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Emission: Klimaziele sind nicht zu erreichen

Neue Technologien helfen, die Umweltbelastung durch den Verkehr zu reduzieren. Die steigende Nachfrage nach Transporten macht diese Fortschritte aber zunichte.

Trägt die Schadstoffnorm Euro 5 gar nicht zur Entlastung bei? Die Europäische Umweltagentur (EUA) geht jedenfalls davon aus, dass durch neue Technologie allein die Umweltziele der EU-Kommission kaum zu erreichen sind. Eine Verlagerung von Verkehren weg von der Straße sowie eine Deckelung der Nachfrage seien notwendig. Die Kommission hatte in ihrem Weißbuch die EU-Staaten aufgefordert, ihre verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 60 Prozent gegenüber den Werten von 1990 zu verringern.

Emissionen sind um 27 Prozent gestiegen

Da die Emissionen zwischen 1990 und 2009 jedoch um 27 Prozent gestiegen sind, müsste die EU zwischen 2009 und 2050 insgesamt eine Senkung von 68 Prozent erreichen. In ihrer Studie namens Term (Transport and Environment Reporting Mechanism) legt die Agentur Ausgangswerte fest, anhand derer die Fortschritte bei der Verwirklichung der Umweltziele im Verkehr beurteilt werden können. Dazu gehören Obergrenzen für Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch und Lärm. Die sollen helfen, so nahe wie möglich an die erstrebten Werte heran zu kommen.

Rezession ließ Umweltbelastung sinken

Denn offenbar war es nicht der technologische Fortschritt, sondern wohl eher die Rezession, die die Umweltbelastung im Jahr 2009 sinken ließ. Es handelte sich möglicherweise nur um eine vorübergehende Auswirkung des Wirtschaftsabschwungs. "Die Emissionen nahezu aller verkehrsbedingten Schadstoffe sind infolge der verringerten Nachfrage gesunken", wird EUA-Direktorin Jacqueline McGlade zitiert. "Dieser Rückgang ist jedoch auf die Rezession zurückzuführen. Daher müssen wir eine grundlegende Umgestaltung des europäischen Verkehrssystems anstreben, um die Emissionen auch in Zeiten eines starken Wirtschaftswachstums nicht zu erhöhen."

Schiene und Straße müssten mehr zur Emissionsminderung beitragen

Der Rückgang der Gütertransporte sei 2009 weitgehend für einen Emissionsrückgang verantwortlich gewesen, heißt es. Die Nutzung der Kraftfahrzeuge sei aber nicht zurückgegangen. Schienen- und Straßenverkehr müssten mehr zur Emissionsminderung beitragen, da Flugzeuge und Schiffe in ihren Möglichkeiten begrenzt seien.

Effizienzsteigerung erzielt

Immerhin: Der EUA-Verkehrs- und Umweltbericht zeigt auf, dass bereits einige Effizienzsteigerungen erzielt wurden. So waren neu zugelassene Kraftfahrzeuge voriges Jahr um etwa ein Fünftel effizienter als im Jahr 2000. Diese Fortschritte werden jedoch häufig durch einen Anstieg der Nachfrage wettgemacht, auch wenn die Rezession die Aktivität in einigen Bereichen gebremst hat. Zwischen 1990 und 2009 stieg der Verkehrsbedarf etwa um ein Drittel, die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen nahmen um rund  27 Prozent zu. 

Energieverbrauch stieg stetig

Der verkehrsbedingte Energieverbrauch pro Jahr stieg zwischen 1990 und 2007 in der EU stetig. Zwar sank der Gesamtenergiebedarf von 2007 bis 2009 um vier Prozent, aber die EU nimmt an, dass der Verbrauch bei einer weiteren wirtschaftlichen Erholung wieder zunehmen wird. Und so werden immer wieder in vielen Bereichen die Grenzwerte für eine akzeptable Luftqualität überschritten. Bei Stickstoffdioxid (NO2), das Asthma und sonstige Atemwegserkrankungen hervorrufen kann, wurden die jährlichen Grenzwerte im Jahr 2009 an 41 Prozent der Überwachungsstationen getoppt.

