Autonomer Volvo 7 Bilder Zoom
Foto: Oliver Willms

Fahrerloser FMX-Kipper im Einsatz

Selbst und ständig rollt der Volvo

Nach der Platooning Challenge über Europas Fernstraßen zeigt Volvo Trucks einen autonom fahrenden Lkw. Der fahrerlose FMX-Kipper soll schon bald zum Einsatz kommen.

Die höchste Kunst des Weglassens präsentierte Volvo Trucks Ende April mit dem Debüt des ersten komplett autonom fahrenden Lkw: kein Fahrer, kein GPS-Steuersignal und keine Kommunikation mit anderen Fahrzeugen. Mit sechs auffälligen Laser-Radar-Tonnen an Fahrzeugecken und Rahmenflanke bewährt, findet der FMX-Dreiachser tatsächlich mit erstaunlicher Zielsicherheit die festgelegte Route. Zwar absolvierte der Kipper anlässlich der Weltpremiere in Göteborg, wo lastauto omnibus exklusiv anwesend war, nur einen mit Pylonen simulierten Rundlauf zwischen Ladestelle, Tunneldurchfahrt und Abladeplatz am Steinbrecher. Doch dabei zeigte der Bau-Lkw die hohe Schule des autonomen Fahrens – komplett autark, ohne jedes Zutun von außen. Volvo Trucks-Projektmanager Anders Kellström hat für den selbstfahrenden Truck sein eigenes Ranking: "Level 1 ist das Fahren ohne Füße, wie es sechs Lkw-Hersteller kürzlich europaweit mit Platooning-Trucks vorexerziert haben. Level 2 verzichtet aufs Lenken, also den Einsatz der Hände. Level 3 braucht keine Fahreraugen." Bei Level 4 könne man getrost auch auf den Kopf des Fahrzeugführers verzichten. Beim Maximal-Level 5, wie mit dem FMX vorgeführt, ist dann tatsächlich kein Fahrer mehr im oder in der Nähe des Lkw. Ein Selbstläufer, der übermenschliches leisten kann Und so zieht der Dreiachser seine Bahnen völlig autark und mit stoischer Perfektion. Seine Arbeit wird nur mittels WLAN-Datenfunk von einem Dispatcher verfolgt, der einem Fluglotsen gleich, den kompletten autonomen Verkehr einer Bergbaumine regeln könnte.Dort – vom schwer berechenbaren öffentlichen Straßenverkehr getrennt – kann der Volvo-Selbstläufer tatsächlich im Wortsinn Übermenschliches leisten. 24 Stunden an sieben Tagen der Woche fahren − und das das ganze Jahr lang. So beschreibt Kellström die Arbeitszeit seines jüngsten Entwicklungsprojekts. Kurze Unterbrechungen für Service und Wartung ausgenommen, kann der selbstlaufende FMX nicht nur die Wirtschaftlichkeit im Einsatz unter Tage drastisch erhöhen. Durch die exakte Navigation über die permanent arbeitenden Laser-Radarsensoren wird das im Bergbau latent vorhandene hohe Unfallrisiko minimiert. Dabei lässt sich der FMX mit den Laseraugen nicht aus dem Fahrkonzept bringen. Sobald ein Hindernis im "Blickfeld" des intelligenten Trucks auftaucht, bremst der Kipper automatisch ab und wartet, bis das Objekt aus einem Arbeitsumfeld wieder verschwunden ist. Auf Distanz erkennt der Laser Objekte schon ab fünf Zentimeter Größe. In der Nähe arbeitet das System sogar millimetergenau. Diese Perfektion mussten die Entwickler dem FMX beim Lenken sogar eigens abgewöhnen. Hier gewährt man dem Servo-Motor der elektrisch unterstützen Lenkung etwas mehr Toleranz, um Spurrillenbildung durch eine immer exakt identisch gefahrene Runde zu vermeiden. Die doppelte bis dreifache Absicherung der Lenk- und Fahrsysteme gehört dabei zum Selbstverständnis der Volvo-eigenen Sicherheitsstrategie. Die Gefahr, der führerlose FMX könnte zum aus der Bahn geratenen Selbstläufer werden, soll somit ausgeschlossen sein. Sollten selbst alle Redundanzebenen versagen, macht der FMX das, was ein ratloser Fahrer gemeinhin auch täte: Er stellt den Motor ab und wartet. Alleine oder mit Fahrer: Beides geht Die technischen Adaptionen zur Verwandlung eines Serien-FMX in einen autonomen Lkw beschränken sich im Wesentlichen auf die Anbringung der sechs Laserradarsensoren sowie einem Eingriff in die elektronische Schnittstelle des Bordrechnernetzes. Mittels – nach Kundenanforderung frei wählbarem – Datenübertragungsmoduls werden somit alle Steuerungsbefehle in das "Rückenmark" des Lkw gesendet. Der Anbau von Servomotoren für Lenkung erübrigt sich durch die elektrohydraulische Lenkanlage, die Bremsen werden ebenfalls vom Bordrechner gesteuert. Das Wissen über seine exakte Route erhält der Lkw ebenfalls per Datenfernübertragung. Dazu muss die Einsatzstrecke mit einer Mapping-Fahrt nur einmal aufgenommen werden. Mit dem elektronischen Tourplan kann der Dispatcher in der Folge auch mehrere autonome Fahrzeuge wahlweise auch auf Teilstrecken bewegen. Dank dieser vergleichsweise zarten Eingriffe in die Fahrzeugsteuerungsstruktur bleibt der Volvo auch nach seiner autonomen Arbeitsfahrt ein vollwertig vom Fahrer bedienbares Arbeitsgerät, das nach alter Väter Sitte von Hand, Fuß und Kopf geführt werden kann. So gerüstet soll der FMX mit den Laseraugen noch dieses Jahr seine Praxis-Feuertaufe unter Tage in einem schwedischen Bergwerk erleben. Dort soll er genau so perfekt arbeiten, wie bei der Welt-Debütfahrt unter schwedischer Frühlingssonne. Fehlt nur noch der passende I-Name gemäß der Volvo-Nomenklatur. IDrive hat sich dummerweise schon ein bayerischer Pkw-Hersteller reserviert. Wie wär’s mit Ican?

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Datum

11. Mai 2016
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