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Ersthelfer an der Unfallstelle: Axel hilft

Die Zahl der Verkehrstoten ist in Europa wieder gestiegen. Wie gut, dass es immer noch Berufskraftfahrer wie Axel Flaake gibt. Auf der A 2 zögerte er keine Sekunde, nach einem schweren Unfall zu helfen.

Jeden Werktag ist Axel Flaake mit seinem Lkw auf der Autobahn A 2 unterwegs. "Der Verkehr ist immer schlimmer geworden", klagt er. Und viele Lkw-Fahrer reagieren darauf immer undisziplinierter. Sie fahren bis auf fünf, manchmal drei Meter an den Vordermann heran, um dann zu überholen. „Ich komme genauso schnell aber viel entspannter ans Ziel, wenn ich in Ruhe mit 85 Stundenkilometern fahre." Nach hinten hat sich Axel "abgesichert", auf dem Heck seines Trailers steht ein mittlerweile gut bekannter Spruch: "Das ist das Ende meines Lkw. Lass es nicht zu Deinem Ende werden. Halte Abstand." Das wirkt, wie Axel weiß. Mittlerweile vier Firmen haben sich jetzt an der vorbildlichen Abstandskampagne der Allianz im deutschen Transportwesen, A.i.d.T. beteiligt. Dort setzt sich Axel immer wieder für das Thema Verkehrssicherheit ein.

Zahl der Verkehrstoten wieder gestiegen

Rücksicht und Vorsicht im Straßenverkehr sind auch dringend geboten. Wie krass es mitunter auf der A 2 zugeht, das zeigt diesesVideo von N-TV. Auch wenn die hier sehr einseitige Schuldzuweisung noch genau zu hinterfragen ist. Aber es passt in das aktuelle Bild: Denn die Zahl der Verkehrstoten ist nach einem aktuellen Bericht des Nachrichtemagazins Der Spiegel wieder gestiegen. Unter Berufung auf eine Statistik der EU-Kommission lag die Zahl 2015 bei 26.000 Toten. Im Jahr zuvor waren es nur 25.700 Tote. Das entspricht 51,5 Toten pro eine Million Einwohner. Auch am 24. März passiert auf der A 2 Richtung Dortmund wieder ein schwerer Unfall. Nach einem Bericht der Neuen Westfälischen fährt um kurz nach fünf Uhr in der Frühe der Fahrer eines britischen Kleinlasters aus ungeklärter Ursache auf einen vorausfahrenden Lastwagen auf. Der Transporter gerät dabei sofort in Brand. Für den Mann hinter dem Steuer kommt jede Hilfe zu spät.

Schockiert über Gleichgültigkeit und Egoismus

Der 57-jährige Axel macht das, was man von einem Berufskraftfahrer erwarten kann. Gut 700 Meter vor der Ausfahrt Gütersloh hält er mit seinem Lkw auf dem Standstreifen an, läuft zu dem brennenden Transporter und trifft dort auf den verstörten Beifahrer. Der Neuen Westfälischen Zeitung schildert er später, wie er diesem Moment erlebt hat: "Dieser hatte zwar eine blutende Platzwunde, wirkte aber ansonsten weitgehend unverletzt". Angesprochen auf den Fahrer des in Flammen stehenden Kleinlasters habe der Beifahrer immer wieder die Worte "He is dead, he is dead" ("Er ist tot, er ist tot") gerufen. Axel will den Brand löschen, hat aber selbst keinen Feuerlöscher an Bord. Er versucht, andere Lkw anzuhalten. "Wir mussten doch etwas gegen die Flammen unternehmen." Doch trotz wilder Gesten und Handzeichen hält keiner der vorbeifahrenden Lastwagen an, nicht einmal ein Auto stoppt an der Unfallstelle. Axel ist geschockt. "Nicht zu fassen. In eine solche Situation könnte doch auch jeder von uns selbst einmal geraten und bräuchte dann dringend Hilfe. Es macht mich fassungslos, mit wie viel Gleichgültigkeit und Egoismus die Menschen auf den Straßen unterwegs sind". 

Positive Reaktionen wildfremder Menschen

Vor allem darüber, dass so viele Kollegen einfach weiterfahren, ist Axel richtig wütend. Ausreden seiner Berufskollegen wie Zeit- oder Termindruck lässt er nicht gelten. "Jeder Mensch hat in seinem Leben wohl fünf oder zehn Minuten Zeit für das (Über-) Leben seiner Mitmenschen." In der Tat: Jeder ist per Gesetz dazu verpflichtet, anderen Menschen in Not zu helfen. Dabei kommt es natürlich immer auch auf die Verkehrssituation an. Bei hohem Tempo auf einer Autobahn das Geschehen richtig einzuschätzen, ist etwas anderes als bei einem Unfall im Stadtverkehr, warnt etwa die Feuerwehr. "Aber die wenigsten Fahrer sind doch heute in der Lage, eine Rettungsgasse zu bilden, wenn sie im Stau stehen", ärgert sich Axel. "Denn wenn sich der Krankenwagen erst mühsam durch den Stau kämpfen muss, vergeht wertvolle Zeit. Zeit, die Leben kosten kann." Drastisch beschreibt die Situation ein Feuerwehrmann aus Norddeutschland nach einem schweren Lkw-Unfall auf der A 1. 

Auf Facebook hat Axel am Tag nach seiner Rettungsaktion viele positive Reaktionen bekommen, auch von Leuten, die er gar nicht kennt. "Hallo Axel, Du hast meinen Respekt", schreibt ein Christian Petrauskas. "Ich arbeite jetzt 15 Jahre als Berufskraftfahrer und davon fünf Jahre im Rettungsdienst. Leider ist die Ignoranz der Verkehrsteilnehmer in den letzten Jahren immer größer geworden. Dennoch will ich nicht alle über einen Kamm scheren, da oftmals Angst ein Grund ist, nicht zu helfen ist. Leider hat der Bund bis heute nicht erkannt, dass es nicht reicht, wenn jeder Verkehrsteilnehmer nur einmal zum Erste Hilfe Kurs muss. Er sollte alle zwei Jahre Pflicht werden." 

Dank an den Helden des Tages

"Hey Axel", schreibt eine Sil Ke. "Ich habe gerade den Bericht in WDR Aktuell gesehen. Respekt für Dein Handeln – diejenigen, die es nicht getan haben, obwohl sie es hätten tun können, gehören bestraft. In ähnlicher Situation würden sie genauso selbstverständlich Hilfe erwarten, wie es auch sein sollte und wie Du es getan hast. Ich hoffe, Du verarbeitest das Gesehene schnell. Ich hatte mal nachts eine ähnliche Situation und hatte lange damit zu tun, es ist aber schon lange her." Nach dem Beitrag im WDR schreibt auch Sarah Fo aus Bielefeld. "Ich bin 23 Jahre alt, mein Vater ist selbst Lkw Fahrer, ein guter Freund auch, und wenn diese unterwegs sind, hat man immer wieder Angst. Aber ihr seid die Helden des Tages! Ohne euch Brummifahrer liefe nichts mehr. Ihr steht so oft unter Zeitdruck und müsst euch dann noch aufregen über Idioten, die einfach einscheren ohne Blinker und gescheitem Abstand. Ich finde, ihr macht einen tollen Job. Ihr seid oft abends nicht zu Hause und weit weg von euren Familien. Was ich sagen will ist einfach nur mal danke sagen! Das bekommt ihr alle zu selten zu hören!"

Autor

Foto

Jan Bergrath

Datum

31. März 2016
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