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Flüchtlingsdebakel in Calais: Hilflos ausgeliefert

Vor einem Jahr hat FERNFAHRER über den Transportunternehmer Klaus Heinen und seine Probleme mit den Überfahrten aus Calais nach England berichtet. Nun spitzt sich für ihn die Lage zu.

Der Filmbericht, den das ARD-Morgenmagazin zeigt, führt noch einmal die schier unlösbaren Probleme rund um Calais vor Augen. Die rund um den Fährhafen gestrandeten Menschen wollen mit allen Mitteln nach England. Leidtragende dieses politischen Desasters sind aber auch die Transportunternehmer und ihrer Fahrer, die der Situation hilflos ausgesetzt sind. Klaus Heinen von KMS Transport in Bergheim hat mir den Link heute früh mit einer verzweifelten Mail weitergeleitet. 

Mein Bericht "Eskalation in Calais" beschreibt bereits im Juli 2015, mit welchem Aufwand die Fahrer von KMS dafür sorgen müssen, dass sie immer auf der legalen Seite bleiben und nicht bei der Ankunft auf britischem Hoheitsgebiet als Fluchthelfer auch noch zur Kasse gebeten zu werden. Eine Zeitlang schien es so, also hätte sich die Lage etwas beruhigt. Die Ankündigung Großbritanniens vor dem Sommer, nach dem Brexit, der umstrittenen Volksabstimmung auf der Insel, die EU zu verlassen, hat die Hoffnungen der Menschen auf der Flucht, die ins UK möchten, offenbar zunichte gemacht. Nun setzen sie vielfach alles auf eine Karte. Dutzende Filmberichte kursieren im Netz, die Szenen zeigen, wie Flüchtlinge auf die Ladeflächen der Lkw klettern. 

Aggression gegen Fahrer

Derweil steigt in Calais die Aggression gegen die Fahrer, die einfach nur ihren Job machen wollen. Es hagelt Protestnoten , doch es passiert nichts. Für Unternehmer wie Heinen wird es immer schwieriger, seinen Betrieb aufrecht zu erhalten, schreibt er mir verzweifelt. "Uns geht langsam die Puste aus", so Heinen. "Wir sagen seit Montag keine Termine mehr zu, da wir teilweise die Fahrer nicht mehr ´überreden` können, während der Nacht Calais zu passieren. Das schlägt sich in der Umlaufanzahl und direkt im Umsatz und im Erlös nieder." 34 Umläufe pro Woche für feste Kunden haben Heinen in den vergangenen Jahren einen akzeptablen Umsatz mit auskömmlichen Margen erwirtschaftet.

Kosten für Abschleppwagen obendrauf 

Dreimal im August haben jeweils Migranten seine Fahrer zum Anhalten gezwungen, zum Teil die Ladung beschädigt und Fahrer bedroht. "In einem Fall musste ein Abschleppwagen geholt werden, da ein Baumstamm unter der Zugmaschine einen Schaden verursacht hatte. Auf den Kosten von 1.385 Euro bin ich auch sitzen geblieben." Bereits im vergangenen Jahr haben seine Fahrer beklagt, dass die französische Polizei offenbar machtlos ist. "Und deswegen hat die britische Regierung nun bekanntgegeben, dass man in Calais die Kontrollmaßnahmen weiter verschärfen will", hieß es. Das hat sich für Heinen nun bestätigt. Als vorerst letztes Mittel will Großbritannien nun laut Spiegel Online auf eigene Kosten eine Mauer um den Hafen bauen. "Ich persönlich kann nur sagen, dass ich das skandalös finde." 

Schicksal der Flüchtlinge nicht egal

Calais, so scheint es, versinkt im Chaos. "Das Schicksal der Flüchtlinge ist mir sicher nicht egal", sagt Heinen, "aber es war doch vorauszusehen, dass ein Lager dieser Größe zu immer mehr und auch besonders internen Spannungen führen wird. Inzwischen geht es sicher nicht nur bei uns ums ´Überleben`, nachdem nun wieder der Ausnahmezustand herrscht. Mich hat die Situation in Calais bereits vergangenes Jahr einen Monatsumsatz gekostet, und bekanntermaßen sind die Margen für Unternehmen unserer Größe nicht üppig." 

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

8. September 2016
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