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Express- und Paketdienste

Personal langfristig binden

Unternehmen wollen den Beruf des Zustellfahrers noch mehr aufwerten.

Bis 2025 werden einer Prognose zufolge 100.000 weitere Zusteller benötigt. Die deutsche KEP-Branche hat schon heute mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, besonders in Spitzenzeiten wie Weihnachten. "Das wird sich mittelfristig nicht ändern", sagt Dirk Rahn, Geschäftsführer Operations von Hermes Germany. Hermes arbeite daher intensiv an neuen Konzepten, die neben der klassischen Zustellung per Bote explizit auch alternative Lösungen mitdenken. Dazu gehört beispielsweise Crowd Delivery, bei dem Privatpersonen als Kuriere tätig werden, oder die stärkere Fokussierung auf Paketshops. "Auch der partielle Einsatz autonomer Zustellsysteme ist für uns eine Option", fügt er hinzu.

Auch Rentner stellen zu

Liefery, das sich auf die taggleiche Zustellung spezialisiert hat und seit Kurzem zu Hermes gehört, arbeitet mit festangestellten Paketboten, mit einem Netzwerk von freien Kurieren und mit angeschlossenen Kurierunternehmen zusammen. "Das verschafft uns Flexibilität – sowohl bei der Planung als auch bei der Rekrutierung", sagt Nils Fischer, Mitbegründer und Geschäftsführer von Liefery. Das Unternehmen sorge dafür, dass nicht nur erfahrene Kuriere, sondern vor allem auch Studenten und Rentner Pakete ausliefern können. Ermöglicht werde dies durch eine maximale Digitalisierung der Zustellprozesse, die eine selbst entwickelte Routenplanung umfasst. "So verfügen alle unsere Zusteller über das gleiche Wissen, das man ohne technische Unterstützung nur bei sehr erfahrenen Kurieren finden würde", betont er.

Auch für Flash ist der Schlüsselfaktor der Innovationstreiber Technik und IT. So könne man davon ausgehen, dass ein Großteil des steigenden Bedarfs an privaten Zustellungen durch bessere Tourenplanungen mittels digitaler Innovationen aufgefangen werde sowie durch den Einsatz von Paketshops und Zustellrobotern. Der Express-Logistiker hat bereits 2014 eine GPS-Tracking-Lösung mittels einer eigens entwickelten App europaweit am Markt etabliert. Auftragsvergabe, Kommunikation und vollautomatische Überwachung der selbstständigen Fahrer finden übers Smartphone statt.

Kollegen werben Kollegen

"Der Beruf des Kurierfahrers leidet immer noch unter einem schlechten Image, das heute aber nicht mehr zutrifft", sagt GO Express & Logistics-Geschäftsführer Ulrich Nolte. Um dem entgegenzuwirken, erläutert das Unternehmen seit 2016 die Vorteile des Berufs als Zusteller transparent in den sozialen Medien wie Xing oder Kununu. Auf der eigenen Webseite stellt GO Berufsinformationen und ein Online-Bewerbungsformular zur Verfügung. Dort finden Interessierte zudem einen kurzen Film, der neue, spannende Seiten des Berufs veranschaulicht. Darüber hinaus bietet der KEP-Dienst eine Festanstellung an oder die Möglichkeit, als selbstständiger Kurierunternehmer für ihn tätig zu sein. "Intern läuft das Projekt ,Kollegen werben Kollegen‘", erläutert Nolte. Dabei empfehlen Mitarbeiter GO als attraktiven Arbeitgeber bei Freunden und Bekannten weiter.

Die Deutsche Post DHL hat schon 2015 angekündigt, bis 2020 rund 10.000 neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung zu schaffen. Dazu hat der Konzern die DHL Delivery Gesellschaften gegründet. Bis heute sind dort bereits rund 9.000 Paketzusteller beschäftigt, davon laut Unternehmensangaben mehr als 5.000 Mitarbeiter vom externen Arbeitsmarkt. Besonders in einigen Ballungsräumen, in denen aufgrund der guten konjunkturellen Lage Vollbeschäftigung herrscht, könne es dennoch eine Herausforderung sein, den Bedarf an gutem Personal zu decken. Da Mitarbeiter des Unternehmen unter anderem mit modernsten Betriebsmitteln, wie dem Elektrofahrzeug Streetscooter, arbeiten können, sei man zuversichtlich, weiterhin qualifizierte und zuverlässige Mitarbeiter zu finden wie bisher. Die Deutsche Post DHL werbe auch aktiv um die besten Leute. Erst kürzlich habe der Konzern beispielsweise eine Arbeitsmarkt-Kooperation mit der Bundeswehr gestartet, die ehemaligen Zeitsoldaten den Einstieg ins zivile Berufsleben erleichtern soll.

