Actros IV Spier Lang-Lkw Zoom

Actros - Aufbauten: Gut aufgelegt

Hat der neue Mercedes Actros Wechselbehälter zu schultern, braucht es für das Fahrgestell einen passenden Rahmen. Spier und SDG haben mehrere Varianten entwickelt.

Mercedes hat im vergangenen Jahr den neuen Actros als Sattelzugmaschine präsentiert. Fahrgestelle haben die Stuttgarter aber bislang noch keine gezeigt. Das übernehmen nun wohl die Aufbauhersteller. Im Bereich Wechselverkehrsausrüstung ist das beispielsweise der westfälische Fahrzeugbauer Spier.

Das erste modulare System

In Kooperation mit SDG Modultechnik hat Spier das erste modulare System für den neuen Actros entwickelt, das Wechselbehälter aufnimmt. Basis für die Konstruktion sind die Fahrgestell-Baumuster des neuen Actros. Damit ist aber nicht das Ende erreicht. "Wir haben ein Baukastensystem entwickelt, aus dem sich entsprechende Aufbauten für alle Schwer-Lkw zusammensetzen lassen", sagt Volker Brockmann, Leiter Konstruktion und Entwicklung bei Spier. Dabei sei eine Umsetzung für jeden Radstand und jede Höhe realisierbar, erklärt Brockmann.

Einfachheit spielte bei der Konstruktion des Systems eine entscheidende Rolle. "Wir haben eine überschaubare Zahl an Teilen verwendet, die alle mit Schraubverbindungen befestigt sind", sagt der Geschäftsführer von SDG, Volker Hollmann. Das sei bei den stark belasteten Teilen im Wechselverkehr hilfreich, um sie bei Schäden einfach tauschen zu können. Um häufigen Schäden vorzubeugen, lag ein Schwerpunkt der Konstruktion auf Haltbarkeit und Stabilität. Das sollte allerdings nicht auf Kosten der Nutzlast gehen. "Wir haben den Fokus auf die tragenden Teile gelegt und diese robust gemacht", erklärt Hollmann. Auf geschweißte Stahlteile haben die Konstrukteure indes verzichtet. Im Vergleich zum Vorgängersystem haben die Entwickler mit diesem Schritt Gewicht eingespart. Für einen optimalen Oberflächenschutz werden sämtliche Anbauteile feuerverzinkt.

Spier Systeme mit zwei- oder dreistufiger Höhenunterstützung

Spier deckt mit dem neuen System alle drei verfügbaren, sogenannten C-Behälter mit Längen von  7.150, 7.450 und 7.820 Millimetern ab. Für die unterschiedlichen Eckhöhen bedarf es verschiedener Ausführungen des Wechselrahmens. Bis 3.000 Millimeter Höhe bietet Spier zwei Systeme mit zwei- oder dreistufiger Höhenunterstützung an. Die Stufen liegen bei 0 und 100 Millimetern beim zweistufigen Modell (SDG 145 HV 100). Die dreistufige Höhenunterstützung hat zudem noch eine Auflagehöhe von 180 Millimetern (SDG 145 HV 180) in petto. Die beiden höhenverstellbaren Systeme bestehen aus einem geteilten Wechselverkehrsrahmen mit vier Segmenten. Zu den mehrstufigen Tragauslegern kommen Unterstützungen für den Behälter in der Mitte, die ebenfalls höhenverstellbar sind.

Für Volumenbehälter mit 7.820 Millimeter Länge, 3.150 Millimeter Höhe und 970 Millimeter Abstellmaß bietet Spier eine eigene Lösung an, die mit vier angeflanschten Tragauslegern den Behälter an Rahmenanfang und -ende stützt (SDG 8). Da die Normbehälter für den Güterverkehr in der Größe kaum variieren, bedarf es keiner Höhenverstellung. An diesem Rahmen testet Spier derzeit auch Geräuschdämm-Maßnahmen. Kunststoffplatten sollen beim Aufnehmen des Behälters die Geräuschentwicklung reduzieren.

Ein modularer Aufbau des Systems ist möglich

Einweisrollen zur Aufnahme des Behälters auf den Rahmen gibt es vier, zwei am Rahmenende und zwei in der Rahmenmitte. Bei den höhenverstellbaren Systemen helfen hingegen zwei Einweisrollen und mindestens sechs mittlere Unterstützungen. Diese tragen und halten den Behälter somit an mindestens zehn Positionen.

Unabhängig vom Einsatzbereich ermöglicht der modulare Aufbau des Systems neben Vereinfachungen bei Reparaturen auch Erweiterungen. "Es gibt viele Komponenten, die nachrüstbar sind", sagt Konstruktionsleiter Brockmann. Wenn ein Kunde die Basisversion des Wechselsystems erwirbt, kann er später beispielsweise noch Halterungen für Werkzeugkisten oder Feuerlöscher installieren.

Speziell für den Einsatz mit Lang-Lkw produziert Spier eine Variante des SDG 145 HV 100. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zum Lang-Lkw reichen hier Aufnahmen für Behälter mit den Längen 7.150 und 7.450 Millimeter aus. Der Rahmen besteht aus einem Stück und hat für die kürzeren Behälter einen Frontschlag. Eine Besonderheit im Vergleich zu den anderen Rahmenkonstruktionen ist auch die tief liegende Kupplung zum Anhängen eines Achsdollys.

Die Wechselverkehrssysteme im Test

Sowohl für Lang-Lkw als auch herkömmliche Fahrzeuge gilt: Die Kunden kaufen das Fahrzeug und  Spier baut es um. "Die Abstimmung mit dem Kunden, welches das richtige Fahrgestell ist, gehört zum Lieferumfang", sagt Brockmann. Erfahrungswerte, welches das richtige Basisfahrzeug ist, haben Spier und SDG in der Erprobungsphase gesammelt. Gemeinsam mit Fahrgestellherstellern und Logistikunternehmen testeten die Westfalen gut zwei Jahre lang die Wechselverkehrssysteme im Alltag. Mit Erfolg: In Kürze beginnt die Serienfertigung.

Auch die Kapazität des Standorts soll wachsen. Bisher produziert Spier etwa 300 Wechselsysteme jährlich. "Wir wollen diese Zahl verdoppeln", erklärt Brockmann. Einen kleinen Anteil der produzierten Menge verbaut Spier auf Fahrzeugen verschiedener Hersteller. Das meiste davon ist indes für den Actros. Spier pflege eine freie Partnerschaft mit Mercedes, sagt Brockmann. Und doch scheint die Partnerschaft so eng zu sein, dass Mercedes bei Spier erstmals Fahrgestelle des neuen Actros zeigt.

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Portrait

Autor

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Markus Braun

Datum

2. Juli 2012
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