Intervies Benedikt Schell, André Girnus, Mercedes-Benz Bank, Charterway Zoom

Finanzierung: Rundum-Sorglos-Paket aus einer Hand

Die Mercedes-Benz Bank und der Vermieter Charterway wollen durch die Nähe zum Kunden punkten. Mehr als 100 Außendienstmitarbeiter sind für sie im Einsatz. Benedikt Schell und André Girnus sehen das als Alleinstellungsmerkmal.

trans aktuell online: Herr Schell und Herr Girnus, eitel Sonnenschein oder dunkle Wolken – wie stellt sich das Jahr 2012 für Sie dar?

Schell: Ganz klar Sonnenschein. Wir konnten bei der Mercedes-Benz Bank im ersten Halbjahr 2012 deutlich zulegen. Unser Neugeschäft bei Leasing und Finanzierung stieg um sechs Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.  Darin enthalten sind mehr als 1,3 Milliarden Euro aus dem Nutzfahrzeuggeschäft, wo wir gegen den Markttrend ebenfalls um sechs Prozent zulegen konnten. In Deutschland liegt unser Kreditportfolio im Bereich Nutzfahrzeuge damit aktuell bei mehr als sechs Milliarden Euro, in Europa ist die Summe doppelt so hoch.


Girnus: Wir sind bei Miete und Full-Service-Leasing mit dem Jahresverlauf bisher ebenfalls absolut zufrieden. Charterway ist gut aufgestellt. Im Jahr 2011, unserem Rekordjahr, haben wir unseren Fuhrpark um fast 2.000 auf 7.500 Einheiten ausgebaut und erreichen auch mit dieser vergrößerten Flotte bis dato im Jahr 2012 die hohen Auslastungszahlen von 2011.

Wie teilen sich die 7.500 Einheiten auf?

Girnus: 5.200 Lkw sind größer als sechs Tonnen. Hinzu kommen 1.400 Transporter und 900 Trailer. Damit bieten wir ein sehr breites Portfolio, das wir in den vergangenen Monaten deutlich verjüngt haben. Ein Beispiel hierfür ist der neue Actros. Indem wir ihn in die Charterway-Flotte integrieren, haben unsere Kunden die Chance, das Fahrzeug erst einmal zu mieten und zu erproben.

Herr Girnus, Sie sind noch relativ frisch in Ihrer neuen Funktion, die Sie im April angetreten haben. Was reizt Sie an Charterway?

Girnus: Charterway ist ein absolut spannendes Geschäft, sehr breit aufgestellt, sehr komplex. Seit April habe ich viele positive Erfahrungen gesammelt. Schon in meiner früheren Funktion als Leiter des Produkt- und Verkaufsmanagements im Lkw-Vertrieb von Mercedes-Benz hatte ich viele Berührungspunkte mit Charterway. Das hat mir den Einstieg sicher leicht gemacht.

Herr Schell, auch Sie sind erst seit einem Dreivierteljahr in der Geschäftsleitung der Mercedes-Benz Bank. Wie erleben Sie die neue Position im Unternehmen bisher?

Schell: Auch bei mir haben sich die Aufgaben nur verschoben, ich war ja schon vorher im Vertrieb tätig, sowohl bei der Mercedes-Benz Bank als auch bei Daimler Fleet Management. Mein Schwerpunkt liegt nun auf dem deutschen Markt und Europa, es geht um die hiesigen Standorte und die Schnittstelle zu den Fahrzeugsparten Pkw und Nutzfahrzeuge. Das ist für mich eine sehr spannende Aufgabe, in der ich sowohl konzeptionell-strategisch als auch operativ im Tagesgeschäft arbeiten kann.

Dass Sie beide zum Redaktionsgespräch an einem Tisch sitzen, ist kein Zufall. Charterway berichtet ja an die Mercedes-Benz Bank. Ist diese Nähe zueinander im Sinne der Kunden weiterhin wichtig?

Schell: Ja, denn der Trend zum One-Stop-Shopping ist ungebrochen. Das Zusammenspiel zwischen den Bereichen bei Daimler hat den Charme, dass wir Dienstleistungen im Sinne von Full-Service-Angeboten zum Vorteil unserer Kunden bündeln können. Wichtig sind Rundum-sorglos-Pakete aus einer Hand im Bereich Miete, Leasing und Finanzierung. Die Nähe zwischen der Mercedes-Benz Bank und Charterway ist also weiterhin richtig und wichtig.

