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Entsorger Alba im Porträt: Müll ist nicht zum Wegwerfen

Der Entsorger Alba ist der Saubermann für den Großraum Berlin. Im Auftrag des Unternehmens sind 250 Fahrzeuge unterwegs. Die Arbeit der Müllmänner soll bald mit Hilfe von RFID leichter werden.

Wie ein Schlossgeist schwenkt Bernd-Rüdiger Worm demonstrativ rasselnd einen dicken Schlüsselbund. "Wir verwalten im Moment noch rund 60.000 Haustürschlüssel, die ­unsere Fahrer dabeihaben", sagt der Alba-Geschäftsführer für den Standort Berlin mit Brandenburg. Doch das Geklapper könnte bald ein Ende haben.

In naher Zukunft sollen die 175 eigenen Fahrer und auch die über 150 Fahrer von Kooperationspartnern nur einen Schlüssel dabeihaben – ausgestattet mit RFID-Technik. Dieser lässt sich frei programmieren und erlaubt den Müllmännern zeitlich befristeten Zugang zu den Objekten. "In Berlin haben wir immer Fullservice zu leisten", sagt Worm – also rein ins Haus, runter in den Keller oder durch den Flur in den Hinterhof und dort die Mülltonne geschnappt, geleert und zurückgestellt. "Das ­Ganze ist sehr aufwendig und wir wissen nie genau, ob wir reinkommen", so Worm.

Flotte umfasst 120 Fahrzeuge

Alba leert in Berlin mit 120 eigenen Fahrzeugen und 175 angestellten Lkw-Fahrern täglich unter anderem die Wertstofftonne und gewerblichen Müll aus Papier, Pappe, Plastik, Bio, gemischten Abfällen und Ähnlichem – mit Presswagen, Abrollern, Absetzern, Sattelzügen und Selbstladern mit Kranfunktion. Hinzu kommen noch mal so viele Kooperationspartner mit eigenen Fahrern, die wie ein reiner Frachtführer Tourenpläne und Aufträge bekommen und diese im Alba-Auftrag erledigen. Fast 250 Touren werden so täglich vom Alba-Standort vor den Toren der Großstadt disponiert. "Nicht überall, wo Alba draufsteht, ist also auch Alba drin", stellt Geschäftsführer Worm klar. Sieben bis neun Unternehmen sind so permanent für Alba unterwegs.

Abfall gibt es auch im Speckgürtel von Berlin. 50 Alba-Fahrer sind zusätzlich in Brandenburg mit 35 Lkw auf Tour – in einem Umkreis von rund 60 Kilometern in Nord- und Südrichtung. "Das opera­tive Entsorgungsgeschäft ist sehr regional gebunden", erklärt Worm. Wer hier tätig sein will, muss direkt vor Ort sein.

Entsorgung in Deutschland ist ein beharrlich wachsender Markt mit geringen Zuwächsen. Stärkeres Wachstum bieten da neue Geschäftsfelder wie die Verwertung sogenannter grüner Kohle, das Pooling-Geschäft, die Beratung und international wachsende Märkte.

Papier und Wertstoffe im Fokus

Berlin ist eine leicht wachsende Stadt mit heute rund 3,4 Millionen Menschen – und mehr Einwohner machen eben auch mehr Müll. Alba leert hier unter anderem die Papier- und  Wertstofftonnen bei Privatkunden und bedient im gewerblichen Bereich Industrie- und kommunale Kunden – die Entsorgung von Rest- und Bio­abfall aus privaten Haushalten liegt in kommunaler Hand. Hinzu kommen rund 100.000 Containertransporte mit verschiedenstem Material für alle Kunden, darunter schadstoffhaltige Abfälle, Pappe und Kartonagen und mehr.

