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Erholung durch Kurzschlaf: Nickerchen mit System

Eine Runde dösen – Daimler-Forscher Siegfried Rothe analysiert den optimalen Powernap im Lkw.

Leistung bringen, von Termindruck getrieben, immer durchpowern, stets voll da und konzentriert sein – das geht irgendwann jedem Menschen an die Substanz. Berufskraftfahrer, die an jedem Arbeitstag nach dem schnellen Takt von Straße, Kundschaft und Chef tanzen müssen, sind von dieser Belastung ganz besonders betroffen. Was in dem Fall guttut: ein kleines Schläfchen.

Nickerchen ist weltweit anerkannt

Hierzulande noch von vielen komisch und kritisch beäugt, gehört es in anderen Kulturen zum Alltag der arbeitenden Bevölkerung. "Südeuropäer schwören auf ihre Siesta. Aber vor allem in Asien fiel mir das wirklich auf", erinnert sich Siegfried Rothe an eine Reise nach Japan. "Die Menschen nutzen jede Gelegenheit, ein Nickerchen zu machen. In der U-Bahn dösen die Leute, im Park und auch am Arbeitsplatz. Inemuri (‚anwesend sein und schlafen‘) heißt dieses Phänomen dort und faszinierte mich."

Während seiner Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum der Uni Regensburg machte sich Rothe dann mit 
dem medizinischen Hintergrundwissen zum Powernap, dem regenerierenden Kurzschlaf, vertraut. Auf diesem Gebiet forschte zum Beispiel schon die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA). Die Untersuchung unter ihren Mitarbeitern ergab, dass der kurze, leichte Schlaf in der Mittagspause dabei hilft, die Konzentration nach dem Erwachen um bis zu 100 Prozent zu steigern. Griechische Forscher legten nach: Die regelmäßige Mittagsruhe kann das Herzinfarktrisiko um fast 40 Prozent senken. Außerdem soll sie das Kurzzeitgedächtnis und die Konzentration des wichtigen Botenstoffs Serotonin im menschlichen Körper positiv beeinflussen. Vor allem aber gibt sie neue Energie und baut Stress ab.

Idealer Powernap dauert 20 bis 30 Minuten

Um diesen Effekt für sich zu nutzen, gilt es eigentlich nur eines zu beachten: Der Powernapper darf nicht in die Tiefschlafphase fallen. Sie sollte ausschließlich dem Nachtschlaf vorbehalten sein. Wird der Mensch aus ihr geweckt, ist er nicht erfrischt und fit, sondern oft nur noch müder oder gar kurz verwirrt und orientierungslos.

Der ideale Powernap dauert deshalb zwischen 20 und 30 Minuten. Diese Zeitspanne entspricht in etwa den beiden Leichtschlafphasen, die der menschliche Körper in jedem seiner Ruhezyklen pro Nacht durchläuft. Ausprobieren lässt sich die ideale Länge des Nickerchens vorab am besten am Wochenende zu Hause. Auf Kommando "runterkommen" ist allerdings für viele, vor allem gestresste Menschen nicht ganz einfach, weil das Gehirn nicht abschalten kann. Doch auch hier gibt es gute, medizinisch erprobte Entspannungsmethoden, die sich ganz leicht erlernen lassen.

Fahrerkabine nicht ideal für Powernapping

"Von diesem geplanten Kurzschlaf können auch Lkw-Fahrer in ihren Pausen oder während der Wartezeiten profitieren, dachte ich mir", so Rothe. "Ich schaute daraufhin gezielt die Gegebenheiten in der Kabine an und stellte fest: Das geht gar nicht so leicht." Jeder Fahrer, der ein Bett hat, kann sich natürlich dort ablegen. Aber in den Arbeitsklamotten ins saubere Bett liegen? Wer will das schon? Und erst extra Schuhe und Kleidung ausziehen, das steht dem Grundprinzip des Powernappings – nämlich kurz, schnell und überall zu schlafen – eigentlich schon wieder entgegen.

Am besten also einfach auf dem Fahrersitz. Doch der lässt sich normalerweise nicht sehr weit nach hinten neigen, da die Lehne bald am Staukasten unter dem Bett anstößt. Rothe und seine Techniker lösten das Problem in ihrem Testfahrzeug Topfit-Truck dadurch, dass sie dem Staukasten eine Abschrägung verpassten. Sie konnten den Sitz so bis zu 40 Grad nach hinten neigen. "Kollegen neckten mich damals: Der Siggi, der verdient sein Geld im Schlaf. Aber das war mir egal", lacht Rothe.

Erholungserlebnis möglichst optimal gestalten

Der Daimler-Forscher ging sogar noch einen Schritt weiter: "Das Erholungserlebnis so optimal wie möglich zu gestalten, das war unsere Intention. Wir wollten überdies einbringen, was wir schon in puncto Massage, Duft und Musik entwickelt hatten." Deshalb war der Sitz im Topfit-Truck ein elektronisch gesteuerter Prototyp, der mit einem separaten Computer im Armaturenbrett gekoppelt war. Damit ebenfalls verbunden: feine Sprühdüsen zur Beduftung in der Seitenwand der Kabine und das Soundsystem. Auf dem Computerbildschirm konnten Testpersonen nun aus verschiedenen Powernap-Programmen auswählen. Wie lange? Welche Düfte? Welche Entspannungsmusik? Ein Knopfdruck genügt, der Sitz fährt in die gespeicherte Schlummerposition und Fahrer oder Fahrerin können die Beine mit einem Kissen bequem auf dem Lenkrad ablegen. Die Beduftung, zum Beispiel mit entspannendem Orangenöl, und sanfte, beruhigende Musik setzen ein. Nach der optimalen 20 bis 25 Minuten dauernden Schlummerphase sind es ein über die Nase direkt stimulierender Hauch von Kaffeearoma, anregende Musik, die langsam in Lautstärke und Tempo ansteigt, sowie die sanft einsetzende Massagefunktion im Sitz, die den Ruhenden wieder aufwecken. Diese luxuriöse Pausenfunktion ist noch nicht in Masse realisierbar. Doch das mechanische Neigen des Fahrersitzes und die entsprechende Verstellung 
des Lenkrads gibt’s schon jetzt im neuen Mercedes Actros – serienmäßig.

Schlafen wie Vogel Strauß - das Ostrich Pillow

Einfach mal den Kopf ins Kissen stecken – zugegeben, sieht komisch aus, kann aber beim Powernap wirklich hilfreich sein. Junge Designer aus Spanien erfanden das "Ostrich Pillow" (zu Deutsch Vogelstrauß-Kissen). Es ist weich, kuschelig gepolstert und mit einer Öffnung für Mund und Nase versehen. In die beiden anderen Löcher lassen sich bei Bedarf die Hände und Unterarme stecken, um den Kopf darauf zu legen. Die außergewöhnliche Kopfbedeckung soll ihren Träger von der Außenwelt abschirmen und ihm einen ganz persönlichen mentalen Rückzugsort auch mitten in Trubel und Hektik bieten. Außerdem schluckt die Polsterung Lärm und macht das kurze Nickerchen auch in ungünstigen Positionen etwas gemütlicher. Infos im Internet unter www.ostrichpillow.com.

Autor

Foto

© Daimler

Datum

4. Juli 2013
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