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Fahrzeugtelematik: Willkommen in der mobilen Welt

Neue Lkw-Modelle kommen mit State-of-the Art-Telematiklösungen. eurotranport.de zeigt, was die Hersteller bieten.

Lange schienen die Nutzfahrzeughersteller eigene Telematikanwendungen eher stiefmütterlich voranzutreiben. Eine ­eindeutige Strategie war nicht zu erkennen. Besonders die Weltwirtschaftskrise und die damit verbundenen Absatzprobleme aus dem Jahr 2008 bremsten viele Pläne. Erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren kramten die Hersteller ihre Entwürfe wieder ­hervor und setzten viele davon um.

Immerhin besitzen die Fahrzeughersteller genau die Daten, die für ein optimales Fuhrparkmanagement benötigt werden. Ob ­Geschwindigkeitsprofil, Brems- und Gaspedalstellung, Leerlaufzeiten, alle Daten lassen sich über den CAN-Bus eines Fahrzeugs abrufen. Filip van Thielen, Verantwortlicher für internationalen Verkauf und Marketing bei Daimler Fleetboard, erklärte auf den Internetseiten von "Telematics update", dass die Hersteller sich dieses Ass nicht aus den Ärmeln ziehen lassen werden. Im Interview mit Jan Stojaspal sagte van Tielen, dass Fleetboard bei Daimler das einzige Unternehmen sei, das den Zugang zu akkuraten Fahrzeugdaten habe. Er sei davon überzeugt, dass diese auch nicht für ­Drittanbieter ­geöffnet würden.

Zwar gibt es mit der Flotten-Management-Schnittstelle (FMS) einen Standard, der beschreibt, welche Daten die Hersteller zur Verfügung stellen. Die Qualität der Daten ist nicht so genau wie die Informationen, die die OEMs aus dem CAN-Bus ablesen ­können. Auch beim FMS-Standard 2 konnten sich die führenden europäischen Nutzfahrzeughersteller nicht darauf ­einigen, viele Informationen freizugeben.

Touchscreen ist dabei

Folglich entwickelten sie lieber eigene Lösungen, um weiterhin Herr über die eigenen Fahrzeuginformationen zu sein. Wie sehr das Thema Multimedia und Telematik in die Fahrzeuge Einzug gehalten hat, ließ sich wunderbar bei den vergangenen Premieren bewundern. Sei es Iveco, MAN, Mercedes, Renault, Scania oder Volvo – alle Hersteller widmen dem Thema Telematik mehr Aufmerksamkeit und haben ihre eigenen Lösungen optimiert.

Die Form, wie die Fahrzeugbauer die Informationen aufarbeiten und im Fahrzeug zur Verfügung stellen, wirkt mit dem Erscheinen der neuen Lkw-Generationen immer professioneller. Mittlerweile schmückt ein eingebauter Monitor oder Touchscreen das Armaturenbrett der Lkw. Als weiteren Service können die Hersteller mit der Telematik im Wartungs- oder Pannenfall schneller reagieren. So lassen sich die Fehlercodes direkt von der Werkstatt aus auslesen. Die Techniker können im Pannenfall sofort mit den notwendigen Ersatzteilen aufbrechen. Sollte der Umfang des Schadens nicht zu groß sein, kann die Werkstatt dem Fahrer auch sagen, dass er noch bis zur Servicestation fahren kann.

Zu den zentralen Funktionen kommt auch immer häufiger das Fahrermanagement. Durch eine direkte Verbindung zum digitalen Tachografen greifen die Telematiksysteme die Daten aus dem Fahrtenschreiber ab und nutzen diese für eine umfassende Analyse der Lenk- und Ruhezeiten inklusive der Arbeitszeit. Fahrer und Zentrale sind so immer auf dem neuesten Stand. Gleichzeitig bieten die Telematiklösungen ein automatisches ­Herunterladen der Daten aus der Fahrerkarte und dem Massenspeicher an. Wie und wann das geschehen soll, können die Fuhrparkmanager definieren. Um die Transportunternehmen auf den Geschmack zu bringen, bieten einige Hersteller ihre Telematiklösungen für einen begrenzten Zeitraum kostenlos an. Serienmäßig eingebaut sind sie ohnehin. ­Relativ umfangreiche Dienstleistungen bietet Scania. Die Grundausstattung erhält jeder Käufer eines neuen Fahrzeugs kostenlos für ein Jahr. Darin enthalten ist ein Monitoring mit den wichtigsten Daten wie Kraftstoff­verbrauch, Emissionswerte und weitere ­Einzelheiten zu Bremsungen und zum Beschleunigen. Bei Serviceverträgen verlängert sich die ­Dauer entsprechend.

