Alles über 25 Jahre trans aktuell
Transporter-Entwicklung der letzten 25 Jahre 25 Bilder Zoom
Foto: Daimler

Evolution der Transporter

Meilensteine und Kurioses aus 25 Jahren

Die 1990er-Jahre markieren in der Entwicklungsgeschichte der Transporter einen Wendepunkt. Das spartanische Lastentier wird zum angenehmen Arbeitsplatz.

Während der vergangenen 25 hat sich bei den leichten Nutzfahrzeugen enorm viel getan. Zu Beginn dieser Periode kann höchstens der damals noch frische VW T4 von sich behaupten, ein wenig Esprit in die spartanische Klasse zu bringen. Damals fällt die Transporter-Formel, speziell beim Kastenwagen recht einfach aus: Man nehme eine leere Blechkiste und gebe ihr das Nötigste mit auf den Weg, um Waren und Päckchen robust von A nach B zu bringen. Komfort oder großzügige PS-Zahlen braucht damals niemand. Dafür fallen die Nutzlasten noch ein ganzes Stück höher aus als heutzutage. Mehrgewichte für elektronische Bauteile wie ABS, Klimaanlage oder gar elektrische Fensterheber entfallen.

In den folgenden Jahren ändert sich dies drastisch. Mitte des Jahrzehnts tritt Daimler mit dem nagelneuen Vito gegen den VW T4 an. Praktisch gleichzeitig schmieden die beiden Hersteller in der großen Klasse eine Jahrzehnte andauernde Allianz und treiben, einerseits in harter Konkurrenz, andererseits als Eltern des Sprinter/LT/Crafter-Projekts gemeinsam die Transporter-Branche voran. 

Im Jahr 2000, also nur kurz nach den Pkw, kommen die Dickschiffe erstmals im VW T4 in den Genuss von ESP. Daimler prescht indes mit Brennstoffzelle und Hybrid voran, wenn auch noch nicht völlig serienreif. Gleichzeitig dröseln die Hersteller, ähnlich wie im Pkw-Bereich ihr Portfolio immer weiter auf: Courier, Connect, Custom, Transit, um alleine die Varianten zu nennen, die sich über die Jahre aus Fords Dauerbrenner Transit entwickelt haben.

Die Vielfalt wächst

Während die Vielfalt also am leichten Ende wächst, bieten die großen Klassen immer mehr Platz, wenn auch wegen des immer höheren Elektronikanteils und aufwändiger Abgasnachbehandlung die Nutzlast nicht ganz Schritt hält. Spätestens mit der jüngst gestarteten Generation des VW Crafter samt Bruder MAN TGE ist auch die Pkw-Technik, die zunächst in die Motorabteile der schwereren Klasse gewandert ist, im Transporter angekommen. 

Das Jahr 2010 läutet das E-Zeitalter ein. Mit Peugeot iOn und dem baugleichen Citroën C-Zero, Renault Kangoo Z.E., Mercedes-Benz Vito E-Cell und Iveco Daily Elektric bietet der Markt von klein nach groß zumindest jeweils eine elektrische Alternative. 2017 nimmt das Thema erneut Fahrt aus. Sprinter und Crafter werden elektrisiert. Ford tut sich mit Streetscooter zusammen. Damit soll der elektrische Knoten endgültig platzen.

1992

Status Quo bei den Mercedes-Benz: MB100 und T1. VW hat mit dem T4 samt Frontmotor schon die Neuzeit eingeläutet. Peugeot ist der Zeit Jahrzehnte voraus und stellt den J5 ­Electrique vor. 

1993

Die Japaner sind vor allem für spartanische, billige Transporter bekannt. Mit dem winzigen Hijet hat Daihatsu ein besonderes Unikum im Angebot: Drei Zylinder, 860 kg Leergewicht, aber vergleichsweise satte 690 kg Nutzlast.

1994

Schon 1994 rückt die Führerscheinreform in den Fokus, die wie ein Damoklesschwert über der Branche hängt. Der 3er soll bald Geschichte sein, die Grenze für den Pkw-Führerschein sinkt auf 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Tatsächlich tritt der Fall erst Ende 1998 ein. Trotzdem rücken bereits Transporter in dieser Gewichtsklasse in den Fokus. Gleichzeitig rundet Fiat seine Transporterpalette mit dem Fiorino nach unten ab. Der kompakte Lieferwagen bietet damals mehr als drei Kubikmeter Laderaum samt Ladeklappe im Dach und einem Mini-Rolltor an der Seite.