Spüren Sie deutliche Zuwächse bei Finanzierungsgeschäften – und etwa eine Abkehr von der Hausbank?

Schell: Unser Geschäft entwickelt sich sehr stabil. Wir haben bei Lkw derzeit eine Durchdringung von rund 50 Prozent, im Transporterbereich gar noch etwas mehr. Das heißt, jeder zweite Lkw, den Daimler in Deutschland verkauft, kommt mit einer Finanzierung oder einem Leasingvertrag der Mercedes-Benz Bank auf die Straße. Das ist auch unseren mehr als 100 Mitarbeitern im Außendienst zu verdanken, die sich sehr stark um den direkten Kundenkontakt und die Händlerbetreuung kümmern. Der direkte Draht zum Markt und die hohe Fachkompetenz rund ums Nutzfahrzeug sind Wettbewerbsvorteile, die wir gegenüber Allgemeinbanken und herstellerunabhängigen Finanzdienstleistern haben.

Wie liquide sind Ihre Kunden derzeit? Müssen Sie noch viele Kreditanfragen ablehnen?

Schell: Wie bei allen Banken gibt es auch bei uns Prüfungen der Kundenbonität und Kapitaldienstfähigkeit. Wir sind aber auch Absatzunterstützer für Daimler. Wir haben also nicht nur das Risiko im Blick, sondern zudem ein großes Interesse, dass Daimler-Fahrzeuge auf die Straße kommen. Deshalb arbeiten wir an komplexen Aufträgen sicherlich  länger und intensiver als andere Finanzdienstleister, um eine Lösung zu finden. Wir stellen insgesamt aber fest, dass sich die Bonität der Kunden verbessert hat.

Neu in Ihrem Portfolio ist eine nutzungsabhängige Kfz-Versicherung. Was hat es damit auf sich?

Schell: Wir bieten damit als erster Hersteller eine Versicherung, die sich danach richtet, wie der Lkw tatsächlich genutzt wird. Die monatliche Prämie hängt dabei von der Einsatzschwere und der Fahrweise ab, die mithilfe des telematikgestützten Internetdienstes Fleetboard ermittelt wird.  Das heißt, abhängig von Einsatz- und Nutzungsart kann die Versicherungsprämie sinken. Die Kunden bekommen dazu regelmäßige Rückmeldungen. Wir können Fuhrparkmanagern aufzeigen, welches die Top-Fahrer und welches die weniger geübten Fahrer sind, die Schulungen benötigen. Mit dem Daimler-Telematiksystem Fleetboard haben wir die technologische Voraussetzung, das  zu messen.

Okay, dafür braucht der Kunde Ihr Haus aber nicht wirklich. Wer Fleetboard an Bord hat, kann diese Werte ja selbst auslesen …

Schell: Das stimmt nur zum Teil. Mit Fleetboard hat er noch nicht automatisch auch eine Versicherung, die bereit ist, abhängig von diesen Werten ihre Prämien zu senken. Wir sehen schon jetzt, dass wir mit diesen Angeboten beim Kunden punkten können. Er sieht, was wir durch Kombination von Fahrzeugen und Dienstleistungen aus dem Daimler-Konzern in seinem Sinne optimieren können.

Girnus: Hier zahlt sich auch aus, dass wir den neuen Actros ab Werk mit Fleetboard ausstatten. Die Kunden haben die Möglichkeit, das System vier Monate lang zu testen, bevor sie sich zur Weiternutzung entscheiden. Danach stellen sie sich aus dem modularen Diensteangebot die für sie passende Telematikanwendung zusammen und entscheiden selbst, welche Bausteine sie benötigen.

Herr Girnus, Kurzzeit- oder Langzeitmiete, wo geht bei Charterway die Reise bei den Laufzeiten hin?

