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Foto: Fotolia - Roman Maerzinger

Fahrzeuge mit alternativem Antrieb

Vorsicht im Brandfall

Wenn immer mehr Fahrzeuge mit alternativem Antrieb auf den Straßen rollen, werden auch die Brandfälle häufiger - wie im Falle der drei Streetscooter, die in einer Heilbronner Lagerhalle brannten. Im Brandfall müssen einige Dinge beachtet werden.

Drei Elektro-Transporter der DHL-Tochter Streetscooter brennen in einer Lagerhalle in Mosbach bei Heilbronn lichterloh und verursachen einen Sachschaden von rund 250.000 Euro: Nachrichten wie diese finden sich noch nicht allzu häufig in den Medien, sodass sie erst einmal ins Auge fallen. Doch wenn immer mehr Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf den Straßen rollen, werden sie sich häufen. trans aktuell hat daher recherchiert, wie es um den Brandschutz bei Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben bestellt ist.

Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, erklärt, worauf es im Brandfall primär ankommt: "Bei einem Elektrofahrzeug herrscht eine höhere Bordspannung. Orangene Kabel im Fahrzeug gelten als Hochspannungsbereich – auch in Hybridfahrzeugen." Die Feuerwehr müsse daher darauf achten, die Batterie als Spannungsquelle zu betrachten. Dafür gebe es keinen Kraftstoff mehr, der den Brand beschleunige. Insofern seien Elektrofahrzeuge nicht kritischer als herkömmliche. "Brennende Lithium-Ionen-Akkus werden konventionell gelöscht."

Anders gestalte es sich bei Fahrzeugen mit Gasantrieb. "Der Knackpunkt ist erst einmal: Erkennen, dass es einen anderen Antrieb gibt", erklärt Knorr. "Alle Gastanks haben Überdruckventile, die im Zweifelsfall abblasen, im Brandfall mit Flammen." Dabei herrsche eine größere Explosionsgefahr als beim drucklosen Kraftstofftank oder der Batterie.

Zündtemperatur bei Gas etwa dreimal höher als bei Benzin

Dieser Gefahr ist sich auch Daimler bewusst. Der Hersteller entwickelte mit dem Mercedes-Benz Econic NGT einen Verteiler-Lkw mit Erdgasantrieb. "Der Flammpunkt von Gas liegt signifikant über Diesel oder Benzin", erklärt eine Sprecherin gegenüber trans aktuell. Die Zündtemperatur betrage 640 Grad. Zum Vergleich: Bei Benzin liege sie bei 220 Grad. Entsprechend müssten im Rahmen der Zertifizierung umfangreiche Brandtests erfolgen. Für die Gasbehälter werde ein Brandtest, der sogenannte Bonfire-Test, verlangt. Dieser müsse nachweisen, dass der Behälter, wenn er unter Feuer stehe, über eine Temperatursicherung Gas ablasse, bevor es zum Bersten des Behälters komme.

Entsprechende Tests sind natürlich auch bei Elektrofahrzeugen vorgeschrieben. Darüber hinaus schreibt das Gesetz eine permanente Kontrolle der Systemdaten vor, wie Carsten Giese, Vertriebsingenieur bei Terberg, erklärt. "Die Temperatur der einzelnen Batteriezellen, Widerstandswerte und der maximale Stromfluss werden kontinuierlich überwacht." Der Hamburger Hersteller für Spezialfahrzeuge hat sich bei der Elektrozugmaschine YT202-EV für das Batteriesystem mit Lithium-Ionen-Magnesium-Phosphat (LFMP) entschieden.

Dieses gewährleiste das "größtmögliche Sicherheitsniveau". Falls es doch zu einer Entzündung der Batterien kommen sollte, gelten die Anweisungen eines eigens aufgesetzten Rettungsleitfadens: Wenn möglich, sollte das Niederspannungssystem mit dem Hauptschalter hinter dem Fahrerhaus ausgeschaltet und das Hochspannungssystem rechts und links am Treppenaufgang getrennt werden.

Batteriezellen können bei übermäßiger Hitzeeinwirkung aufreißen

Wie alle dicht geschlossenen Behälter können auch Batteriezellen bei übermäßiger Hitzeeinwirkung aufreißen. Dann wird es gefährlich: Die in der Batterie enthaltene Elektrolytlösung ist entflammbar und kann im Brandfall giftige und reizende Dämpfe entwickeln. Falls es zum Brand kommt, lautet der klare Hinweis im Terberg-Rettungsleitfaden: Kein Wasser zum Löschen verwenden, sondern Kohlendioxid, Löschpulver oder geeigneten Schaum.

Außerdem den Bereich absperren und die spannungslos gemachte Zugmaschine mit allen ihren Komponenten auf die Umgebungstemperatur abkühlen lassen. Ein weiterer Hinweis, der aber nur gilt, wenn er gefahrlos auszuführen ist: Die ausgelaufene Flüssigkeit mit trockenem Sand, Erde oder einem zugelassenen Bindemittel auffangen. Das ausgelaufene Material sollte dann sofort beseitigt werden.

Der Rettungsleitfaden zeigt: Mitarbeiter und Feuerwehr müssen doch einige Dinge beachten oder anders machen als bei einem brennenden Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Daher schult die Prüforganisation Dekra die Einsatzkräfte für diesen Fall. Nicht nur die Brandbekämpfung steht dabei laut Markus Egelhaaf von der Dekra-Unfallforschung im Mittelpunkt, sondern auch Grundsätzliches, wie die verschiedenen Antriebs- und Ladekonzepte und die Fahrzeugsicherheit. "Für Mitarbeiter von Firmen, die Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Einsatz haben, gibt es derzeit keine gesonderten Schulungen", erklärt Egelhaaf.

Im Brandfall greift der allgemein gültige Plan

Das bestätigt auch Sebastian Wischhöfer, Fuhrparkverantwortlicher der Spedition Ansorge aus Biessenhofen: "Die Mitarbeiter sind im Rahmen der Brandschutzunterweisung geschult." Im Brandfall greift laut Wischhöfer, der auch Löschmeister bei der Feuerwehr Kaufbeuren ist, der allgemein gültige Plan: Brand melden, Löschversuch unternehmen, Werkstatt evakuieren, Feurerwehr einweisen. Allerdings stellte Ansorge die vollelektrische Terberg-Zugmaschine vor ihrem ersten Einsatz der Gemeinde Biessenhofen und der zuständigen Feuerwehr vor.

Aus gutem Grund: "Durch die extreme Hitzeentwicklung und die Gefahr von Wasserstoffexplosionen ist der Löschvorgang schwieriger und langwieriger als bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen", erklärt Wischhöfer.

Das berichtete auch die Mosbacher Feuerwehr gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung, nachdem sie den Brand gelöscht hatte. Die größte Herausforderung seien die Akkus der Fahrzeuge gewesen, sie werden auch als Brandursache gehandelt.

Franziska Niess

Datum

14. September 2017
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