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Fahrzeuge: Humbaur kauft Kögel

Erfolgreiche Lösung für insolventen Trailerhersteller nach nur drei Monaten.

Mittelständischer Investor übernimmt 442 Mitarbeiter .Standortfrage bleibt vorerst offen. Europas drittgrößter Lkw-Aufliegerhersteller - hat einen neuen Eigentümer. Nur drei Monate nach Anmelden der Insolvenz konnte  Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitag in Neu-Ulm den erfolgreichen Verkauf des Unternehmens bekannt geben. Käufer ist die Unternehmensgruppe Humbaur aus Gersthofen bei Augsburg. „Mit Humbaur konnten wir einen mittelständischen Unternehmer aus der Region für die Übernahme von Kögel gewinnen, der an einem langfristigen Engagement interessiert ist und der sich klar zum Produktionsstandort in der Umgebung von Burtenbach bekennt“, erklärte Arndt Geiwitz gegenüber der Presse. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir heute den Grundstein für eine weitere Erfolgsstory für Kögel gelegt haben.“ Kögel hatte nach einem dramatischen und anhaltenden Markteinbruch von rund 90 Prozent in der Trailerbranche Ende Juli 2009 Insolvenz angemeldet. Der Unternehmer Ulrich Humbaur wird als alleiniger Gesellschafter neben den Markenrechten und den Produktionsanlagen auch 442 der bislang 763 Mitarbeiter übernehmen. 233 Mitarbeiter sollen für eine Übergangszeit von sechs Monaten in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden, die übrigen gehen in Rente oder scheiden aus befristeten Beschäftigungsverhältnissen aus. Die Kosten für die Transfergesellschaft von 3,6 Millionen Euro werden sich zu je einem Drittel der neue Investor Humbaur, der Insolvenzverwalter sowie die sicherungsinnehaltenden Banken teilen. „Mit dem Verkauf an Humbaur konnten wir mehr als 67 Prozent der Arbeitsplätze erhalten. Das ist erheblich mehr als das derzeit niedrige Marktniveau erwarten ließ“, sagte Geiwitz. Dementsprechend zufrieden zeigte sich auch der Arbeitnehmervertreter Günter Frey von der IG-Metall-Verwaltungsstelle Neu-Ulm/Günzburg mit dem Verkauf an Humbaur. „Wir begrüßen es sehr, dass bei dem Bieterverfahren ein erfolgreicher mittelständischer Unternehmer aus der Heimat den Zuschlag bekommen hat.“ Der neue Eigentümer habe sich bereit erklärt mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag abzuschließen. „Wir werden gemeinsam am künftigen Erfolg von Kögel arbeiten.“ Neben dem Erhalt möglichst vieler Mitarbeiter seien vor allem die Nutzungsbedingungen der Gebäude und Grundstücke am Standort Burtenbach ein äußerst schwieriger Punkt in den Verhandlungen mit den zuletzt drei interessierten Investoren gewesen, erklärte Geiwitz. Sämtliche Gebäude und ein Großteil der Grundstücke sei während der letzten Jahre von den Altgesellschaftern verkauft und über eine eigene Vermietgesellschaft zurück gemietet worden. Da die Altgesellschafter auf dieses Zwischenmietverhältnis auch künftig nicht verzichten wollten, konnte keine Einigung über die Nutzung der Gebäude und Grundstücke erzielt werden. „Die Standortfrage bleibt vorerst offen“, so Geiwitz. Investor Ulrich Humbaur erklärte, er sei bereits auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück in der Nähe von Burtenbach. „Wir werden so schnell wie möglich eine neue Fabrik errichten und dort die Trailerproduktion von Kögel in gewohnt hoher Qualität fortsetzen.“ Schon in den nächsten Tagen soll mit dem Abbau der Produktionsanlagen und dem Auszug aus den bisherigen Gebäuden begonnen werden. Selbstverständlich würden dennoch alle derzeit vorhandenen und anstehenden Kundenaufträge von Kögel ganz normal bearbeitet. Wegen der andauernd schwachen Marktlage sei jedoch auf absehbare Zeit weiterhin mit Kurzarbeit bei Kögel zu rechnen. Das 1957 gegründete Familienunternehmen Humbaur ist heute einer der führenden Anhängerhersteller Europas. Die inhabergeführte Humbaur GmbH mit Sitz in Gersthofen bei Augsburg beschäftigt rund 450 Mitarbeiter, die jährlich einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro erwirtschaften. Zur Produktpalette gehören Pkw- und Lkw-Anhänger von 750 Kilogramm bis 40 Tonnen Gesamtgewicht. Vor drei Jahren ist Humbaur zudem in den Markt für Sattelauflieger eingestiegen. Inhaber Ulrich Humbaur will Kögel nicht nur als eigenständige Marke sondern auch als eigenständiges Unternehmen weiterführen. „Es wird eine ganz klare Zweimarkenstrategie mit unterschiedlichen Produkten und eigenen Vertriebsaktivitäten geben.“ Die neue Gesellschaft wird unter dem Namen Kögel Trailer GmbH & Co. KG firmieren und von drei Geschäftsführern geleitet. Thomas Heckel wird als Vorsitzender der Geschäftsführung die Bereiche Einkauf und Vertrieb verantworten. Für Produktion und Technik zeichnet künftig Thomas Eschey verantwortlich, während Jürgen Steinbacher die Bereiche Finanzen, Controlling und Personal leiten wird. Alle drei waren bisher schon bei Humbaur in leitender Position tätig. Die rechtliche Übernahme durch den neuen Gesellschafter erfolgt in den nächsten Tagen. Für Ulrich Humbaur ist der Kauf von Kögel nach eigenen Worten „eine konsequente Weichenstellung für ein weiteres Wachstum des Familienunternehmens Humbaur. „Zum einen können wir künftig beträchtliche Synergien im Einkauf von Materialien heben“, erklärte der neue Kögel-Eigentümer. Bei einem Materialanteil von 70 Prozent an den gesamten Produktionskosten sei dies von grundlegender Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. „Zum anderen ermöglicht uns die Marke Kögel schneller in der Trailerbranche Fuß zu fassen, und diesen in Zukunft wieder wachsenden Markt erfolgreich zu bedienen.“ Allerdings erwartet der Unternehmer erst ab dem Jahr 2011 wieder eine Erholung des Trailermarktes. „Danach wird es aber ein starkes Wachstum und eine sehr große Nachfrage nach Sattelaufliegern in ganz Europa und darüber hinaus geben.“ Die Kögel Trailer GmbH  & Co. KG wird laut Humbaur die gesamte derzeitige Produktpalette fortführen. Wie Insolvenzverwalter Geiwitz erklärte, habe Humbaur ein unternehmerisches Konzept auf Basis des Erwerber- und Sanierungskonzeptes vorgelegt, das eine Konzentration aller übernommenen Bereiche am Standort Burtenbach vorsehe. Geplant ist demnach die Verschmelzung der bisherigen Bereiche Ersatzteilwesen, Kundendienst und Gebrauchtfahrzeugvermarktung mit dem Betrieb in Burtenbach. In Ulm verbleiben die abgespaltenen Bereiche Reparatur und Logistik mit 36 Mitarbeitern beim Insolvenzverwalter. „Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir für den Standort im Ulmer Industriegebiet Donautal eine eigene, zufriedenstellende Lösung finden werden“, sagte Geiwitz.

Datum

5. November 2009
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