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Fernfahrer-Treffen in Passau: Kommerz? Nein danke

Letztes September-Wochenende in Passau: 10.000 Besucher, 210 Lkw auf 50.000 Quadratmetern von Paul Nutzfahrzeuge. Die Abschlussveranstaltung der Deutschen Truckerclub Gemeinschaft bei Kaiserwetter.

Zehn Euro bezahlen und 12 Euro als Verzehrgutschein herauskriegen, wo gibt‘s denn so was? Da mache ich ja ein Geschäft", freut sich Willi Meisenkaiser. Aber bei diesem Fernfahrer-Treffen in Passau ist sowieso einiges anders als sonst. Die Kollegen werden regelrecht verwöhnt und fühlen sich sauwohl. "Alles super. Das lässt sich nicht toppen", klopfen sie "Michi" Stadler, Martin Seebauer alias "einsamer Wolf" von Lostwognfoahra-Oberösterreich und Ralf Zenker von Trucker-Club Regental anerkennend auf die Schultern. Sie haben ein halbes Jahr lang diese Riesenfete organisiert.

Die Eintritte sind kostenlos

210 Lkw finden schließlich den Weg auf das 50.000 Quadratmeter große Gelände von Paul Nutzfahrzeuge. 10.000 Besucher ziehen an den Ständen vorbei, treffen sich zum Weißwurst-Frühshoppen im Festzelt, das 2500 Personen fasst oder schwingen das Tanzbein bei den Live-Konzerten. Die Eintritte sind kostenlos. Ein Fernfahrer-Frühstück – geschenkt, das Kaiserwetter obendrauf. Und zum Abschied gibt‘s ein T-Shirt und eine Foto-CD.

"Ihr seid die Kings of the road"

Da haben Michi und Ralf höchst professionelle Hilfe von Betriebsleiter Bernhard Wasner erfahren und einen freigebigen Sponsor gefunden für eine Feier mit Format und Feuerwerk am Samstagabend: Josef Paul. Der Eigner des gleichnamigen Autohofs und Mercedes-Autohauses, Home of the Big Mover (siehe FERNFAHRER 5/2013), war abends bei seinem Grußwort im Festzelt ganz bewegt: "Ich bin echt gerührt. Was da draußen steht, das sind Kunstwerke. Ihr seid die Kings-of-the-road." Da stimmt auch der Schirmherr der Veranstaltung und Oberbürgermeister von Passau, Jürgen Dupper, ein: "Das ist allererste Sahne, was ihr hier präsentiert. Kommt doch bitte wieder." Reinstes Balsam für die Profis der Landstraße, die in diesen Zeiten nicht viel zu lachen haben, in denen Schmeicheleinheiten echte Mangelware sind.

Prächtige Supertrucks

Und die stattliche Ansammlung prächtiger Super-Trucks ist natürlich kein Zufall. Das Meeting in Passau ist die Abschlussveranstaltung der Deutschen Truckerclub Gemeinschaft (DTCG). Vorausgegangen waren vier Wertungstreffen in Geiselwind, Fulda, Bautzen und Kaunitz. Das Finale ist eine würdige Premiere für die Vorsitzende Uta Seip, die das Amt erst in diesem Jahr übernommen hat, aber als langjährige Pressereferentin in den Job "reingewachsen" ist. Sie präsentiert die Sieger in elf Klassen. Den ersten Preis des Gesamtsiegers räumt der "Fluch der Karibik" von Sascha Fleischmann ab. Den Super Cup, unter anderem für Fahrzeuge im aktiven Güterverkehr, kassiert Hermann Saur mit seinem 12 Jahre alten Iveco. Herzlichen Glückwunsch.

Spende für die freiwillige Feuerwehr

Die DTCG spendet jedes Jahr am Abschlussfest 500 Euro für einen guten Zweck, insbesondere dann, wenn es auch den Fernfahrern wieder zugute kommt. Es geht in erster Linie um Einrichtungen wie Feuerwehr, THW oder ähnliche Institutionen. In diesem Jahr wurde die Spende gleich in eine Säbelsäge umgesetzt auf Wunsch der bedachten Freiwillige Feuerwehr Haarschedl-Passau.

Viele Österreicher

Fernfahrer-Treffen haben in Passau noch keine große Tradition. Das letzte fand 1983 auf dem Messegelände statt. Die Teilnehmer kommen nicht nur aus Deutschland. Auffällig ist ein großer Anteil an Österreichern: knapp 60 Fahrzeuge. Sie haben es nicht weit. Michi, Lutz und Martin sind locker drauf: "Natürlich brauchen wir die Supertrucks als Sahnestückchen für das Publikum." Aber ihr Herz schlägt auch für die ganz normalen Lkw, die etwa von Ihren Fahrern mit kleinem Geld liebevoll gepflegt und gehegt werden. Michi hat selber 1,8 Millionen Kilometer auf der Uhr seines Scania: "Erste Maschine, Original-Getriebe". So haben die Organisatoren 17 Extra-Preise verliehen für Fahrzeuge außerhalb des offiziellen Wettbewerbs. Meint auch Sigi Reil, das Urgestein der Szene, bei der Abendveranstaltung zu diesem Thema: "Früher hat eine Michelin-Männchen und ein Aufkleber für einen Supertruck gereicht, heute musst du schon mindestens 20.000 bis 30.000 Euro an Zubehör investieren. Sonst braucht du dich bei einem Wettbewerb erst gar nicht anzumelden."

Fernfahrer-Frühschoppen im März

Josef Paul hat schon länger verstanden, dass es nicht reicht, nur die Lkw in Top-Zustand zu erhalten, auch der Fahrer möchte und muss angesprochen werden. Deshalb hat er den Autohof gegründet, nicht um damit Geld zu verdienen. Die Kollegen merken es an den Preisen. Jeden Donnerstag gibt es Schweinshaxen für 5,50 und den halben Liter Bier regulär für 2,20 Euro. Ein Geheimtipp. Paul: "Jetzt nicht mehr." Der jährliche Trucker-Frühschoppen im März ist mit regelmäßig rund 5000 Besuchern weit über die Grenzen von Passau hinaus bekannt. Den Teilnehmer des Fernfahrer-Treffens gefällt dieser nicht-kommerzielle Ansatz, der sich wohltuend von anderen Festivals unterscheidet. "Da wirst du oft nur abgezockt." Es gilt jetzt schon als beschlossene Sache, dass dieses Treffen auch 2014 wieder stattfinden wird.

Hammermeister

Autor

Foto

Uta Seip

Datum

1. Oktober 2013
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