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Fahrzeuge: Scania jetzt schon fit für Euro 6

Scania wird Euro-6-Motoren lange vor dem politischen Stichtag anbieten. Die Schweden rechnen damit, dass viele EU-Staaten den Fuhrunternehmern die Vorerfüllung mit steuerlichen oder sonstigen Vergünstigungen schmackhaft machen.  Scania ließ sich nicht lange bitten: Exakt zwei Wochen, nachdem Daimler im März mit neuen Motoren beim Thema Euro 6 nach vorn geprescht war, stellten die Schweden ihren Lösungsansatz vor. Jener basiert auf den bekannten Euro-5-Motoren der Baureihe DC13 mit 12,7 Liter Hubraum: Also mit Common-Rail-Einspritzung mit bis zu 2400 bar Druck, Vor-, Haupt- und Nacheinspritzung, Abgasrückführung und Turbolader mit variabler Geometrie (der Strömungsbereich der Turbine wird durch einen verschiebbaren Düsenring mit elektrischer Stellvorrichtung verändert). Als weitere Zutaten kommen Partikelfilter und zwei parallele SCR-Katalysatoren mit elektronisch gesteuertem AdBlue-Dosiersystem hinzu. Die Steuerung stützt sich auf je einen vor- und nachgeschalteten NOx-Sensor sowie die Abgastemperaturmessung über die gesamte Strecke bis zum Dosiersystem. „Wir nutzen eine Kombination aus allen neuen Technologien, die Scania in den vergangenen Jahren entwickelt hat", meint dazu Jonas Hofstedt, Senior Vice President der Scania-Antriebsstrangentwicklung. Nun, etwas mehr als die Kombination vorhandener Komponenten war freilich schon nötig: Nicht von ungefähr hat die Entwicklung der neuen Motorengeneration und der Abgassysteme rund fünf Jahre und gut ein Milliarde Euro verschlungen. Gegenüber den SCR-Systemen der 11,7-Liter-Motoren sind zum Beispiel bei den Euro-6-Aggregaten die SCR-Kats noch mit Ammoniak-Schlupf-Katalysatoren kombiniert (darin wird überschüssiges Ammoniak, das bei der Reaktion mit den Stickoxiden nicht verbraucht wurde, wieder in Stickstoff und Wasser umgewandelt). Im Gegensatz zum „offenen“ Sintermetallfilter, den Scania beim 9,3-Liter-EEV-Motor verwendet (in ähnlicher Form auch MAN mit dem PM-Kat) handelt es sich bei den Euro-6-Motoren um CCRT-Systeme mit Oxikat und CRT-Keramikfilter mit kontinuierlicher Regeneration. Dieses System ist allerdings nicht völlig wartungsfrei: Beim Einsatz im Fernverkehr geht Scania von einer Filterreinigung, die im Rahmen eines regulären Wartungstermins etwa eine Stunde zusätzlich in Anspruch nimmt, alle 240.000 Kilometer aus. Die kontinuierliche Regeneration sollte dem Fahrer unter normalen Einsatzbedingungen keine Probleme bereiten. Zu vermeiden sind allerdings lange Phasen im Leerlauf und auch die Schleichfahrt im Stau kann eine „außerplanmäßige“ Regeneration erforderlich machen. Je nach Status des Filters, überwacht durch zwei Sensoren, reicht entweder das kurzzeitige Fahren mit höherer Last oder es muss angehalten und die Regeneration bei erhöhter Leerlaufdrehzahl mit einem entsprechender Schalter eingeleitet werden. Was zu tun ist, erfährt der Fahrer durch eingeblendete Meldungen im zentralen Display. Alle Komponenten der Abgasnachbehandlung sind in den Endschalldämpfer integriert, der nicht mehr Bauraum erfordert als zuvor - was, wie Scania betont, bei Sattelzugmaschinen weiterhin bis zu 1500 Liter Tankvolumen ermöglicht. Um die Einhaltung der Grenzwerte auch beim Kaltstart zu gewährleisten, wird zur schnelleren Aufheizung die Auspuffklappenbremse geschlossen. Für die Regulierung der Einlasslufttemperatur kommt eine luftgesteuerte Drosselklappe zum Einsatz. Im Schubbetrieb wird der Luftdurchsatz reduziert, um das Eindringen kalter Luft zu verhindern beziehungsweise die Temperatur im Abgassystem und somit die Effizienz des SCR-Systems aufrechtzuerhalten. Die Kühlkapazität hatte Scania bereits mit Einführung der neuen R-Serie im Jahr 2009 auf Euro 6 ausgelegt, unter anderem mit einem elektronisch gesteuerten Lüfter, der auch die Arbeitsleistung des Retarders optimiert. Vorerst exklusiv für die Euro-6-Motoren gibt es eine neue Kunststoff-Ölwanne, die die Ölkapazität um drei Liter erhöht sowie das Gewicht und den Geräuschpegel senkt (zu diesem Zweck wird es die Wanne zukünftig auch für andere Motoren geben). Das Motormanagement entspricht der Generation des 16,4-Liter-Motors - wann und wie jener V8 auf Euro 6 getrimmt wird, darüber hüllt sich Scania aber noch in Schweigen. Die Kunden sollen die Motoren ab Mai für Fernverkehrs-Fahrzeuge der G- und R-Baureihe bestellen können. Im Visier hat Scania zum einen Unternehmen, die höchsten Wert auf ein umweltfreundliches Image legen. Zum anderen gehen die Schweden davon aus, dass die freiwillige Vorerfüllung in vielen EU-Ländern durch Vergünstigungen bei der Steuer oder der Maut honoriert wird - wie etwa in Deutschland im Vorfeld von Euro 5 geschehen. Zwei Leistungsstufen stehen zur Wahl, 324 kW (440 PS) mit 2300 Nm Drehmoment sowie 353 kW (480 PS) mit 2500 Nm. Bei Ansprechverhalten, Fahrbarkeit und Verbrauch versprechen die Schweden Werte auf dem Niveau der Euro-5-Ausführungen, wobei auf der Autobahn künftig Marschdrehzahlen von 1100 U/min oder weniger die Regel sein sollen. Gegenüber vergleichbaren Euro-5-Motoren mit SCR spricht Scania von einem leicht geringeren AdBlue-Bedarf in der Größenordnung von drei bis vier Prozent des Kraftstoffverbrauchs (im Vergleich zu fünf bis sechs Prozent für Euro 5). Die Euro-6-Motoren sind gegenwärtig für den Betrieb mit bis zu acht Prozent beigemischtem Biodiesel zugelassen. In weiteren Tests untersucht Scania die langfristige Verträglichkeit der Abgasnachbehandlung mit bis zu 100 Prozent Biodiesel. Die Wartungsintervalle entsprechen denen der Euro-5-AGR-Motoren, das Zusatzgewicht inklusive 75 Liter AdBlue beträgt rund 200 Kilogramm. Beim Preis wird´s allerdings heftig: Der Aufschlag für Euro 6 liegt voraussichtlich bei rund 12.000 Euro.

Datum

4. April 2011
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