1995

Im Kapitel der Kuriositäten rollt der Nissan Vanette Cargo vor. Der neue Transporter basiert anders als der gleichnamige Vorläufer auf dem Pkw-Modell Nissan Serena. Der Van hat weder Front- noch Heck-, sondern einen Mittelmotor unter den Vordersitzen. Im gleichen Jahr findet Mercedes-Benz mit dem neuen Sprinter den Weg in die Transporter-Neuzeit. 

1996

Mit dem neuen Vito, der im baskischen Vitoria entsteht, zündet Daimler die nächste Raketenstufe und stellt dem VW Transporter, damals noch T4, einen ersten echten Konkurrenten entgegen. Die beiden Wettbewerber Daimler und VW verbünden sich indes in der großen Klasse. Eine 20-jährige Partnerschaft beginnt, aus der zunächst Sprinter und LT, später der Crafter hervorgehen. 

2000

Die Elektronik hält langsam Einzug in die Transporterklasse. Im VW T4 debütiert das Elektronische Stabilitätssystem. Im Sprinter ist erstmals ein automatisiertes Schaltgetriebe zu haben (2001 zieht Ford im Transit mit Durashift nach). Gleichzeitig entdecken die Hersteller auch zaghaft das neue Medium Internet für sich. Opel hat für den Movano gar einen Konfigurator auf der Website. Die Ladezeiten sind allerdings nicht überliefert.

2001

Die Antriebstechnik steht immer wieder im Fokus der Transporterbauer. Während sich im Jahr zuvor noch die Experten die Köpfe über die Vorzüge von Common-Rail oder Pumpe-Düse zerbrochen haben, stellt Daimler bereits eine Brennstoffzellenversion des Sprinter vor. Außerdem feiert der kompakte, letztlich aber glücklose Transporter Vaneo seinen Einstand. Gleichzeitig folgen Opel und Renault dem schwäbisch-niedersächsischen Beispiel und stellen den Vivaro und Trafic praktisch baugleich auf die Räder. 

2005

Nach der technisch anspruchsvollen Brennstoffzelle, die auch nach dem Testballon Zukunftsmusik bleibt, tritt der Sprinter nun als Hybridversion an. So sind 30 Kilometer rein elektrisch möglich. Daimler hat den Transporter damals stark in Richtung E-Betrieb getrimmt, anstatt den Diesel elektrisch zu dopen. Im gleichen Jahr schickt sich die LED-Technik an, im Transporter salonfähig zu werden als Alternative zu Halogen und Xenon. Allerdings sind die Leuchtdioden noch nicht in Serienfahrzeugen zu bekommen – höchstens als Warnlämpchen im Armaturenträger. 

2006

In diesem Jahr erneuern die Hersteller konzertiert ihre Palette im Segment bis 3,5 Tonnen. Neuer Sprinter, auf den VW LT folgt der erste Crafter (wieder als Bruder des Sprinter). Ford bringt den neuen Transit auf die Straßen und aus Italien kommen der Fiat Ducato und der Iveco Daily neu zum Händler.

2007

Der Billighersteller Dacia will mit dem Logan nicht nur den Pkw-Markt aufmischen, sondern nun auch den der leichten Nutzfahrzeuge. Als günstige Alternative zu Caddy und Co. will der französische Rumäne Marktanteile erobern. Ford hingegen unternimmt Ausflüge in ein gegenteiliges Segment. Mit dem Transit XXL stellt der Hersteller einen Stretchtourer mit vier Schiebetüren vor. Besonders sportlich liefern soll dagegen der Transit Connect R.S. Die Ford-Ingenieure haben dem Lieferwagen das Herz des Focus R.S. implantiert, das im Connect immerhin 215 PS leistet. Im Herbst des selben Jahres folgt schließlich der große Transit ganz regulär mit bärenstarkem 200-PS-Fünfzylinder-Diesel. Erfreuliche Fußnote: Beim Bremsentest unserer Schwesterzeitschrift lastauto omnibus kommen zum ersten Mal alle Kandidaten (Transporter bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht) bei der Vollbremsung aus 100 km/h in unter 50 Metern zum Stehen. 