Auch Feinstaub-Tagesgrenzwerte überzogen

Auch beim verkehrsbedingten Feinstaub (PM10), der für ernsthafte Gesundheitsprobleme verantwortlich ist, wurde 2009 der Tagesgrenzwert in fast einem Drittel der Verkehrsüberwachungsstationen in den EU-Staaten überzogen. Keine Entwarnung auch beim Lärm: Fast 100 Millionen Menschen waren entlang der Hauptverkehrsstraßen langfristig einem von Fahrzeugen verursachten durchschnittlichen Lärmpegel von gesundheitsschädlichem Ausmaß ausgesetzt.

Treibstoff sei zu billig

Ein weiteres Ärgernis laut der Umweltagentur: die Spritpreise. Treibstoff ist ihrer Ansicht nach noch immer zu billig. Im Juni 2011 lag der reale Kraftstoffpreis im Schnitt einschließlich Abgaben und Steuern bei 1,14 Euro je Liter, womit er real 15 Prozent höher war als 1980. Das bedeute, dass dieser Wert seit damals im Durchschnitt um weniger als nur 0,5 Prozentpunkte pro Jahr gestiegen sei. Der Kraftstoffpreis sende also keine deutlichen Signale aus, die Konsumenten zum Umstieg bewegen könnten, fasst die Studie zusammen. Alternative Antriebe, wie der Elektromotor, würden kaum genutzt.

Und eine weitere Asphaltierung sei auch keine Lösung: Denn Straßen und Bahntrassen zerteilten die Landschaft Europas in immer kleinere Parzellen, was die biologische Vielfalt bedrohe. Fast 30 Prozent der Landflächen in der EU seien mäßig, hochgradig oder sehr hochgradig fragmentiert, was das Wander- und Brutverhalten zahlreicher Arten einschränke.

Nutzer sollen Verhalten ändern

Die Studie erwartet, dass die Nutzer von Transportangeboten ihr Verhalten ändern, sollen die ehrgeizigen Ziele der EU-Kommission erreicht werden. Und dies am besten freiwillig statt durch Gesetze erzwungen, weil dies nachhaltigere Auswirkungen habe. Auch sei die derzeitige Abhängigkeit des Transportsektors vom Öl nicht hinnehmbar.

Der Ölverbrauch im Transportbereich soll nach dem Willen der Kommission bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 70 Prozent zurückgehen. "Wir brauchen eine entschlossene und einheitliche Verkehrs- und Energiepolitik über ganz Europa", heißt es in der Studie. Dazu gehöre auch, dass die aktuellen Testverfahren für Fahrzeuge, die oft niedrigere Emissionen vorgaukelten als in Wirklichkeit erzielt werden, realistischeren Verfahren weichen, fordert die Agentur - und sieht Industrie sowie Transport und Logistik weiter in der Pflicht.

EU-Kommission schaut genauer hin 

Um ihre ehrgeizigen Umweltziele zu erreichen, will die Europäische Kommission den Ausstoß von Treibhausgasen künftig stärker überwachen. Sie schlägt deshalb vor, die bisherigen Vorschriften und die in Zukunft vorgesehene Weitergabe von Daten deutlich zu verschärfen. Nur so könne gewährleistet werden, dass die neuen Anforderungen, die sich aus dem Klima- und Energiepaket der EU für den Zeitraum von 2013 bis 2020 ergeben, erfüllt werden könnten, heißt es in einem neuen Vorschlag.

Die für Klimapolitik zuständige EU-Kommissarin Connie Hedegaard begründet die verschärfte Überwachung auch mit einer besseren Positionierung der EU bei internationalen Klimaverhandlungen. So könnten Richtwerte für die Überwachung der Klimamaßnahmen in Industrieländern gesetzt werden. "Indem Transparenz, Koordinierung und Qualität der gemeldeten Daten verbessert werden, trägt der (...) Vorschlag dazu bei, dass wir den Stand der Erfüllung unserer Emissionsziele genauer verfolgen können." Die bisherigen Vorschriften beruhen weitgehend auf den Anforderungen aus dem Kyoto-Protokoll.

Der neue Verordnungsvorschlag verbessert dieses Überwachungs- und Berichterstattungssystem und geht noch einen Schritt weiter. Er soll sicher stellen, dass die EU ihren Klimaschutzverpflichtungen auch nachkommen wird. Dazu gehören Vorschriften zur Überwachung und Berichterstattung für Unternehmen über Emissionen. Ministerrat und EU-Parlament müssen dem Vorschlag noch zustimmen.

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Datum

13. Dezember 2011
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