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Europa Truck Trial: Beste Hanglage in Thiembronne/F

Die Europa Truck Trial-Saison 2012 ist auf der Zielgeraden. Der vorletzte Lauf im nordfranzösischen Thiembronne, wenige Kilometer von Calais entfernt, entpuppt sich als echte Herausforderung.

Wenn aus Truck Trialern kollektiv schräge Typen werden, hat das in der Regel etwas mit dem Gelände zu tun. Deshalb ist stets die Spannung groß, wenn ein bisher unbekanntes Areal lockt. So auch am ersten September-Wochenende, als es für die Trialer heißt: „Willkommen bei den Schti’s!“ Erste Erkenntnis: Hier leben ganz normale, nette Menschen. Glaubt man den Südfranzosen, dann ist das hier so etwas wie der Nordpol und die Einwohner sind allesamt seltsame Käuze mit einer „knödeligen“ Sprache, seltsamen Gebräuchen und überhaupt...

Willkommen bei den Schti’s

Zweite Erkenntnis: Zumindest die Vorliebe für „4x4“ teilen die Schti’s mit dem Rest der Grande Nation, weshalb auch hierher ins „Circuit de la Vilaine“ mitten in schönste Normandie-Natur viele Tausend Trial-Interessierte kommen. Sie werden belohnt mit oft ungewöhnlich spektakulären Fahrmanövern – freiwillig und gezwungener Maßen. Denn das Areal besteht zu 90 Prozent aus einer ausgedehnten Hanglage. Hier reihen sich die Sektionen aneinander. Lediglich zwei Abschnitte sind im Flachland angesiedelt.
Dritte Erkenntnis: Das extreme und sehr anspruchsvolle Gelände mit seiner speziellen Topografie erlaubt eine bisher nicht gekannte Veranstaltungsorganisation: Die bestens einsehbaren Sektionen am Hang münden am Fuß in einen breiten Verkehrsweg für die Fahrzeuge und Helfer. Daneben, durch einen Erdwall plus Fangzaun vor unkontrollierten Truck-Lawinenabgängen gesichert, die Zuschauerplätze.
Der Hang bildet das wohl anspruchsvollste Trial-Gelände seit langem und nötigt allen Akteuren Respekt ab. Zudem spielt das Wetter mit: Während die Anreise sich am Donnerstag und Freitag auf den letzten Metern schwierig gestaltet - praktisch alle Fahrzeuge bleiben im zugematschten Stoppelacker-Fahrerlager stecken – sind die Wettkampftage trocken. Risiko: Bei Regen ginge hier gar nichts!

Gelände fordert Respekt

Apropos Respekt: Es kommt wie es kommen muss. Der eine oder andere Starter hat wohl nicht genügend Respekt oder schlicht die kleinen Fein- und Gemeinheiten dieser Sektions-Landschaft nicht richtig eingeschätzt. Die Konsequenz lässt die Zuschauer ein ums andere Mal den Atem stocken wenn ein Truck in extreme Lagen gerät und oft auch darüber hinaus. Thiembronne dürfte wohl einen neuen Rekord in Sachen Umfaller bilden. Den einen oder anderen erwischt es sogar mehrmals an diesem Wochenende. Die Schäden sind meist sehr überschaubar und beschränken sich allesamt aufs Material.

Titelaspiranten fehlen

Auffallend ist die Zusammensetzung des Starterfeldes, in dem einige Titelaspiranten fehlen: Team 4x4 Aupitz in der S1 ebenso wie Heidenreich in der S3 oder Borzym in der Klasse S4. Auch die Übermacht der französischen S1-Armada mit sieben Mogs verfälscht das Gesamtbild der Starterzahl von 24 Teams. Grund ist hier die Wertung des „Schti’s Trial“ für die neue französische Meisterschaft. Acht S1-Teams, fünf in der S2, das macht die Masse der Starter aus. Alle anderen Klassen bringen gerade mal eine Podest-Besetzung zustande, die S 4 noch nicht einmal das! Dafür liefert sich Wheels over the World/Ron van Gemeren ein Spitzen-Duell mit dem amtierenden Meister Team Alsace/Francis Wey mit dem besseren Ende für die Holländer – 195 Strafpunkte bedeuten Platz eins für Oranje! Schlechte Nachricht: Auf dem Weg zur Siegerehrung stürzte Wey mit seinem Quad schwer und wurde ins Krankenhaus nach Lille eingeliefert.

Schoch im Ziel

In der Königsklasse, der S5, konnten Marcel Schoch und Johnny Stump den defektbedingten Rückstand am Sonntag wieder herausfahren und machten mit dem fünften Sieg im fünften Lauf die vorzeitige Titelverteidigung perfekt. Platz zwei sicherte sich Hugo Vogelsang vor seinem Teamkameraden Alex Budde.

Starke kleine Klasse

Die kleine Klasse war bei Abwesenheit der Favoriten wieder Hoheitsgebiet des amtierenden Meisters Team Manent. Der musste sich aber seinem Landsmann Pagan erwehren. Dahinter tut sich eine Riesenlücke auf. Jürgen Fahlbusch aus Hanau bleibt angesichts der Masse französischer Cascadeure mit Überschlagsqualitäten nur Platz sieben.
Überraschung in der S2: Endlich ist bei Lukas Offner der Knoten geplatzt, Zusammen mit Sozius Walter Schlagbauer holt sich der junge Österreicher seinen ersten Sieg und hält die Seriensieger Prazak/Vodizka (Platz 3) und die Kassen-Brüder (2.) auf Distanz. Hier bleibt das Rennen überraschend offen.

Zebras machen das Rennen

Klare Sache ist der Sieg für das Team Zebra Zil in der S3 vor den Rückkehrern vom Team Bedford nach zwei Jahren Trial-Pause und dem Hausherrn vom Team Action Lev. Bruno Declercq schafft es am Samstagfrüh sogar, den MAN Kat spektakulär einmal komplett über die Seite abzurollen und nach eineinhalb Umdrehungen in stabiler Seitenlage zu verharren.

Bleiben die Protos, die ja als erste Kategorie nach den neuen Regeln gewertet werden. Der Sieg ging an den Funke-Nachwuchs vor KVK Racing und dem französischen Team JCCMOG. Die Funke-Youngster haben damit eine echte Chance auf den Titel – Entscheidung beim Finale in Crailsheim am kommenden Wochenende!

Fazit

Der zweite Lauf in Frankreich in bisher unbekanntem Terrain ist eine echte Bereicherung des Trial-Kalenders. Die beste Hanglage könnte dazu beitragen, den 2012er Europa Truck Trial im Rückblick zu einem guten Jahrgang zu machen.

Autor

Foto

Klaus-Peter Kessler

Datum

4. September 2012
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