Job ist nicht leicht

"Es ist nicht einfach, Zustellfahrer zu finden", sagt auch GLSSprecherin
Anne Putz. Das liege teilweise auch an der derzeit niedrigen Arbeitslosenquote. Damit sei der Markt hart umkämpft und viele Zustellfahrer seien möglicherweise in ihren ursprünglichen Job zurückgekehrt. GLS beschäftige sehr viele langjährig tätige Fahrer, die ihren Job mitunter stressig finden, ihn aber gerne machen. Die, die neu anfangen, stellen jedoch schnell fest, dass es keine leichte Aufgabe ist. Schließlich müssen potenzielle Kandidaten nicht nur Auto fahren, sondern sich auch gut orientieren oder beispielsweise einen Handscanner bedienen können. "Wir müssen deshalb den Beruf des Zustellfahrers noch mehr aufwerten und ihm entsprechende Wertschätzung entgegenbringen", fügt Putz hinzu. So hat GLS ein Video mit dem Titel "Die Helden der Vorweihnachtszeit" produziert, um allen Zustellern einmal Danke zu sagen.

Als wichtig bezeichnen die KEP-Dienste das Thema Bezahlung. "Die Logistik wird in der Öffentlichkeit viel zu wenig geschätzt", ärgert sich Ralph Roters, der 2004 das Unternehmen ICS Courier gegründet hat. Keiner wolle dafür bezahlen zahlen, jede Lieferung solle möglichst nichts kosten. Es werde zwar in der Öffentlichkeit immer wieder auf die „armen Fahrer“ hingewiesen, "dass aber der Verbraucher unter Umständen mit dieser Umsonst-Mentalität dazu beiträgt, wird nicht oder zu wenig beleuchtet", beklagt er. Werden Fahrer nicht vernünftig bezahlt, werde es seiner Ansicht nach auch keine vernünftigen Fahrer mehr geben. "Selbst mit Mindestlohn, denn welcher Fahrer kann denn mit rund 1.700 Euro brutto eine Familie ernähren?", fragt er. Kunden, die nicht bereit seien, für gute Leistung auch gut zu bezahlen, die sollen zum Wettbewerb gehen. Roters: "Früher oder später zahlen sie den Preis für diese Geiz-istgeil-Mentalität."

Gute Bezahlung ist A und O

UPS stellt Unternehmensangaben zufolge aktuell Zusteller ein und sieht die Situation nicht kritisch. Der Paketdienst führt das darauf zurück, dass er seine Zusteller überdurchschnittlich bezahle und viel Wert auf ihr Training lege. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen hierfür in Köln UPS Integrad eröffnet, ein Trainingszentrum, in dem angehende Zusteller eine Woche lang auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Anschließend begleiten sie einige Wochen einen erfahrenen Kollegen auf seiner Zustelltour. Erst dann stellen sie eigenständig Pakete zu. Mitarbeiter, die so vorbereitet werden, bleiben nach UPS-Angaben länger im Unternehmen. Für die vorausschauende Planung sei der wichtigste Schritt, die Fluktuation gering zu halten.

KEP-Branche ist Jobmotor

KEP-Studie 2016: Analyse des Marktes in Deutschland des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK)

  • Die KEP-Branche in Deutschland beschäftigt mehr als 200.000 Menschen. Diese sind bei den Unternehmen direkt oder als selbstständige Unternehmen tätig
  • Pro 1.000 KEP-Beschäftigten werden weitere 1.000 Arbeitsplätze außerhalb der KEP-Branche geschaffen
  • Ein Prozent aller Jobs in Deutschland lässt sich auf KEP zurückführen
  • Gegenüber 2002 steigt die Gesamtbeschäftigung um knapp 30 Prozent an
  • KEP-Unternehmen verzeichnen seit 2002 einen Zuwachs um fast 50.000 Beschäftigte, das sind jährlich rund 3.800 Beschäftigte
  • Anteil an Teilzeitkräften ist überdurchschnittlich hoch
  • Laut Bundesamt für Güterverkehr sind 10,3 Prozent Beschäftigte in Berufen für Post- und Zustelldienste ausländischer Herkunft
  • Produktionsbedingt sind rund 51 Prozent der Beschäftigten Fahrer und Zusteller
  • Der Bedarf an Personal steigt aufgrund des Marktwachstums
  • Teilweise sind in der Vorweihnachtszeit bis zu 15.000 zusätzliche Arbeitskräfte befristet bei den Unternehmen der Branche beschäftigt

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Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 10/2017.
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Datum

4. Mai 2017
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