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Fahrbericht VW Caddy: Alles bleibt anders

Im Rahmen der Motorenumstellung auf Euro 6 hat VW seinen Caddy erneuert. Unser Fahrbericht zeigt, was sich verändert hat.

Man muss genau hinschauen, um den neuen VW Caddy von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Am Vorderwagen sind Scheinwerfer, Kühlergrill und Schürze neu, am Heck die Rückleuchten, die Seitenlinie ist leicht verändert. Länge, Radstände und sonstige Abmessungen sind aber nahezu gleich geblieben. Wenn auch VW betont, die Designer hätten kaum ein Teil nicht angefasst.

Drei Benziner und ein Erdgasmotor

Gleich geblieben sind auch die Laderaummaße. Der Kastenwagen bietet einen Laderaum von bis zu 3,7 Kubikmeter, die Version Caddy Maxi Kastenwagen (1.415 Euro Aufpreis) mit 4,88 Meter Fahrzeuglänge bis zu 4,7 Kubikmeter. Der Kombi steht als Fünf- oder Sieben-Sitzer zur Verfügung. Das Motorenprogramm hat VW mit der vierten Generation des Caddy auf die Abgasnorm Euro 6 umgestellt. Als Benziner gibt es neben einem Einliter-Dreizylinder mit 102 PS, einen 1,2 Liter großen Motor mit 84 PS und einen 1,4 Liter-Aggregat mit 125 PS. Letzterer lässt sich auf CNG umrüsten und leistet dann 110 PS.

Vier TDI-Motoren mit zwei Liter

Bei den Diesel-Aggregaten setzt VW künftig nur noch auf den 2,0 TDI. Vom 1,6 Liter großen TDI des Vorgängers verabschiedet sich der Hersteller, ungeachtet des Trends zu kleineren Hubräumen, wohl auch der kleinen Stückzahlen wegen. Zur Wahl stehen die neuen Euro-6-TDI mit Leistungen von 75 PS, 102 PS, 122 PS oder 150 PS. 

SCR-System ist obligatorisch

Bei der ersten, ausführlichen Fahrt mit dem Caddy Kastenwagen mit kurzem Radstand entschieden wir uns für den 102 PS (75 kW) starken TDI mit Fünfgang-Getriebe, dessen maximales Drehmoment bei 250 Nm liegt. Zur Abgasreinigung kommt in allen Diesel-Motoren ein SCR-System zum Einsatz. Der Adblue-Tank fasst acht Liter, ausreichend für um die 8.000 Kilometer. Bei höherer Jahreskilometerleistung ist somit mehrmaliges Nachfüllen notwendig. 

Kultivierter Motorlauf

Schon auf den ersten Kilometern fiel der kultivierte und vor allem sehr leise Lauf des TDI auf. Eine effektive Dämmung leistet vermutlich einen weiteren Beitrag zum niederen Geräuschniveau. Bereits zwischen Tempo 60 und 80 überwiegen die Wind- und Abrollgeräusche, der Motor ist kaum mehr wahrnehmbar. Das ändert sich allerdings zwischen Drehzahlen von etwa 2.500 bis 2.800 Umdrehungen in der Minute. Dort macht sich der Diesel mit einem leichten Dröhnen bemerkbar.

102 PS-TDI reicht aus

Beim Beschleunigen bringt der 102 PS-TDI den Caddy ziemlich flott auf Touren und nutzt sein Drehmoment von 250 Nm gleichmäßig über das gesamte Drehzahlband. Das reicht auf jeden Fall für mehr als nur um den Kirchturm. Selbst voll ausgeladen auf bergiger Strecke oder im Hängerbetrieb dürfte der 102 PS-Caddy nicht so schnell schlapp machen. Den Aufpreis von happigen 2.800 Euro zur Version mit 150 PS kann man sich also getrost sparen. Auf kurviger Strecke fällt die feinfühlig ansprechende Lenkung auf. Sie bietet genügend Rückmeldung von der Straße bei höherem Tempo und reagiert leichtgängig beim Rangieren. Die Software der elektromagnetischen Steuerung ist laut VW je nach Modell auf die Vorderachslast abgestimmt.

Gute Fahreigenschaften trotz Starrachse

Insgesamt wirkt das neu abgestimmte Fahrwerk straff und ausreichend präzise. Auch auf schlechte Straßen mit Schlaglöchern reagiert der Caddy gelassen. Angesichts des Konzepts von hinterer Starrachse mit Blattfedern ist das bemerkenswert, sind damit doch gegenüber einer Einzelrad-Lösung in der Regel Komforteinbußen hinzunehmen. Die diffizile Abstimmung zwischen leerer und voller Ausladung ist VW geglückt. Gleichzeitig profitiert der Caddy von den Vorteilen einer blattgefederten Starrachse: Einer Zuladung von 825 bis zu 1.005 Kilogramm und einer großen Durchladebreite.

Innenraum-Materialien sind Geschmacksache

Bedienen lässt sich der Caddy problemlos, alles ist dort, wo man es erwartet. Das gilt allerdings nicht für den Bildschirm des Navigationssystems, der sehr tief in der Mittelkonsole sitzt. Es stammt aus dem sogenannten modularen Baukasten von VW und lässt sich im Caddy wohl nur an dieser Stelle einbauen. Ablagen sind zahlreich vorhanden und finden sich dort, wo man sie braucht. Das Ensemble der verschiedenen Cockpit-Elemente wie Leisten in gebürstetem Alu, schwarzer Klavierlack am Lenkrad oder eine hochglanzpolierte, rote Blende – Geschmacksache. Dafür überzeugen die Sitze mit ihrer Polsterung, die guten Seitenhalt bietet.

Neue Assistenz- und Infotainmentsysteme

Neue Assistenz- und Infotainmentsysteme bietet VW im neuen Caddy en masse. Dazu gehören unter anderem Einschlafwarner, Multikollisionsbremse, City-Notbremsfunktion, elektronisches Einparksystem, automatische Abstandsregelung, Fernlichtassistent und ein Navi mit neuen Online-Diensten. Der Einstigspreis für den Caddy Kastenwagen von 19.155 Euro steigt dann schnell weit über 20.000 Euro. Ob das alles wirklich der Sicherheit dient und sinnvoll ist, muss der Kunde entscheiden.

 

Andreas Wolf lastauto omnibus

Autor

Datum

9. Juni 2015
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