2008

Die Brüder Sprinter und Crafter sorgen sich um ihren Verbrauch und die Emissionen. Während Daimler mit einem Start-Stopp-System, natürlich damals noch aufpreispflichtig, den Spritverbrauch eindämmen will, zeigt VW den Crafter Bluemotion. Als erster Transporter hat der VW SCR-Technik, also Abgasreinigung per Adblue an Bord. Damit greifen die Niedersachsen dem aufziehenden Schreckgespenst Euro 6 vor. Aus Italien ertönt hingegen zum ersten Mal das Hüplein des erneuerten Fiat Fiorino. Iveco macht weniger mit eigentlichen Transportern Schlagzeilen, sondern mit dem Offroader Massif. Optisch erinnert der kantige Geselle stark an den Land Rover Defender. Der Massif ist eine Weiterentwicklung des spanischen Santana PS10. Der wiederum ist praktisch ein Lizenzbau des britischen Urgesteins. Allerdings ist schon nach relativ kurzer Zeit wieder Schluss für den Iveco-Geländewagen – eigentlich schade. 

2010

Als das neue Jahrtausend gerade zehn Jahre als geworden ist, kommt der Elektroantrieb im Transporter vehement en Vogue. Iveco Daily Electric, Mercedes-Benz Vito E-Cell und Renault Kangoo Z.E. sind serienmäßig elektrisch erhältlich. Opel bringt den Vivaro mit leichter Rückversicherung: Ein Range Extender soll einspringen, wenn die Batterie leer ist. Anders als bei Hybridantrieben ist dieser fossil-betriebene Reichweitenverlängerer aber nicht mit dem Antriebstrang verbunden, lädt also tatsächlich nur den Akku auf. Im ganz kompakten Segment bieten schließlich Peugeot und Citroën die praktisch baugleichen iOn und C-Zero an, die sich mit ihren immerhin 1,1 Kubikmetern Laderaum an die Innenstadt-Logistik richten. 

2012

Zwei neue Gesichter erobern die Transporterwelt. Während Daimler mit dem Citan auf Basis des Lieferwagens Renault Kangoo ausgedehntes Badge-Engineering betreibt, splittet Ford seine Transit-Baureihe weiter auf. Bisher gibt es den Transit als großen und den Transit Connect als kleinen Transporter. Ab 2012 gibt es zusätzlich den Transit Custom. Der soll im mittleren Segment neue Käuferschichten locken, die sich bisher vom arg hemdsärmeligen Auftreten des großen Transit haben abschrecken lassen. Auf diese Weise wollen die Kölner auch den Anschluss an die Pkw-Varianten von Vito und T5 schaffen.

2013

Ford baut sein Transporter-Portfolio weiter aus. Zu Transit, Transit Custom und Transit Connect gesellt sich der wiederum etwas kompaktere Transit Courier auf Fiesta-Basis. Aber ebenso wie sein Konkurrent Fiat Fiorino hat der Courier bis auf die Plattform kaum etwas mit dem zu Grunde liegenden Pkw gemein.

2014

Der neue große Transit folgt der Designlinie des Custom. Auch der Iveco Daily tritt mit neuer Optik, neuer Technik und bis zu 7,2 Tonnen Gesamtgewicht an. Beiden tut der Modellwechsel sichtlich gut. Daimler schickt wiederum den neuen Vito ins Rennen.

2015

Auf den Mercedes-Benz Vito folgt postwendend der neue VW T6. Schon im Vorfeld hat VW ziemlich viel vom neuen Transporter in der Studie Tristar verraten. 

2016

Mit der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover fällt der Vorhang. VW emanzipiert sich nach 20 Jahren aus der Partnerschaft mit Daimler. Der neue Crafter schlägt sogleich enorme Wellen, führt er doch ein wahres Füllhorn an elektronischen Spielereien und komfortbetonte Pkw-Technik in die Transporterklasse ein. Damit kommen die 3,5-Tonner dem autonomen Fahren schon einen Riesenschritt näher. VW setzt mit Einparkassistent und Anhänger-Rangieren per Joystick noch eins oben drauf.

2017

Die Transporterhersteller bekommen einen neuen Mitspieler. MAN ist fortan mit dem TGE mit von der Partie. Den Schritt wagt der eigentlich bei schweren Lkw beheimatete Hersteller aber nicht alleine. VW hat seine Partnerschaft mit Daimler nämlich nicht beendet, ohne schon die nächste Liaison im Auge zu haben. Diesmal ist aber VW der Seniorpartner. Konzernbruder MAN klebt lediglich neue Logos auf den Crafter und hebt sich über die Service- und Vertriebsstrategie ab. Später im Jahr zeigt Mercedes-Benz, wie sich der Sprinter ohne das Zutun von VW weiterentwickelt hat. Dann gibt es den Dauerbrenner auch als Elektroversion. Diese Innovation teilt er zwar mit dem Crafter, der auch noch 2017 batteriebetrieben zu haben ist. Beide bauen aber ihren ureigenen Antriebstrang ein. 

Ford Transit Custom

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Datum

20. Juni 2017
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