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Foto: Scania

Fahrzeugübergabe: Scania neu im Bw-Fuhrpark

Statt sie zu kaufen, mietet die Bundeswehr erstmals über die BwFuhrparkService GmbH handelsübliche Sattelzugmaschinen mit nachgerüsteter Sonderausstattung.

Seit 2009 erneuert die BwFuhrparkService GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Bahn und Bundesverteidigungsministerium, die betagte „teilmilitarisierte“ Flotte der Bundeswehr. Diese besteht immer noch aus Lkw wie dem MAN mil gl KAT I oder dem Mercedes-Benz 1017 4x4, die eigens fürs Militär produziert wurden. Zwar schreibt der Bund weiterhin Aufträge für neue, teilmilitarisierte Nutzfahrzeuge aus, so wie zuletzt 2.000 ungeschützte Transportfahrzeuge (UTF) – jedoch in deutlich kleinerem Umfang als früher.

Mehrere Hundert Neufahrzeuge

Die BwFuhrparkService GmbH hingegen kauft oder least moderne Serienfahrzeuge, lässt die militärische Sonderausstattung nachrüsten und vermietet die so entstandenen „handelsüblichen Fahrzeuge mit militärischer Sonderausstattung“ (hümS) an die Bundeswehr. Dadurch soll der Bundeswehrfuhrpark moderner, sicherer, umweltfreundlicher und im Sinne des Pooling-Gedankens besser ausgelastet werden – wobei die daraus resultierende Verkleinerung des Fuhrparks zumindest in der Anfangsphase durchaus zu Fahrzeugengpässen geführt hat. Inzwischen sieht sich die Gesellschaft mit ihren deutschlandweit verteilten Mobilitätscentern, Servicestationen, Servicepunkten und Unterstützungscentern auf einem guten Weg. Durch zwei Eigenkapitalverstärkungen sei sie gezielt in die Lage versetzt worden, weitere hümS-Fahrzeuge zu beschaffen, berichtet die Gesellschaft in einer Pressemitteilung.
Auf der Einkaufsliste stehen: 330 Anhänger von Schmitz-Cargobull mit 330 Wechselaufbauten (20 Fuß) der Firma Sonntag; 200 Mercedes-Benz Unimog U 5023 (Euro VI) mit 200 Wechselaufbauten (10 Fuß), ebenfalls von Sonntag; 130 Sattelzugmaschinen Scania R 410 CA 6x4 MHA sowie 88 Wechsellader vom Typ Iveco Trakker. 

Sattelzugmaschinen von Scania haben "hümS"-Premiere

Das Fernmeldebataillon 610 in Prenzlau wird die meisten Fahrzeuge aus diesem Beschaffungsvorhaben erhalten. Daher fand dort im Mai die symbolische Übergabe der ersten Lkw statt. Beim Scania R 410 handelte es sich sogar um eine Premiere: Es sind die ersten hümS-Sattelzugmaschinen, die die BwFuhrparkService GmbH der Bundeswehr zur Verfügung stellt. Ihre Aufgabe beim Fernmeldebataillon 610 wird darin bestehen, spezielle Auflieger wie zum Beispiel einen mobilen Gefechtsstand zu ziehen. „Durch solche technische  Konzepte im Flottenmanagement trennen wir die Funktionalität von der Mobilität und erhöhen damit die Effizienz für die Truppe“, erklärte Gösta Krieg, Vorsitzender der Geschäftsführung der BwFuhrparkService GmbH, bei der Übergabe.

Zum wirtschaftlichen Ersatzzeitpunkt sollen die Sattelzugmaschinen dann wieder „entmilitarisiert“ und auf dem Gebrauchtmarkt veräußert werden – im Gegensatz zu den teilmilitarisierten Lkw, die die Truppe direkt beschafft, Jahrzehnte nutzt und dann mit reichlich Gebrauchsspuren über die Vebeg versteigert.

Reichlich Sonderausstattung

Allerdings wird man auch den Bw-Fuhrpark-Lkw ihren Charakter weiterhin anmerken. Die Umrüstung der Serienzugmaschinen auf hümS-Standard war keine Kleinigkeit: Die olivgrün lackierten Lkw erhielten links hinter der Kabine eine Staubox aus Aluminium. An ihrer Rückseite sind Halterungen für Zubehör wie Wasserkanister, Feuerwehrlöscher und Tarnstangen angebracht. Die Box ist zusammen mit einem Reserveradheber und einer Reserveradhalterung auf einem robusten Komponententräger hinter dem Fahrerhaus installiert. Eine weitere Besonderheit ist die Sattelkupplung: Sattelplatte und Aufsattelhöhe sind variabel einstellbar, was die Kombination des Zugfahrzeugs mit unterschiedlichen Aufliegertypen ermöglicht.

Das Fahrerhaus mit niedrigem Motortunnel und flachem Dach bietet nun Platz für drei Soldaten. Dazu hat Scania mit Hilfe von Bodenverstärkungen einen luftgefederten Mittelsitz integriert. An der Rückwand der Kabine befindet sich ein Rahmengestell mit Halterungen für Waffen, Munition und persönliche Ausrüstung. Obligatorisch war auch der Einbau einer mechanisch verschließbaren Dachluke mit einem Traggestell zur Aufnahme der Drehringlafette für das Dach-MG. „Für die technische und militärische Anpassung der Fahrzeuge an die Vorgaben des Kunden und die damit verbundenen wehrtechnischen Prüfungen haben wir gemeinsam mit unserem Partner Sonntag Transport Technology aus Lennestadt ein sehr gutes Ergebnis erzielt“, lobte Stefan Weber, Regionaldirektor Scania West, als er den symbolischen Fahrzeugschlüssel überreichte.

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

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Datum

21. Juni 2017
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