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EU-Beitritt: Hoffnung auf Aufschwung an der Adria

Kroatien erhofft sich vom EU-Beitritt am 1. Juli vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht einen Schub. Das Land mit seiner Lage bietet viel Potenzial – auch für ausländische Unternehmen.

Kroatien als 28. Land der Union – damit verknüpft das Land große Hoffnungen, denn momentan ist die wirtschaftliche Lage nicht besonders rosig. Ganz ehrlich – die meisten Bundesbürger verbinden mit dem Land eher Bilder von schönen Urlaubstagen am blauen Meer als mit einer starken Wirtschaft.

2012 sank das Bruttosozialprodukt um zwei Prozent

Nach Angaben der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer  (AHK) blieb die kroatische Wirtschaft 2012 im vierten Jahr in Folge ohne Wachstum. 2012 sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um zwei Prozent, 2013 erwarten Experten demnach ein weiteres einprozentiges Minus und erst 2014 wieder ein leichtes Wachstum von maximal einem Prozent. Das Land an der Adria hat mit hohen Schulden und einer hohen Arbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen zu kämpfen. Auch die nachlassende Nachfrage aus den wichtigen Handelsländern Italien und Slowenien macht zu schaffen. Nach dem Beitritt werden die EU-Behörden weiter ein Auge auf Kroatiens Problemfelder haben – die Bereiche Justiz und Wettbewerb sowie das Thema Korruption.

Kroatien hat im Transport- und Logistikbereich Potenzial

Aber Kroatien hat auch Potenzial, gerade im Transport- und Logistikbereich: Der Mittelmeeranrainer liegt entlang dreier paneuropäischer Transportkorridore zwischen der EU und Südosteuropa – der wichtigste verläuft zwischen Salzburg über Zagreb und weiter nach Thessaloniki. Nach Angaben der Weltbank investiert Kroatien in den vergangenen Jahren erheblich in sein Verkehrsnetzwerk, vor allem in sein Autobahnnetz. Aber auch etwa in den Hafen Rijeka, der langfristig zum neuen Eingangstor etwa für Container mit Ziel Mitteleuropa umgebaut werden soll.

In Rijeka hat auch der Logistikkonzern Logwin 2012 seinen neuesten Standort eröffnet. "Wir gehen davon aus, dass Rijeka als Hafen für die Region Zentral- und Südosteuropa an Wichtigkeit gewinnen wird", sagt Cordula Aumair, die bei der österreichischen Kontraktlogistiktochter Logwin Solutions Austria für Zentral- und Osteuropa zuständig ist. Logwin ist in Kroatien seit 1993 aktiv und unterhält mittlerweile sieben Standorte mit insgesamt 110 Mitarbeitern. Im Mittelpunkt stehen neben Transportdienstleistungen vor allem Kontraktlogistikservices für die Mode- und Konsumgüterbranche.

Aumair ist sich sicher, dass durch den EU-Beitritt und den damit verbundenen Wegfall der Zollbarrieren die kroatische Wirtschaft einen Aufschwung erleben wird. Das bedeute auch für die Konsumgüterindustrie, ein Kernbereich von Logwin, eine positive Entwicklung. Aber auch schon unmittelbar macht sich die veränderte Lage bemerkbar: "Aufgrund des Umstandes, dass sich die EU-Außengrenze weiter in den Süden verschiebt, wird unser Standort in Zagreb künftig eine Hub-Funktion für die Länder Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien einnehmen", sagt Aumair.

