitiba, Cuiabá, Brasília, Manaus, Fortaleza, Natal, Recife, Salvador, Rio de Janeiro, Belo Horizonte und São Paulo liegen zum Teil mehr als 3.000 Kilometer auseinander – vieles lässt sich also nur über das Flugzeug abwickeln.

Außerdem sind klimatische Extreme bei der Logistik zu beachten, denn bei teilweise subtropischen 80 Prozent Luftfeuchtigkeit kann auch Fracht in Mitleidenschaft gezogen werden. Vor allem aber die Formalitäten des Gastgeberlandes sind eine Herausforderung. "Die Abwicklung der Einfuhr ist sehr anspruchsvoll. Zum Teil werden Importlizenzen bei bestimmten Produkten benötigt, deren Beantragung eine Vorlaufzeit braucht", sagt etwa eine Sprecherin von DB Schenker auf Anfrage von trans aktuell. Auch die deutschen Fernsehanstalten haben ihre Erfahrung mit der Zollabwicklung gemacht – inklusive der großen Detailgenauigkeit und der ­Informationsfülle, die die Behörden vor Ort verlangen. Aber: "Die ersten Erfahrungen sind sehr positiv", sagt eine Sprecherin des SWR gegenüber trans aktuell. Spitzenzeit: drei Tage. Die Zollabwicklung unter "WM-Bedingungen" dauere im Allgemeinen aber rund sieben bis 14 Tage – "sonst auch doppelt so lange".

Fest definierte Zeitfenster

Dabei hat das Gastgeberland eigens ein Fußball-Weltmeisterschaftsgesetz verabschiedet, um die Einfuhr von Waren für die Spiele und das Rahmenprogramm zu vereinfachen. Zudem hat das Lokale Organisationskomitee (LOC) einen Leitfaden für die Logistik- und Zollplanung sowie ein System erstellt, in dem alle Anlieferungen und Rücknahmen zu den Stadien und dem IBC angemeldet werden müssen – ähnlich wie eine Zeitfensterbuchung. Nach der Prüfung durch das Logistikteam der Veranstalter erhält der Logistiker beziehungsweise das Transportunternehmen vor Ort entweder eine Zu- oder eine Absage. Wer zwei Stunden nach dem Beginn des Zeitfensters immer noch nicht zur Stelle ist, gilt als "no show" und muss einen neuen Termin vereinbaren.

Um vor allem das Zollprozedere für ausländische Unternehmen zu vereinfachen, hat das LOC hat zusammen mit der FIFA den Logistikdienstleister Podium Global Sports Logistics unter Vertrag genommen. Der brasilianische Konzern ist in jeder der zwölf Veranstaltungsstädte mit einer Niederlassung vertreten und bietet laut LOC auch "die für die Zollabfertigung in den Häfen und Flughäfen Brasiliens notwendigen Dienstleistungen" sowie "eine globale Abdeckung mit Service-Kapazitäten in mehreren Ländern". Noch wichtiger aber: Das Unternehmen "unterliegt den Bestimmungen der FIFA/LOC".

Studio reist von Sotschi direkt nach Brasilien

Damit die Übertragung der Spiele direkt in die deutschen Wohnzimmern klappt, werden ARD und ZDF aus einem gemeinsamen Studio in Rio de Janeiro senden. "Die logistische Situation in Brasilien stellt hohe Anforderungen an das Team", schreibt die ARD dazu, "schon deshalb ist eine enge Kooperation wichtig." Die Koordination der Transporte und der Zollabwicklung liegt bei der ZDF-Logistikabteilung.

Rund 140 Tonnen Seefracht und bis zu zehn Tonnen Luftfracht waren für die Arbeit der 450 Mitarbeiter von ARD und ZDF auf den Weg zu bringen. Ein Großteil des technischen Equipments wurde direkt nach dem Ende der Winterolympiade und der Paralympics vom russischen Sotschi in rund 40 Containern zuerst per Bahn über Berlin nach Bremerhaven und dann auf dem Seeweg nach Brasilien gebracht. Die Seepassage nach Rio dauert etwa 17 Tage, bis nach Porto Seguro 30 Tage.

Allein DB Schenker liefert hunderte See-Container

Mit von der Partie ist auch der deutsche Logistiker DB Schenker mit 40 Mitarbeitern vor Ort. Kameras, Übertragungswagen, Monitore und andere Spezialausrüstung haben die Kelster­bacher nach Südamerika verbracht; ­außerdem für deutsche Lieferanten vieles rund um das Thema Gästebewirtung und Catering. "Nahezu jede zweite Nationalmannschaft greift auf DB Schenker für ihr Team Equipment zurück", sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Auch die Logistik der neuen Torlinientechnik, die erstmals bei der Fußball-WM zum Einsatz komme, sei für alle zwölf Stadien DB Schenker anvertraut: "Darauf sind wir besonders stolz." Zusammengerechnet wird allein der deutsche Konzern etwa 230 Seecontainer und 270 Tonnen Luftfracht im Zuge der Fußball-WM abwickeln.

Ganz klar, dass die Logistik vor allem dem deutschen Nationalteam zuspielen muss. Das ist mit Trainer, Ärzten und weiteren Betreuern – insgesamt 62 Personen – vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) im neu erreichten Campo Bahia in der Nähe von Porto Seguro untergebracht. 23 Tonnen Fracht hat der Tross nach Brasilien geordert – darunter nach DFB-Angaben 20 Trikotsätze, Spielkleidung, medizinische und Trainingsausrüstung sowie natürlich das private Gepäck, außerdem noch Fracht von Partnern und Dienstleistern. Aus Europa und den USA hat sich die Mannschaft per Schiff auch Fitnessgeräte bestellt, und auch Mountainbikes haben die Logistiker für die Fußballer im Gepäck. Mit viel Glück haben die deutschen Spieler dann vielleicht auch den Siegerpokal im Retourgepäck.

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Fotolia/Gualtiero Boffi

Datum

5. Juni 2014
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