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Friederike Wackler-Museum: Die Geschichte der Schwarz Gruppe

Die Schwarz Gruppe zeigt Bilder und Dokumente aus mehr als 150 Jahren Transportgeschichte. Das Friederike Wackler-Museum in Göppingen ist einmal im Monat geöffnet.

Eine Broschüre zu einem runden Firmenjubiläum haben viele. Gern legen Unternehmen zu ihrem 75. oder 100. Geburtstag auch ein Buch mit historischen Aufnahmen auf. Ein ganzes Museum mit Bildern, Dokumenten und Exponaten von anno dazumal dürften aber nur die wenigsten ihr Eigen nennen – jedenfalls in der Transport- und Logistikbranche.
Günter Schwarz ist zumindest keine andere Spedition bekannt, die ihre historischen Schätze öffentlich ausstellen würde. Der Unternehmer hat mehr als 40 Jahre lang die Geschicke der Schwarz Gruppe in Göppingen gelenkt, die heute mit etwa 700 Mitarbeitern rund 120 Millionen Euro umsetzt. Zur Firmengruppe gehören die Spedition Wackler, die Mitglied bei der Stückgutkooperation Cargoline ist, sowie die Entsorgungssparte "DU: willkommen in der Umwelt".

Seine Tochter Gabriele Schwarz sei die treibende Kraft hinter dem Museum gewesen, sagte der Unternehmer kürzlich bei der Eröffnung vor einigen Dutzend geladenen Gästen. Sie führt das Unternehmen mit ­ihren Geschwistern Beate (Chefin der Entsorgungssparte) und Oliver (Geschäftsführer von Wackler) heute in der vierten Generation.

Ausstellungsraum ist einmal im Monat geöffnet

Der Ausstellungsraum ist an jedem ersten Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr (sowie für Gruppen auf Anfrage auch unter der Woche) geöffnet. Er befindet sich in einem modernen Bürogebäude in der ­Davidstraße 41 direkt am Göppinger Bahnhof – also genau dort, wo der ehemalige Sitz des Unternehmens mit Büro-, Lagergebäuden und Stallungen war. Seit dem Jahr 1972 ist die Firmenzentrale im Stadtbezirk Holzheim angesiedelt.

Das Museum zeigt eine Vielzahl an historischen Dokumenten, Aufnahmen und Exponaten. Alle wichtigen Stationen sind mit Jahreszahlen auf Tafeln an der Seite festgehalten. Die Bilder geben plastische Einblick in die Entwicklung des mittelständischen Unternehmens und zeigen ferner das Stadtbild Göppingens zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Kommune noch von der Textilindustrie geprägt war.

Einer näheren Betrachtung sind aber auch die Schriftstücke wert, darunter zahlreiche Briefe, Verträge und Urkunden. Günter Schwarz ist noch immer gerührt, wenn er das Schreiben eines Kunden aus dem Jahr 1909 liest. Dieser bedankt sich, dass der Umzug seines Geschäfts von Göppingen nach Ebersbach zu seiner vollsten Zufriedenheit ausgefallen sei. Schließlich nehmen Kunden eine gute Leistung heute als selbstverständlich hin – streng nach der schwäbischen Devise "net gschimpft isch gnug globt".

"Es ist schon beeindruckend, wenn man auf eine so lange Tradition zurückblicken kann", sagt Wackler-Chef Oliver Schwarz. Doch den Herausforderungen der Zukunft könne man mit dem Wissen aus der Vergangenheit nur bedingt begegnen. "Als Logistikdienstleister sind wir bei einer Vielzahl an Themen täglich neu gefordert. Im Unternehmen kommt es heute unter anderem auf funktionierende Riskmanagement- und  IT-Systeme an", sagt er.

Friederike Wackler führte die Firma jahrelang

Die gab es vor mehr als 100 Jahren noch nicht. Wohl aber Unternehmerpersönlichkeiten. Eine Person steht im Museum dabei ganz besonders im Mittelpunkt: ­Friederike Wackler, nach der auch der Ausstellungsraum benannt ist. Sie führte die Firma jahrelang erfolgreich allein. Ihr Vater Christian Lutz hatte das Unternehmen im Jahr 1837 als den "Stuttgarter Boten" gegründet, der damals als Fuhrbetrieb mit Pferde-Omnibus fungierte und zehn Jahre später in die Güterbeförderung einstieg. Ein Vertrag mit der Bahn habe die amtliche Rollfuhr von und zum Göppinger Güterbahnhof gesichert, heißt es. 1867 heiratete Friederike Lutz Ludwig Wackler und führt nach dessen frühen Tod das Unternehmen fort.
Obwohl das Paar vier Kinder hat, findet sich kein Nachfolger im Kreis der Familie, weshalb Wackler das Unternehmen an ihren Betriebschef Carl Friedrich Jäger sowie an Johannes und Georg Schwarz veräußert. Letztere sind bereits selbst im Fuhrgeschäft tätig.

Der Verkauf geht im Jahr 1912 über die Bühne und markiert den Einstieg der Familie Schwarz in das Unternehmen. Vor zwei Jahren jährte sich dieses Ereignis zum 100. Mal – Grund genug für die Familie, ein mehr als 200 Seiten dickes Buch mit dem Titel "Schwarz auf Weiß" herauszubringen. Die Familie trug so viele Dokumente und Unterlagen zusammen, dass die Idee entstand, diesen Schätzen mit einem Museum ein Zuhause zu bieten. Die Arbeit hat sich gelohnt.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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rat

Datum

8. Mai 2014
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