Investitionen in Bahn- und Hafeninfrastruktur notwendig

"Kroatien hat ein hohes Potenzial, sich in der Region als Logistikdrehkreuz zu positionieren", so auch Gunther Neubert, Geschäftsführer der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer. Allerdings seien hierfür noch umfangreiche Investitionen in die Bahn- und Hafeninfrastruktur notwendig. Mit den neuen EU-Strukturhilfen sollen aber schon bald verstärkt Investitionen etwa in die Bahninfrastruktur getätigt werden.
Nach Ansicht von Neubert werde vor allem der Wegfall der Zollgrenzen zu einer deutlichen Vereinfachung des Außenhandels führen. Zu erwarten seien etwa weitere Niederlassungen internationaler Handelsketten, wodurch die Nahrungsmittelimporte ausgeweitet werden, was wiederum der Transport- und Logistikbranche zugutekomme.
Deutschland ist hinter Italien der zweitwichtigste Handelspartner Kroatiens und drittgrößter ausländischer Investor. Deutsche Unternehmen sind daher als Investoren willkommen, unter anderem im Bereich Logistik. "Kroatien bietet umfangreiche Möglichkeiten für ein langfristiges Engagement deutscher Unternehmen", sagt Neubert. Als Wettbewerbsvorteil zählt er unter anderem den guten Ausbildungsstand der kroatischen Arbeitnehmer auf, von denen viele über Deutschkenntnisse verfügen.

Öffentliche Verwaltung effizienter gestalten

Aber Kroatien müsse auch seine Wettbewerbsfähigkeit steigern, berichtet Neubert. Eine Wirtschaftsumfrage der AHK habe dringenden  Handlungsbedarf etwa bei der Effizienz der öffentlichen Verwaltung, der Verbesserung des Rechtssystems und dem Umsetzen von Steuerreformen ergeben.

"Kroatien braucht vor allem eine deutliche Vision und Wirtschaftsstrategie sowie die nötige Entschlossenheit und Beharrlichkeit, um die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen", sagt Neubert. Daher sei es wichtig, möglichst schnell bestehende Mängel und Investitionshindernisse zu beseitigen und ein allgemein freundlicheres Investitionsklima zu schaffen.

Marijana Kolarek von Kos Transporti aus Varaždin in Nordkroatien sieht die Zukunft in der EU viel pragmatischer. Die Spedition verfügt über eine Flotte von 90 Fahrzeugen der Euro-4- und Euro-5-Klasse, beschäftigt nach eigenen Angaben 200 Mitarbeiter und ist nach ISO 14001 und 9001 zertifiziert. Was sich das Unternehmen vom EU-Beitritt erhofft? »Das alles besser wird«, sagt Kolarek, die für den Warenverkehr unter anderem nach Deutschland und in die Schweiz zuständig ist. Was das Unternehmen dem Beitritt folgend plant? "Unseren Kunden einen noch besseren Service zu bieten." 


Kroatien in Zahlen


Die Republik Kroatien hat eine  Größe von 56.538 Quadratkilometern und rund 4,29 Millionen Einwohner (Stand 2011). Landessprache ist Kroatisch, in Gebieten mit starken ethnischen Minderheiten ist auch Serbisch, ­Italienisch und Ungarisch im amtlichen Gebrauch.
Politisch organisiert ist Kroatien als Zentralstaat mit 20 Provinzen und der besonderen Verwaltungseinheit Zagreb (auch Hauptstadt).
Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug nach Angaben von Eurostat 2011 61 Kaufkraftstandards (KKS, im Vergleich: Deutschland 121, EU 27 = 100 KKS).
2.700 Transportunternehmen haben Lizenzen für den internationalen Transport und sind nach Angaben der Kroatischen Wirtschaftskammer in Besitz von insgesamt 11.381 Fahrzeugen.

Kroatien in Zahlen

  • Die Republik Kroatien hat eine  Größe von 56.538 Quadratkilometern und rund 4,29 Millionen Einwohner (Stand 2011). Landessprache ist Kroatisch, in Gebieten mit starken ethnischen Minderheiten ist auch Serbisch, ­Italienisch und Ungarisch im amtlichen Gebrauch.
  • Politisch organisiert ist Kroatien als Zentralstaat mit 20 Provinzen und der besonderen Verwaltungseinheit Zagreb (auch Hauptstadt).
  • Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug nach Angaben von Eurostat 2011 61 Kaufkraftstandards (KKS, im Vergleich: Deutschland 121, EU 27 = 100 KKS).
  • 2.700 Transportunternehmen haben Lizenzen für den internationalen Transport und sind nach Angaben der Kroatischen Wirtschaftskammer in Besitz von insgesamt 11.381 Fahrzeugen.
Ilona Jüngst

Autor

Foto

Matthias Rathmann

Datum

25. Juni 2013
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