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Forsa-Umfrage zu Lang-Lkw: Die Macht der Suggestivfragen

Kaum verkündet Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, dass er den Feldversuch mit Lang-Lkw in den Regelbetrieb überführen möchte, veröffentlicht das Meinungsforschungsinstitut Forsa eine zweite "repräsentative Studie", in der sich die Bundesbürger erneut gegen die "Riesen-Lkw" aussprechen.  

Die Zahlen der aktuellen Umfrage von Forsa im Auftrag von Allianz pro Schiene, Automobil-Club Verkehr (ACV) und Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) scheinen eindeutig: Rund drei Viertel aller Bundesbürger sind gegen den Einsatz von Lang-Lkw auf deutschen Straßen, eine klare Abfuhr für die Pläne von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Insgesamt sprachen sich 72 Prozent der Befragten gegen eine Zulassung von Lang-Lkw auf deutschen Straßen aus, während 25 Prozent dafür waren (In der ersten Forsa-Studie aus dem Jahr 2011 waren noch 79 Prozent dagegen). Dabei hätten sich Frauen deutlich häufiger ablehnend (81 Prozent) als Männer (62 Prozent) gegen den Einsatz der 25,25-Meter-Kombinationen ausgesprochen.

Laut der Studie gab es auch regionale Unterschiede: Im Bundesländervergleich seien die Bürger in Nordrhein-Westfalen noch einmal kritischer eingestellt (77 Prozent) als der Durchschnitt der Deutschen. Auch hinsichtlich der Altersstruktur habe es Divergenzen gegeben. So sind die älteren Befragten deutlich kritischer eingestellt.

Tendenziöse Ergebnisse sind vorgegeben

Wie es zu diesem Votum kommt, wird mit einem Blick auf den Fragekatalog ersichtlich, den Forsa für die Studie entwickelt hat. Dabei werden vermeintliche Fakten angeführt, die Befragten können lediglich abstimmen, wie wichtig ihnen jeder einzelne Punkt ist. So heißt es beispielsweise "Gigaliner erhöhen aufgrund ihrer Größe und Schwere das Unfallrisiko für die Verkehrsteilnehmer." Oder auch: "Gigaliner führen dazu, dass Transporte von der Schiene auf die Straße verlagert werden und schaden damit der Umwelt."

Erkenntnisse aus dem Feldversuch werden ignoriert

Die Zwischenergebnisse des Feldversuchs zum Lang-Lkw der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) werden hingegen in der Befragung zu keinem Zeitpunkt thematisiert. Das fängt schon bei den technischen Details an, etwa im Hinblick auf die Schwere der Fahrzeuge: Das zulässige Gesamtgewicht der Lang-Lkw beträgt 40 Tonnen, im Vor- und Nachlauf zum Kombinierten Verkehr 44 Tonnen. Die Gewichte sind damit identisch zu konventionellen Lkw mit einer Länge von bis zu 18,75 Meter.

Des Weiteren wurden anhand wissenschaftlicher Studien nachgewiesen, dass es eben keinen erhöhten Erhaltungsaufwand für die Infrastruktur gibt. Schließlich verteilt sich das gleiche Gewicht auf mehr Achsen, was sogar eine geringere Belastung der Straßen zur Folge hat. Mehr Achsen bedeutet zudem auch mehr Bremsen und somit ein besseres Bremsverhalten. Zur Sicherheit tragen darüber hinaus die erhöhten Anforderungen an die technische Ausstattung mit Fahrerassistenzsystemen bei Lang-Lkw bei. Selbst der sogenannte BO-Kraft-Kreis, der dazu dient die Kurvenläufigkeit des Fahrzeugs zu testen, wurde erfüllt – was etwa im Hinblick auf Kreisverkehre wichtig ist.

Es gibt keine Verlagerungseffekte

Selbst hinsichtlich der von der Allianz pro Schiene befürchteten Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße gibt die BASt Entwarnung. Kein Wunder, sind die Lang-Lkw doch für großvolumige oder leichte Güter wie Dämmstoffe oder Möbel konzipiert. Alles keine Güter, die auf der Schiene transportiert werden – weder heute noch zukünftig. "Einzig für den Umstand der für Lang-Lkw in der Regel zu kurzen Schrägparkstände auf Rastanlagen müssten bei einer steigenden Anzahl an Lang-Lkw Lösungsansätze entwickelt werden, um das regelkonforme Abstellen der Lang-Lkw auch auf Rastanlagen weiterhin gewährleisten zu können", heißt es seitens der BASt. Ähnliches gilt auch für Nothaltebuchten. Zudem ist bei einem Brand, etwa mit Dämmstoffen an Bord, von einer höheren Brandlast auszugehen. Das ist bei anderen Gütern, die nicht auf Lang-Lkw transportiert werden, unter Umständen aber ebenso der Fall.

Der Blick hinter die Kulissen

Initiiert hatten die Umfrage die Organisationen Allianz pro Schiene, Automobil-Club Verkehr (ACV) und Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) – alle drei bekennende Gegner des Lang-Lkw. So macht sich der VDV als Verband für die Belange des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Schienengüterverkehrs stark. Der ACV wiederum ist sogar Mitglied im Verband  Allianz pro Schiene. Das beauftragte Forschungsinstitut Forsa – und insbesondere dessen Gründer und Geschäftsführer Manfred Güllner – sind wiederum dafür bekannt, "meinungsfreudig" zu sein und durchaus mittels der erhobenen Studien selbst Politik zu betreiben.

Portraits

Autor

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Jan Bergrath

Datum

14. Juli 2016
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