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Franz Meiller im Porträt: Balanceakt

Kaufmann und Künstler sind zwei Berufungen, die nur schwer in Einklang zu bringen sind. Wie das doch geht und welche Chancen diese Verbindung bietet, erklärt Franz Meiller.

Wie der Vater so der Sohn – so wünschen es sich zumindest die Väter. Allzu häufig tritt der Sohn allerdings nicht in die Fußstapfen, die der Vater hinterlässt. Dass Franz Meiller einmal die Nachfolge seiner Vorfahren beim Kippfahrzeug-Hersteller antreten würde, stand auch nicht immer fest. Denn neben der Begeisterung für das Unternehmen hat Franz Meiller schon von klein auf eine Leidenschaft für die Kunst, insbesondere für Schauspiel und Fotografie.

Ohne die mahnenden Worte seines Vaters wäre Meiller vermutlich auch nicht in den Fahrzeugbau eingestiegen. Doch sein Vater, der damals geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens war, überzeugte ihn davon, das Abitur zu machen, sich das Unternehmen anzusehen, Ausbildung und Studium abzuschließen und erst dann eine Entscheidung zu treffen.

Meiller folgt dem Rat der Familie

Meiller fühlte sich der Familie und dem Unternehmen moralisch verpflichtet und folgte dem Rat der Familie. Nach dem Abitur arbeitete Meiller zunächst im väterlichen Betrieb an der Werkbank, bevor er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ein betriebswirtschaftliches Studium absolvierte.

Dabei blieb seine Liebe zur Kunst aber nicht auf der Strecke. "Andere waren Taxifahrer, ich habe mein Studium mit der Arbeit am Residenz-Theater verdient", erinnert sich Meiller. Dort spielte er kleinere Rollen und stand unter anderem mit Gerhard Polt vor dem Publikum. Auf die Bühne folgten Fernsehen und Kino. Verschiedene Auftritte hatte Meiller in "Der Alte", "Aktenzeichen XY" und "Streit um drei". Zum ersten Mal auf der Kinoleinwand war der heute 52-Jährige in einem Film über Münchner Obdachlose zu sehen. Mit seiner einjährigen Schauspielausbildung spielt Meiller in der Regel Rollen, die ihm auf den Leib geschrieben sind – meist mimt er einen Unternehmer.

Die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt Meiller im Familienunternehmen

Der ist er spätestens seit dem Ende seines Studiums auch im realen Leben. Denn etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt Franz Meiller im Familienunternehmen. Derzeit verantwortet er das Marketing. Anders als sein Vater habe er die operative Führung der Firma nicht übernehmen wollen, erklärt Meiller. Das sei eines der Zugeständnisse, die er an die Kunst machen musste. Deshalb arbeitet Meiller in der zweiten Führungsebene seines Familienunternehmens.

Die andere Hälfte der Arbeitszeit gehört der Kunst

Die andere Hälfte der Arbeitszeit gehört der Kunst – zu gleichen Teilen dem Schauspiel, der Produktion von Theaterstücken, Kinofilmen und der Fotografie. Letztere hat Meiller schon einiges an Anerkennung eingebracht. So stellt er auf renommierten Kunstmessen wie beispielsweise in Karlsruhe, Köln und München aus.

Eine seiner Fotografien mit besonderem Motiv hängt über seinem Schreibtisch. Darauf ist das aus Zigarettenstummeln geformte Wort "KIPPPEN" zu lesen. Abstrakte Kunst? Keineswegs. Das Bild hat an einer Fotoaktion teilgenommen, die in der Hauszeitschrift des Fahrzeugherstellers ausgeschrieben war. "Meiller intern" nennt sich das von ihm verantwortete Magazin, das die Belegschaft regelmäßig über das Unternehmen informiert. Das Heft ist Teil der "Kippkultur", einer Marke, die Meiller ins Leben gerufen hat, um etwas künstlerisches Flair und Unternehmenskultur beim Kipperproduzenten zu etablieren. Zu den Aktionen von Kippkultur gehört auch eine Kaffeetassensammlung, die mit immer neuen abstrakten Kippfahrzeug-Motiven erweitert wird und eine eigene kleine Fangemeinde hat.

Neben "Kippkultur" verantwortet Meiller auch das Museum

Neben Kippkultur verantwortet Meiller auch das hausinterne Museum am Standort in München. Dort tragen er und seine Mitarbeiter Elemente aus der Meiller-Geschichte zusammen und pflegen so die Historie des Familienunternehmens. Genauso wie Meiller ein wenig Kunst ins Unternehmertum bringt, überträgt er auch das Unternehmerische auf die Kunst. Gemeinsam mit drei Kollegen hat er vor einiger Zeit die Produktionsfirma "Zuckerfilm" gegründet. Seither kümmert sich Meiller neben all den anderen Dingen auch um die Realisierung von Imagefilmen, sowie Fernseh- und Kinofilmen.

Das jüngste Projekt kommt im Herbst in die Kinos. "Kaiserschmarren (AT)" lautet der Titel des Kinofilms, in dem er selbst mitspielt. Der Film ist eine Parodie auf die Heimatfilme der 70er-Jahre und entstand am Wörthersee und in München unter der Regie von Daniel Krauss. Neben Meiller stehen auch Grit Boettcher, Ottfried Fischer und Ilja Richter vor der Kamera.

Franz Meiller investiert die meiste Zeit in seine Familie

Wer Franz Meiller bei all den erfolgreichen Aktivitäten fragt, wofür er die meiste Zeit seines Tages verwendet, der bekommt eine verblüffende Antwort. "Die meiste Zeit versuche ich für meine Familie zu investieren." Denn Meiller ist nicht nur Unternehmer und Künstler, sondern auch Vater zweier Kinder.

Zeit für deren Erziehung und Ausbildung ist Meiller auch deshalb wichtig, weil seine Kinder irgendwann in seine Fußstapfen treten könnten. Er versuche seinen Kindern das Familienunternehmen nahezubringen, sagt Meiller. Während sein Sohn derzeit ein Praktikum in einer Werbeagentur absolviert, blickt die Tochter bereits in Richtung Handwerk. In Kürze beginnt sie neben ihrem Abitur in Österreich eine Ausbildung zur Maschinenschlosserin – und das, obwohl sie auch künstlerische Ambitionen hat. Man mag fast sagen: Wie der Vater so die Tochter.

Portrait

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

28. Mai 2013
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