Girnus: Den größten Anteil hat bei uns die Miete zwischen ein und sechs Monaten. Es gibt zwei Modelle, die besonders gefragt sind: Zum einen spüren wir einen Trend zu längeren Laufzeiten, also länger als sechs Monate mit Tendenz zu immer flexibleren Kündigungsmöglichkeiten. Aber nach wie vor gibt es auch die Nachfrage nach kürzeren Laufzeiten zu Mobilitätszwecken. Das Mobilitätsverhalten unserer Kunden hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Darauf reagieren wir.

Können Sie das erläutern?

Girnus: Man hält seinen Fuhrpark nicht einfach mehr fix auf dem Hof, sondern gestaltet einen Teil der Flotte flexibel. Unsere Kunden haben in der Krise ihre Fuhrparks verkleinert, und es gab in der Folge einen deutlichen Zulauf bei Leasing- und Mietprodukten. Darauf sind wir mit unseren Produkten ausgerichtet. So schließen wir beispielsweise mit den Großlogistikern strategische Partnerschaften für deren Transportunternehmer ab. Die Laufzeit beträgt bis zu 36 Monate, der Ausstieg ist mit einem achtwöchigen Vorlauf kostenfrei möglich. Das ist die Flexibilität, die heute von uns gefordert wird. Der Kunde erhält die Fahrzeuge sogar in seinen Firmenfarben. Solche Transportunternehmermodelle haben wir zum Beispiel bei den Logistikdienstleitern Dachser, Kühne + Nagel, DB Schenker, Honold, DSV, Rhenus oder Geis.

Daimler nutzt die Vermiettochter Charterway traditionell, um Speditionen dort die neuesten Modelle, aber auch alternative Antriebe testen zu lassen – seien es der Atego Hybrid oder aktuell der Actros oder Antos mit Euro 6. Wie reagieren die Kunden bislang darauf?

Girnus: In der Tat spielen wir mit unseren Neufahrzeugkollegen immer einen Doppelpass, sodass wir immer die neuesten Modelle in die Charterway-Flotte bringen. Mit dem Atego Bluetec Hybrid haben wir einen Serien-Hybrid-Lkw im Angebot, der regelmäßig nachgefragt ist. Bei alternativen Antrieben haben wir unter den Vermietern eine Vorreiterrolle, die wir uns erhalten wollen. Natürlich können unsere Kunden seit Monaten bei uns auch den neuen Actros in Euro-6-Ausführung mieten. Die ersten Reaktionen darauf sind sehr positiv.

Wie hoch liegt aktuell der Anteil von Euro-6-Fahrzeugen?

Girnus: Wir steuern derzeit rund 90 Prozent aller Lkw in Euro 6 ein. Die Kunden wollen nicht nur die neuesten Technologien nutzen, sondern auch von der Mautspreizung, die hoffentlich bald kommen wird, profitieren. Deshalb richten wir unseren Fuhrpark ­darauf aus. Den neuen Antos, den es ohnehin nur in Euro 6 gibt, werden wir auch nach der IAA in die Flotte aufnehmen, genauso unseren neuen Star am Transporterhimmel, den Citan.

ZU DEN PERSONEN

Benedikt Schell ist seit November Mitglied der Geschäftsleitung bei der Mercedes-Benz Bank. Mit Finanzierungs- und Vertriebsfragen ist der 42-Jährige beim Fahrzeugbauer Daimler seit dem Jahr 1999 betraut, seitdem hat er unterschiedliche Führungspositionen in dem Unternehmen durchlaufen. Begonnen hatte Schell bei dem Konzern zuvor im Jahr 1997 mit einem Trainee-Programm. Schell hat nach einer Bankausbildung ein Studium mit Schwerpunkt Banken- und Finanzwirtschaft in Köln absolviert. Der Diplom-Kaufmann wohnt in Sankt Augustin, ist verheiratet und hat drei Kinder.


André Girnus ist seit April Sprecher der Geschäftsführung beim Vermiet- und Leasingunternehmen Mercedes-Benz Charterway. Girnus ist wie Schell seit dem Jahr 1999 in unterschiedlichen Funktionen beim Fahrzeugbauer Daimler. Zuletzt leitete er im deutschen Mercedes-Benz Vertrieb das Produkt- und Verkaufsmanagement im Bereich Lkw. Girnus wurde im Jahr 1970 in Erfurt geboren und studierte Wirtschaftsingenieurswesen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Hiller

Datum

28. September 2012
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.