Frachtdiebstahl: Tatort Autobahn

Diebstahl

Frachtdiebstähle nehmen weltweit zu. Dabei ist vor allem Deutschland im Fokus von Kriminellen. Das zeigt eine Studie von Freightwatch International.

Das Risiko für Transportunternehmer steigt. Das beweist eine Studie von Freightwatch International, einem Sicherheitsunternehmen aus dem US-amerikanischen Austin. Allein in Europa gab es demnach im Jahr 2012 rund 24 Prozent mehr Frachtdiebstähle als noch ein Jahr zuvor. Wobei das höchste Risiko, dass die Ladung geklaut wird, in den Ländern Brasilien, Mexiko und Südafrika besteht.

Deutschland ist das liebste Ziel der Kriminellen

In Europa ist laut den Analysten jedoch Deutschland das liebste Ziel der Kriminellen. Dafür gebe es gleich mehrere Gründe: Während der Großteil Europas nach wie vor in einer Krise steckt, wachse die Wirtschaft hierzulande. Eine Konsequenz daraus sei, dass viele wertvolle Güter transportiert werden müssen. Allein auf der Straße gab es daher rund fünf Prozent mehr Güterverkehr. Hinzu komme, dass Deutschland ein Transitland ist. Ob von Ost nach West oder von Süden nach Westen – die deutschen Autobahnen sind voll von wertvollen Gütern, so die Studie. Darüber hinaus sei das Diebesgut dann auch schnell über die Grenze nach Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien oder die Ukraine.
Auch wenn es in Deutschland keine offizielle Statistik zu Frachtdiebstählen gibt, kommt Freightwatch dennoch zu dem Schluss, dass sich die Situation verschlimmert hat. Das lesen die Analytiker aus den lokalen Polizeiberichten, der Berichterstattung in den Medien wie auch aus der eigenen Datensammlung heraus. Demnach hätte sich die Zahl der Vorfälle von 2011 zu 2012 mehr als verdoppelt – von 51 auf 124. Das sei allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Analysten nehmen Bezug auf einen ehemaligen Polizisten, der im Rahmen einer Logistikkonferenz versicherte, dass es in Deutschland alle zehn Minuten zu einem Frachtdiebstahl komme, entweder vom Lkw oder aus dem Lager. Erschwerend hinzu komme noch eine andere Bedrohung: In den vergangenen Jahren schoss ein Unbekannter auf mehr als 700 Lkw die vornehmlich auf der A 3, A 5 und der A 61 unterwegs waren.

In NRW ist die Ladung besonders gefährdet

Innerhalb der Bundesrepublik ist die Ladung laut Freightwatch in Nordrhein-Westfalen besonders gefährdet. Dort komme es doppelt so häufig zu Vorfällen wie in Hessen, das auf Platz zwei in der Statistik steht. Es folgen Niedersachsen und Bayern. Dass die sogenannten neuen Bundesländer inklusive der Hauptstadt Berlin nicht vorne dabei sind, führen die Analytiker allerdings nicht auf das geringere Gefährdungspotenzial zurück. Vielmehr sei das der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung geschuldet. Gelegenheit macht Diebe.

Tabakwaren sind nicht Nummer eins der beliebsten Diebesgüter

Spannend ist der Blick auf die gestohlenen Waren. Denn  Schlusslicht bei den Produktgruppen mit gerade mal zwei Prozent der Diebstähle seien Tabakwaren. Besonders begehrt seien hingegen Rohstoffe für Gebäude und Industrie,  insbesondere Metalle (31 Prozent). Es folgen Elektronikartikel (22 Prozent), Pflegeartikel (14 Prozent), Nahrung und Getränke (13 Prozent), Autos sowie Autoteile (zehn Prozent) sowie Kleidung und Schuhe (acht Prozent).

Meist wird die Ware aus dem Auflieger gestohlen

Interessant ist zudem, an welchem Punkt laut Freightwatch die Waren verschwinden. In 21 Prozent der Fälle wurde der Trailer samt Inhalt gestohlen, in 44 Prozent der Fälle wurde die Ware aus dem Auflieger entwendet. Das geschehe fast immer auf unbewachten Parkplätzen und in der Nacht, wenn der Fahrer schläft. In manchen Fällen war auch Gas im Spiel, um die Fahrer außer Gefecht zu setzen.

Immerhin 29 Prozent des Diebesguts verschwanden bereits im Lager und bei sechs Prozent handelte es sich um Betrugsmaschen. Das Risiko fährt folglich immer mit.

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Carsten Nallinger

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