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Fahrzeuge: Scania R 480 - fahren mit Sternen

Was würden Sie, lieber Leser, davon halten, wenn Ihre Arbeit kontinuierlich unter Beobachtung steht und sich der Beobachter mit Lob und Verbesserungsvorschlägen einmischt? Im neuen Scania jedenfalls gibt es jetzt einen Beobachter, der sich freilich (noch) abschalten lässt und der seine Fahrerbewertung beim Ausschalten der Zündung wieder vergisst. „Gut gemacht“, lobt der Bordrechner via zentralem Display, wenn der Fahrer alles bestens erledigt. Er verteilt auch Sterne. Doch wer fünf (das ist das Maximum) erreichen will,
der muss schon ein wahrer Fuchs und Könner am Steuer sein. Der Rechner kann aber auch anders: In der Art eines Feld­webels, der gewohnt ist, Befehle zu erteilen, leuchtet im Display „Raufschalten“ mit Aus­rufezeichen (ohne bitte), wenn der Fahrer zu lange mit hohen Drehzahlen fährt, oder „Beim nächsten Mal früher vom Gas gehen“.

 
 

Die Eco-Modul genannte Fahrstilanalyse in Form der neuen Bordrechnerfunk­tion haben die Schweden in vier Kriterien aufgeteilt: Fahren an Steigungen, vorschauendes Fahren, Einsatz der Bremsen und Wahl des Gangs (Drehzahlniveau). Bei den Steigungen beispielsweise bewertet der Rechner, ob der Fahrer die Bewegungsenergie des Lkw richtig nutzt. Dabei achtet er strengstens darauf, ob und wann der Fahrer vor der Kuppe den Fuß vom Gas nimmt. Anderes Beispiel: Bei der ­Bewertung der vorausschauenden Fahrweise registriert der Rechner die Zeit vom Gaswegnehmen bis zum Bremsen.

So richtig perfekt ist die Sache noch nicht, weil das Eco-Modul beispielsweise nicht erkennt, wenn der Fahrer vor einer Steigung rechtzeitig runterschaltet, um eine weitere Schaltung in der Steigung zu vermeiden. Dies straft der Rechner mit Punktabzug bei der Gangwahl. Eine Gutschrift für die eingesparte Schaltung und die eingesparte Zeit gibt es nicht.

Doch wer sich mit seinem Beobachter anfreundet, entdeckt schnell, was Kollege Computer verlangt: einen weichen, vor-ausschauenden Fahrstil ohne unnötiges Bremsen oder Beschleunigungen und mit moderaten Drehzahlen. Das spart Diesel, das spart Verschleiß. Und alles in allem kann das System sogar Freude machen. Es sollte allerdings dabei bleiben, dass der Fahrer die Daten löschen kann. So viel zu Punkt eins des Sparprogramms.

Punkt zwei betrifft die Achsübersetzung. Vor gut einem Jahr trat ein „alter“ 480er mit einer Achsübersetzung von 2,92 an (entsprechend 1335/min bei Tempo 85). Diesmal ergab die Paarung von Teller- und Kegelrad den Wert von 2,71, was bei gleichem Tempo nur noch 1240/min bedeutet. Seit Herbst 2009 gibt es zudem eine „Sparachse“ mit der Übersetzung 2,59, womit die Marschdrehzahl deutlich unter 1200/min fällt. Das Sparpotenzial beträgt etwa ein bis zwei Prozent von Übersetzung zu Übersetzung beim Rollen in der Ebene.

 
 

Für die mit Bergen gespickte ­lastauto omnibus-Rundstrecke dürfte - selbst wenn ein unbedingter Sparwille im Vordergrund steht - die mittlere Variante die richtige Wahl sein. Auch damit tat sich der R  480 manchmal etwas schwer. Denn grundsätzlich passiert Folgendes, wenn Motorkraft und Achsübersetzung nicht richtig zusammenpassen: Am Berg findet sich oft kein passender Gang. Im aktuellen Fall gibt es dafür reichlich Beispiele. Statt wie im vergangenen Jahr die vielen Fünfprozenter im zehnten Gang zu meistern, muss diesmal immer wieder der neunte Gang ran. Mit dem Ergebnis, dass die Fuhre in der Steigung zu beschleunigen beginnt. Ergo: Der zehnte Gang reicht nicht, der neunte ist zu kurz.

Wer dagegen überwiegend im Flachland unterwegs ist, darf getrost zur neuen 2,59er-Achsübersetzung greifen. Generell gilt ohnehin, dass der neue und 12,7 Liter große AGR-Motor (DC  13 genannt) längere Achsübersetzungen verträgt (aber nicht übertreiben) als der bisherige kleinere Sechszylinder mit 11,7 Litern. Denn alle drei Leistungsstufen des DC  13 liefern ein üppiges Drehmoment, das jene der Motoren aller Wettbewerber merklich übertrifft. Im Fall des R  480 sind es immerhin 2500 Nm. Trefflich lassen sich diese Motoren mit niedrigen Drehzahlen bewegen.

Ähnliches gilt auch für das neue untere Bett. Mit einem einfachen Mechanismus lässt es sich von 730 auf fast 900 Millimeter ausziehen - auch wenn der Fahrer auf dem Bett sitzt. Je nach Ausziehposition verändert sich zudem die Federung des 155 Millimeter dicken Taschenfederkerns, sodass sich unterschiedliche Härten ergeben. Schade nur, dass dieses Bett Aufpreis kostet und erst im kommenden Frühjahr lieferbar ist.

Zurück zum Beobachter. Vom Tun des Testfahrers, der der Vergleichbarkeit von Test zu Test wegen einen ganz speziellen Fahrstil pflegt, hält das Eco-Modul übrigens nicht sehr viel. Deftige Ermahnungen im Ton eines Feldwebels blieben zwar aus, doch es reicht nur für knapp vier Sterne und im Mittel der vier Kriterien für weniger als 80 von 100 Prozentpunkten.

 
 

Foto

Foto: photo 5000/Fotolia.com

Datum

22. Oktober 2009
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