Die Logistikwege sind alle klar. Kaum noch Stoffe werden laut Worm deponiert, zum einen aufgrund des seit 2005 geltenden Deponieverbotes, zum anderen weil der Rohstoffhunger der Industrie groß ist und auch aus wiederverwertbaren Materialien gestillt werden kann. Die Restabfälle werden zum Beispiel als Ersatzbrennstoffe bei Energieversorgern oder in der  Zementindustrie verwendet, die meisten Kunststoffe werden zu Granulaten veredelt, Metalle finden beispielsweise in der Automobilindustrie wieder ihren Einsatz.

Nicht jeder Müll, den Alba transportiert, gehört nachher dem Unternehmen. Manches wird nur sortiert, bearbeitet, verpresst, umgeschlagen und dann zurückgeführt – manches wird aber auch selbst vermarktet. 300 bis 400 Ladestellen steuert ein Abfallpresswagen in Berlin im Schnitt an und legt so 50.000 bis 70.000 Kilometer im Jahr zurück. Bis zu 60 Prozent des Auftragsvolumens in Berlin und Umgebung bedient Alba selbst, alles darüber hinaus wird an externe Frachtführer vergeben, erläutert Worm die Strategie.

Noch sind Elektro-Lkw zu teuer

Nachhaltigkeit ist für Alba ein zentrales Thema. Zwar setzt der Entsorger in der Regel auf seine Lkw-Flotte. Für Metalle werden aber auch Binnenschiffe genutzt. Eigene Elektro-Lkw setzt Alba bisher nicht ein, ist aber über die Tochter AWU Oberhavel an einem Elektroprojekt beteiligt, bei dem ein vollelektrischer Volvo Seitenlader die Entsorgung übernimmt. Einem breiten Einsatz stehen bisher die hohen Anschaffungskosten entgegen, sagt Worm.

Doch die Entsorgung in der Stadt mit E-Fahrzeugen biete durchaus hohes Potenzial: "Mit einem E-Fahrzeug könnten wir aufgrund der geringeren Geräuschemissionen in bestimmten Bereichen auch in einer dritten Schicht entsorgen und uns so aus der Rushhour verabschieden", meint der Alba-Manager.

RFID-Technik ersetzt den Schlüsselbund

Doch zunächst geht es an die Umsetzung des RFID-Schlüssels KI, den ein kleines Start-up-Unternehmen namens Kiwi entwickelt hat. Das schlüssel­lose Zugangssystem für Hauseingangstüren könnte sich für die Alba-Müllentsorger zu ­einem modernen Sesam-öffne-dich entwickeln. Die Fahrer tragen dabei den Schlüssel­ersatz einfach bei sich – "er öffnet die Türen bei Annäherung", sagt Worm. Auch der Postbote oder der Paketdienst könnten diesen Schlüssel nutzen. Bei Verlust wird der KI sofort gesperrt.

"Für die Entsorgungslogistik wäre das System eine unheim­liche Verbesserung", sagt Worm. Getestet wird es zunächst im Rahmen einer Tour durch den Prenzlauer Berg – und zwar ganz ohne Schlüsselrasseln. Mal sehen, was dann folgt. Der KI würde nebenbei auch den CO2-Ausstoß der Flotte senken und die Umwelt schonen, führt Worm aus: Denn während die Müllmänner die Tonne holen, läuft normalerweise die ganze Zeit der Lkw-Motor draußen am Fahrzeug. Je schneller sie wieder zurück sind, desto besser. Und Zeit spart das Ganze auch gleich.

Das Unternehmen

Alba, eine Tochter des Recyclingdienstleisters und Rohstoffversorgers Alba Group, ist mit ihren beiden Marken Alba und Interseroh und 8.000 Mitarbeitern in Deutschland, Europa, Asien und USA aktiv. Das Unternehmen erwirtschaftet im Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 748 Millionen Euro und ein Ergebnis von 9,1 Millionen Euro. 2014 hat Alba in Amsterdam auf 27.000 Quadratmetern ein Schiffsterminal eröffnet, von wo aus Stahlschrott, Metalle, Kunststoffe und Papier in die ganze Welt vermarktet werden.

Portrait

Autor

Foto

Steffen Jagenburg

Datum

20. November 2014
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