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Fair Truck-App: Fahrer bewerten ihre Arbeitgeber

Die Initiatoren der Bewertungsplattform Fair Truck ziehen mehr als ein halbes Jahr nach der Gründung eine erste positive Zwischenbilanz. Der Umgang mit Fahrern soll fairer und das Image des Berufs besser werden.

Fair Truck – das Fair Trade für Fahrer: Genau wie beim großen Namensgeber, der sich für bessere Arbeitsbedingungen der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern einsetzt, geht es der Initiative Fair Truck um den fairen Umgang mit Berufskraftfahrern. "Der Fahrerberuf muss attraktiver werden und die Fahrer sollen sich wertgeschätzt fühlen", erklärt Werner Gliem, Geschäftsführer der Logistik-Initiative Hamburg (LIHH), die Intention des Projekts. Unter dem Dach der LIHH ging im Oktober 2016 die Website www.fair-truck.de online, eine passende App gibt es auch. Einmal registriert, können Lkw-Fahrer Unternehmen, die das Fair Truck-Siegel erworben haben, sowie deren Be- und Entladestellen anonym bewerten.

Momentan nutzen laut Gliem 280 Fahrer die Anwendung. Voraussetzung dafür: Das bewertete Unternehmen muss ein sogenannter Fair-Truck-Partner sein und einen Kodex unterschreiben, der den fairen Umgang mit Fahrern vorsieht. Theoretisch kann jeder Fahrer eine Bewertung abgeben, doch nur die registrierten Unternehmen können beurteilt werden. "Die schwarzen Schafe der Branche melden sich natürlich nicht an", erklärt Gliem im Gespräch mit trans aktuell.

13 Unternehmen haben sich bisher registriert

Momentan liegt die Anzahl der Partner bei 13, darunter der Paketdienstleister Hermes, das Handelsunternehmen Budnikowsky sowie die Logistiker Konrad Zippel und Pfenning. Aber auch kleinere Unternehmen wie die Spedition Poller aus Chemnitz sind dabei. "Uns ist es wichtig, dass das gesamte Management hinter der Partnerschaft steht", erklärt Dirk Rahn, der bei Hermes Deutschland das operative Geschäft leitet.

Genau wie Gliem wünscht er sich mehr Partnerunternehmen, die sich den Bewertungen der Fahrer stellen: "Die Entwicklung ist langsam, aber deutlich positiv. Für Vorhaben dieser Art brauchen wir Geduld und müssen noch mehr Überzeugungsarbeit leisten." Axel Kröger, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Konrad Zippel, fordert eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Fahrer-Typen: "Kurierfahrer sind mit anderen Problemen konfrontiert als ihre Kollegen im Fernverkehr." IHH-Projektmanagerin Anna Schönal kann sich eine solche Aufteilung für Fair Truck zwar vorstellen, will eine Unterscheidung aber erst dann vornehmen, wenn die Plattform bei den Lkw-Fahrern etabliert ist.

Regelmäßige Treffen mit registrierten Fahrern geplant

Zur Etablierung sollen künftig auch Treffen mit den registrierten Fahrern beitragen. Ein erstes fand Mitte Mai statt, das Feedback war laut Schönal durchweg positiv: "Den Fahrern fehlt offenbar häufig der nötige Rückhalt im Unternehmen." Fair Truck sei für sie ein geeignetes Sprachrohr und fungiere als unabhängige Organisation für die Fahrer. Laut Schönal wollen die Fahrer nun einen Verantwortlichen im Unternehmen bestimmen, der seine Kollegen zur Teilnahme an Fair Truck motiviert. "Wir müssen den Fahrern vor allem vermitteln, dass das Produkt für sie ist", erklärt Schönal.

Die Bedienbarkeit der App will Gliem daher künftig noch einfacher gestalten, ihm schwebt eine Bewertungsskala nach dem Ampel-Prinzip vor: "Grün für gut, Gelb für durchschnittlich, Rot für durchgefallen." Trotz all dieser Maßnahmen betont Rahn die Unverzichtbarkeit des persönlichen Kontakts: "Die App wird kein Mitarbeitergespräch ersetzen." Dabei gelte es auch, die Angst vor Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren, Zustellrobotern und Drohnen zu nehmen. "Roboter sind keine Utopie", erklärt Rahn. Dennoch werde der Fahrerberuf nicht sterben, sich aber verändern. Das könne auch ein Anreiz für den Fahrer-Nachwuchs sein: "Es gibt momentan sehr viele Fahrer über 50."

Doch verbessere sich das Image des Berufs nicht, sei auch kein Nachwuchs zu gewinnen. Darum ist das Konzept Fair  Truck auch nachhaltig, was konkret heißt: Im Nachgang zu den digitalen Bewertungen kümmern sich Mitarbeiter der Partner-Unternehmen um die Anliegen. Fair Truck-Verantwortliche prüfen, ob den bemängelten Punkten nachgegangen wurde.

Ziel: Die schwarzen Schafe der Branche leichter identifizieren

Den Initiatoren des Projekts schwebt ohnehin eine Art Prüfsiegel vor, wie es auch bei Fair Trade und den damit verbundenen gerechten Handelsbedingungen der Fall ist. "Wenn irgendwann alle fairen Arbeitgeber mit unserem Siegel unterwegs sind, werden die schwarzen Schafe der Branche leicht erkennbar sein", erklärt Schönal. Dafür wollen die LIHH und die beteiligten Partner noch mehr Fahrer und Unternehmen zum Mitmachen motivieren – damit schlechte Arbeitsbedingungen bei Fahrern bald der Vergangenheit angehören.

Franziska Niess

Autor

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frommfotograf.de

Datum

1. Juni 2017
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