Loni, Trucking, Telematiksystem Zoom

Fahrzeugtelematik: Bei Loni weicht das Telefon der E-Mail

Moderne Kommunikation von Dynafleet sorgt für Ruhe bei Loni.

Alle paar Minuten brummt das iPhone. Ein kurzer Seitenblick und schon weiß Christian Spitzenberger, Disponent bei Loni, was los ist. Gleichzeitig erscheint die Meldung des Fahrers bei den Kollegen auf dem Rechner. Loni hat die komplette Kommunikation mit den Fahrern umgestellt. "Hier klingelt das Telefon nicht mehr permanent. Wir können in Ruhe arbeiten und behalten trotzdem 
den Überblick", sagt Wolf Rosenhahn, Geschäftsführer von Loni aus Velten bei Berlin. Auch wenn kurz nacheinander zehn E-Mails von Fahrern reinkommen, haben die Disponenten Zeit und Ruhe, um alle nach Wichtigkeit abzuarbeiten.

Die Nachrichten kommen aus den Fahrerhäusern der etwa 50 Volvo. Dort geben die Fahrer über Dynafleet, das Telematiksystem von Volvo, ihre Nachrichten ein. Bereits morgens mit Schichtbeginn versenden sie erste Meldungen. "Wir haben ein System entwickelt, bei dem der Fahrer melden muss, wann seine Schicht beginnt, wann er beim Kunden ist und ab- beziehungsweise auflädt", sagt Rosenhahn. "Daran halten sich auch alle." Die E-Mails kommen in der Disposition direkt im Outlook an. Von hier kann der Disponent dann antworten oder neue Aufträge versenden.

Telemetrie-Daten auslesen

Das Kommunikationswerkzeug gehört zur Ausstattung des Telematiksystems. Die originäre Arbeit des Systems ist es aber, die Telemetriedaten des Lkw auszulesen, diese zu analysieren und sie gleichzeitig dem Kunden zu präsentieren. Dazu gehören auch die Lenk- und Ruhezeiten. Diese greift Dynafleet direkt aus dem CAN-Bus ab. Eine GPS-Antenne sorgt für die permanente Ortung des Fahrzeugs. Sämtliche Informationen überträgt Dynafleet über Mobilfunkstandards wie GSM oder GPRS und stellt sie für den Kunden in ein eigens dafür vorgesehenes Dynafleet-Portal.

Zwar sind Ortung und Sendungsverfolgung schon fast eine Selbstverständlichkeit, doch bei Loni hat sich gezeigt, wie wichtig solche Telematikstandards immer wieder sind. Bereits mehrfach hatten Diebe komplette Sattelzüge gestohlen. Immerhin waren diese so schlau, die GPS-Antenne der Sattelzugmaschine zu kappen. Sie deaktivierten jedoch nicht alle Sicherheitssysteme. So gelang der Polizei jedes Mal der Zugriff und die Fahrzeuge fanden den Weg zum Besitzer zurück. Für Geschäftsführer Rosenhahn ist die Ortung aber auch nur ein Vorteil der Telematik. Sein Traum ist es, mit der Informationstechnik so weit zu kommen, dass im Notfall auch ein einziger Disponent den Tagesablauf des Transportunternehmens übernehmen könnte.

Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht. Loni arbeitet intensiv mit Telematik- und Kommunikationssystemen, um die Abläufe zu automatisieren. Dafür hat sich das Unternehmen neben Dynafleet und der Trailer Telematik von Schmitz Cargobull noch die Dispositionssoftware von Dr. Malek angeschafft. Hier laufen bisher alle Daten zusammen. Zudem liegen hier auch die Stamm- und Auftragsdaten. So sehen die Disponenten bei ihrer Planung genau, wo sich Sattelzugmaschine und Trailer befinden und wie viele Restlenkzeiten die Fahrer noch haben. Dynafleet lädt auch die Daten des Massenspeichers und der Fahrerkarte in regelmäßigen Abständen herunter. Vom Volvo-Portal aus muss der Disponent die Lenk- und Ruhezeiten dann nur noch ins Archivierungssystem exportieren.

Fuel-Advice kommt

Den Vorteil des direkten Kontakts zum CAN-Bus der Volvo-Lkw spielt Dynafleet genau dann aus, wenn es um Telemetriedaten 
geht. Diese sind wie geschaffen dafür, den Fahrer bei seiner Fahrweise zu unterstützen. Volvo ist daher dabei, einen Kraftstoffspar-Assistenten namens Fuel-Advice auf den Markt zu bringen. "Wir wollen mit diesem Instrument den Unternehmern eine Möglichkeit an die Hand geben, die Fahrer monatlich über ihre Leistungen zu informieren. Zudem erhält die geschäftsführende Ebene komplette Managementberichte über die eigene Flotte", sagt Martin Speder, zuständig für Transport-Informationssysteme bei Volvo Trucks. Die Fahrer sehen so auf einer 
DIN-A4-Seite, wie sie in einem bestimmten Monat gefahren sind. Die wichtigsten Parameter für die Messung sind Leerlaufzeiten des Motors, Nutzung des Tempomaten, Motor- und Getriebedaten, abruptes Bremsen und Gasgeben. Zum Schluss erhält der Fahrer dann Tipps, was er zukünftig besser machen kann. Um welche Informationen es sich 
dabei handelt, das bestimmt das Transportunternehmen. Gemeinsam mit Volvo arbeiten die Mitarbeiter die für sie wichtigen Werte aus.

Für Loni ist der Kraftstoffspar-Assistent nur ein Baustein, um die Arbeitsabläufe im Unternehmen weiter zu verbessern. Immerhin hat es sich schnell gerechnet. So stellte das Unternehmen fest, dass die Fahrer gerade die Leerlaufzeiten des Motors verkürzen können. Nach den ersten Kalkulationen würde das eine Ersparnis in der gesamten Flotte von immerhin 40.000 Euro bedeuten. Mit dem Einbau von weiteren Standheizungen in die restlichen Fahrzeuge hat der Geschäftsführer auch schon einen ersten Schritt gemacht. Doch am Ende seiner Telematikträume ist er noch lange nicht. Es bleibt viel Arbeit, bis alles so weit automatisiert läuft, wie es sich die Mitarbeiter von Loni vorstellen.

Autor

Foto

Johanning

Datum

12. Dezember 2013
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Prof. Dr. Dudek ist Studiengangsleiter für das Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Ravensburg… Profil anzeigen Frage stellen
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