Fleetboard weiter vorn

Führend bei den eigenen Telematikanwendungen ist noch immer Daimler mit dem Tochterunternehmen Fleetboard. Seit über 20 Jahren ist das Unternehmen mittlerweile am Markt. Es ist das einzige Unternehmen, das sich intensiv mit dem Auftragsmanagement beschäftigt hat. Mit dem Dispo Mobil Pilot hat Fleetboard ein industrielles Handheld im Programm, mit dem die Transportunternehmen auch scannen können. Zu den jüngsten Dienstleistungen gehört ein Beratungsservice. Hier unterstützen die Experten die Transportunternehmen dabei, das System möglichst passgenau in die IT-Architektur des Kunden einzugliedern. Immerhin bestehen mittlerweile Schnittstellen zu über
70 Speditions- und Dispositionsprogrammen.

Einen ganz anderen Weg geht Iveco. Das Unternehmen setzt zwar ebenfalls auf seine Kompetenzen im Bereich der Fahrzeug­telemetrie, sobald es aber ums Fahrer- und Auftragsmanagement geht, überlässt es das Feld lieber einem Drittanbieter. Iveco und Omnitracs haben eine enge Partnerschaft ­geknüpft. Entsprechend ist das System von Omnitracs im Hi-Way schon vorinstalliert. Gegen einen Aufpreis kann sich das Transportunternehmen die zusätzlichen Funktionen freischalten lassen.

Ähnlich verfährt Volvo. Zwar besitzt ­Dynafleet ein eigenes Portal und kann damit viele Details auswerten und analysieren. Das Unternehmen kennt aber auch die eigenen Grenzen. Jeder Telematikanbieter verfügt über individuelle Stärken, die seine Lösung auszeichnen. Bei Dynafleet ist diese klar die Betriebsdatenebene. Geht es um individuelle Fahrerkommunikation und Auftragsmanagement, so können diese Systeme zwar gewisse Standards abbilden, jedoch nicht ­jeden kundenindividuellen Wunsch. "Hier hat der Kunde dann die Möglichkeit, neben dem Dynafleet-eigenen Portal die Daten auch via Schnittstellen auf andere Plattformen/Clouds zu exportieren", sagt Martin Speder.  Der Verantwortliche für Dynafleet in Deutschland ist sicher, dass diese ­Portale immer mehr das Rennen machen werden.

Auch MAN legt beim eigenen System MAN Telematics wieder los. Seit April dieses Jahres gibt es ein neues Design mit vielen Funktionen. Das Unternehmen staffelt seine Dienste. Data Smart liefert mit einem Wartungsmanagement die Grundausstattung. Darauf aufbauend kann der MAN-Kunde weitere Pakete freischalten lassen, das umfangreichste ist Dispo. Mit dieser Staffelung will das Unternehmen den Kunden das ­liefern, was sie auch wirklich brauchen.

Wohin die Reise bei DAF geht, scheint im Moment noch unklar. Zumindest gab es aus dem Hause DAF keine Informationen bezüglich der eigenen Telematiklösung. Lange wird es aber auch hier bestimmt nicht mehr dauern, bis es Neuigkeiten gibt. Telematik ist im Kommen und wird mit den Intelligenten Transportsystemen weiter an Bedeutung gewinnen.

Der FMS-Standard

Sechs große europäische Nutzfahrzeughersteller, DAF Trucks, Daimler, Iveco, MAN, Scania und Volvo, haben sich im Jahr 2002 dazu entschlossen, einen Standard zu entwickeln, um relevante Telemetrie aus dem CAN-Bus freizugeben. Dafür haben sie die FMS-Schnittstelle geschaffen. Von hier können Drittanbieter Daten wie Geschwindigkeit, gedrückte Pedale, Drehzahl oder Tachografendaten abrufen. Die Hersteller weisen gleichzeitig darauf hin, dass wer trotz des Angebots an den CAN-Bus geht, die Garantie aufs Fahrzeug verliert.

Autor

Foto

Andrew Ostrovsky/Fotolia

Datum

10. Dezember 2013
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