Lang-Lkw: Elflein Spedition 5 Bilder Zoom

Elflein Spedition: Verbindung zwischen Bamberg und Bautzen

Die Elflein Spedition bedient vier Mal täglich die Strecke zwischen Bamberg und Bautzen mit 25,25-Meter-Kombinationen. trans aktuell hat ein Fahrzeug auf der Tour begleitet.

Fahrweise in Zahlen
BA-E 6628 BA-E 6629
Vorausschauendes Fahren 9,9 10
Fahrpedalbewegung 8,2 8,3
Stopps 10 9,9
Kennfeldger. Fahren übrige Gänge 9,6 9,5
Gleichmäßige Geschwindigkeit 10 10
Gesamt Verbrauchsbezogen 9,5 9,5
Vorausschauendes Fahren 9,9 10
Verzögerung 9,1 9,2
Gesamt bremsbezogen 9,5 9,6
Gesamtnote Fahrweise 9,5 9,5

Montagabend 18.30 Uhr, tief im Osten Deutschlands – an der Ladestelle des Kunststoffwerks Neuteichnitz Baier (KNB) in Bautzen herrscht geschäftiges Treiben. Der erste der beiden Lang-Lkw der Elflein-Spedition rollt gerade auf den regennassen Hof. Ein strammer Wind pfeift durch die Behälterschluchten rund um die Produktionshalle. Hartmut Dietz stellt sein Fahrzeug am Hallenanfang ab, steigt aus und läuft mit seinen Frachtpapieren zum Bürokomplex – zwei beigefarbene Container am Rand der Halle. Wenige Minuten später kehrt er etwas genervt zum Fahrzeug zurück. "Es ist noch ein Lkw vor mir dran", sagt der 47-jährige Fahrer. "Jetzt verzögert sich die Abfahrt sicher um eine halbe Stunde."

Präzise durch die Gasse gezirkelt

Punkt 19.00 Uhr ist Dietz mit Verladen dran. Dazu muss er den 25,25 Meter langen Actros 2545 einmal um die gesamte Halle fahren, durch Behältergassen mit einer lichten Breite von teilweise nur vier Metern. Mancher Sprinter-Fahrer käme hier an seine Grenzen, nicht so Dietz. Elegant manövriert er den Lastwagen um zwei Ecken an seine Ladestelle. Dort warten bereits zwei Mitarbeiter von KNB mit ihren dieselbetriebenen Gabelstaplern darauf, dass Dietz die Planen an der Wechselbrücke und dem Sattelauflieger öffnet.

Um 19.09 Uhr beginnen Sie mit dem Abladen der leeren Gitterboxen, die der Elflein-Fahrer vom Auftraggeber Daimler zur Ladestelle mitgebracht hat. Obwohl der Lang-Lkw bis unters Dach vollgepackt ist, brauchen Staplerfahrer nur rund zehn Minuten, um die Ladeflächen leer zu machen. Dann kommt neue Ware auf den Lkw. In den gestapelten Gitterboxen sind Plastikteile wie Türverkleidungen und Abdeckungen, die Daimler in Sindelfingen in Pkw einbaut. Fahrer Dietz steht im Regen neben dem Lkw und dirigiert die beiden Lagerarbeiter.

Lang-Lkw müssen rund um die Uhr laufen

20.00 Uhr: Der Lastwagen ist voll, die Ladung gesichert und die Planen sind festgezogen. Dann rollt der Actros von Dietz durch die Gasse zwischen den aufgestapelten Gitterboxen vom Hof auf den Weg nach Bamberg. Die rund 335 Kilometer sollte er bis spätestens 0.30 Uhr geschafft haben, damit sein Kollege Waldemar Schmidt den Lkw übernehmen und auf die nächste Tour nach Bautzen gehen kann. Denn der Lang-Lkw muss rund um die Uhr laufen, sonst lohnt sich der Einsatz nicht.

Am Dienstagmorgen um 5.30 Uhr kommt der Actros wieder in Bautzen an, jetzt mit Schmidt hinterm Steuer, einer neuen Wechselbrücke auf dem Motorwagen und einem anderen Sattelauflieger auf dem Dolly hinterm Zugfahrzeug. Behälter und Trailer hat Dietz in der Nacht noch an zwei andere Fahrer übergeben. Denn die letzten Kilometer von Bamberg nach Sindelfingen zu Daimler darf der Lang-Lkw nicht fahren. In Baden-Württemberg hat sich die grüne Landesregierung nach Amtsantritt vom Feldversuch verabschiedet. Deshalb müssen zwei Lkw von Elflein die Kunststoffteile an ihren Zielort bringen, die die Spedition sonst mit einem Fahrzeug ausliefern könnte. Im Tausch hat Dietz für seinen Kollegen Schmidt den Lang-Lkw mit Leergut aus Sindelfingen bestückt, das wieder nach Bautzen muss.

Aus drei Sattelzügen werden zwei Lang-Lkw

Nachdem Schmidt 45 Minuten Pause gemacht hat, beginnen die Lagerarbeiter von KNB wieder mit dem Abladen. Gegen 7.00 Uhr rollt der Actros auf die A4 Richtung Dresden. Die Strecke kennt Schmidt im Schlaf. "Wir sind früher schon Linie nach Bautzen gefahren", erklärt der 33-jährige Fahrer. Seit September 2012 fährt er mit dem Lang-Lkw, davor ist er dieselbe Tour mit einem Standard-Sattelzug gefahren. Geändert hat sich seither nur die Anzahl der Transporte. Denn früher musste Elflein die gleiche Transportmenge auf drei Fahrzeuge verteilen, jetzt sind zwei Lang-Lkw damit unterwegs.

"Wir waren die ersten, die in der Firma einen Lang-Lkw fahren durften", erzählt Schmidt über sich und seine Kollegen auf der Relation. Vier Stunden Schulung musste der Familienvater absolvieren und dann durfte er den 25,25 Meter-Zug übernehmen. "Am Anfang war die Dimension ungewohnt, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt", erinnert sich Schmidt, während er den Lenkstockhebel für den Retarder zieht.
An der Steigung vor ihm arbeitet sich ein Schwertransport mit Schritttempo nach oben – eines der Hindernisse, mit denen Schmidt täglich zu kämpfen hat. "Wir dürfen mit dem Lang-Lkw nicht überholen, auch nicht auf einer dreispurigen Straße." Das gehöre zu den Regeln, sagt der Kraftfahrer etwas genervt. Angesichts der sonst leeren Autobahn ist sein Ärger gut zu verstehen, zumal Schmidt mit der Handhabung des Lkw oftmals zufriedener ist als mit einem Standard-Sattelzug.

Lang-Lkw bietet Vorteile im Winter

"Im Winter liegt das Fahrzeug besser auf der Straße und wir können manche Steigungen noch fahren, die andere Lkw nicht schaffen." Kein Wunder – denn der Lang-Lkw hat bei gleichem Transportgewicht mehr Räder und damit eine bessere Chance auf Traktion. Die Aufregung um die Fahrzeuglänge kann Schmidt nicht nachvollziehen. Auf der Autobahn würde es kaum jemandem Auffallen, dass er mit einem 25,25 Meter langen Fahrzeug unterwegs sei. Allenfalls Leute aus der Branche, die Polizei und das BAG könnten sein Fahrzeug von den anderen unterscheiden, meint Schmidt.

Mit Polizei und BAG hat Schmidt vor allem in der Anfangszeit einige Erfahrung gesammelt. "Ich bin fast jeden Tag kontrolliert worden in den ersten Monaten", erzählt der Fahrer lächelnd. Zu beanstanden gab es dabei nie etwas. Denn Schmidt weiß um die Verantwortung, die er trägt.

Keine Probleme auch auf engen Straßen

Während er seinen Lkw von der A4 bei Chemnitz auf die A72 lenkt, erinnert er sich dann aber doch an ein besonderes Zusammentreffen mit der Polizei. "Ich bin auf der Autobahn in Richtung Bautzen mit dem Lang-Lkw an eine Vollsperrung gekommen." Dort habe die Polizei den Verkehr auf die Landstraße umgeleitet. Der Lang-Lkw sei auf diesem Streckenabschnitt nicht freigegeben, erinnert sich der Fahrer. Deshalb habe er vor der Ausfahrt angehalten und die Beamten darauf hingewiesen, dass er mit seinem Fahrzeug die Umleitung nicht nutzen dürfen. Daraufhin habe ihn der Polizist dazu aufgefordert die Abfahrt zu nehmen und trotz Verbot die Strecke zu befahren. Schmidt folgte der Aufforderung und steuerte seinen Zug über die Landstraße durch Dörfer zur nächsten Autobahnauffahrt. Probleme gab es dabei keine, weder auf schmalen Straßen, noch in engen Kurven.

Die Kritik am Kurvenverhalten versteht Schmidt ohnehin nicht. "In manchen Kurven ist der Lang-Lkw leichter zu fahren als der normale Sattel", betont der Familienvater. Schmale Straßen sei er auch gewohnt, denn auf der Strecke zwischen Bautzen und Bamberg gibt es zahlreiche Baustellen. Nur ein technisches Problem mahnt der routinierte Fahrer in Baustellen an. Der Dolly vom Fahrzeugbauer Krone hätte einen Schließmechanismus, der ab einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde Lenkbewegungen am Auflieger verhindert. Unter Tempo 60 öffnet sich die Sperre und der Dolly lenkt in Kurven mit ein. Wenn der Lang-Lkw in Baustellen langsamer als 60 Kilometer pro Stunde fährt, kann sich der Auflieger auf dem Dolly nach beiden Seiten bewegen. Das sei im Rückspiegel deutlich zu sehen, erklärt Schmidt.

Dolly umgebaut: Sperre schon bei Tempo 40

Elflein hat dieses Problem bereits bei Krone angemahnt und auch an Dollys Hand angelegt. Jetzt schließt die Sperre schon bei Tempo 40. Zudem setzt Elflein auch Dollys von Fliegl ein, die ohne die Sperre auskommen und deshalb in der Baustelle dieses Problem nicht haben.

Um 11 Uhr verlässt der Actros die Autobahn und rollt ins Bamberger Industriegebiet. Wenige Kilometer und einige Kreisverkehre liegen noch vor Schmidt und seinem Lkw. Hier kann der Fahrer demonstrieren, wie leicht es ist – auch an engen Stellen – den Zug zu steuern. Zahlreiche Passanten sind an diesem Dienstagmorgen unterwegs. Aber keiner scheint von dem überlangen Lkw Notiz zu nehmen. "Wie gesagt, die Leute können den Lkw von einem Standard-Sattelzug nicht unterscheiden", meint Schmidt.

Kurz vor 11.30 Uhr biegt das Fahrzeug auf den Speditionshof von Elflein ein. Schmidts Schicht ist zu Ende. Weil er keine Fahrzeit mehr auf der Karte hat, übernimmt ein Kollege das Umbrücken und Umsatteln für den Weitertransport. Nach kleineren Wartungsarbeiten, Auftanken und einer routinemäßigen Fahrzeugprüfung steht der Lkw dann wieder bereit für Hartmut Dietz, denn der sollte gegen 18.30 Uhr wieder in Bautzen an der Ladestelle stehen.

Volumentransport

Bevor die Spedition Elflein zwei Lang-Lkw auf der Relation zwischen Bamberg und Bautzen in Betrieb genommen hat, musste das Unternehmen für dasselbe Transportaufkommen drei Sattelzüge einsetzen. Ein Sattelzug fasst 102 Standard-Behälter der Deutschen Bahn, wie Sie bei Transporten der Automobilindustrie im Einsatz sind. Auf einen Lang-Lkw gehen maximal 156 dieser Behälter. Am zulässigen Gesamtgewicht von 40 Tonnen ändert sich dadurch nichts. Für die leichten Plastikteile der Autoindustrie ist das Gesamtgewicht aber auch nicht entscheidend, sondern vielmehr das verfügbare Ladevolumen.

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Portrait

Autor

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Bilski

Datum

20. November 2013
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