Grenzkontrollen, Spanien, Frankreich Zoom
Foto: IRU

Elektronischer Frachtbrief

Test zwischen Frankreich und Spanien geglückt

Erstmals hat ein Lkw mit europaweit gültigem elektronischem Frachtbrief (e-CMR) eine Grenze überquert.

Bei dem Test handelte sich um einen Apfelsinen-Transport auf dem Weg von Spanien nach Frankreich. Die Internationale Straßentransport Union (IRU) spricht in diesem Zusammenhang vom Startschuss für den elektronischen Frachtbrief, der dem Transportsektor Effizienzgewinne verschaffen und zu niedrigeren operativen Kosten führen soll. "Je mehr Mitgliedstaaten ihn gebrauchen, umso attraktiver wird er, denn Länder, die den e-CMR einsetzen, haben einen beiderseitigen Nutzen", sagte IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto.

Die Fahrt von Huelva im Südwesten Spaniens nach Perpignan in Südfrankreich Ende Januar hatte die IRU zusammen mit dem spanischen und dem französischen Straßentransportverband, ASTIC und FNTR, organisiert. Transportpartner war das Unternehmen Primafrio aus Murcia. "Wir unterstützen diese Initiative zu Test- und Analysezwecken voll und ganz", sagte Joaquín del Moral vom Verkehrsministerium in Madrid. Spanien war eines der ersten Länder, die das e-CMR Protokoll ratifiziert haben.

Erster Schritt zu komplett digitalen Transportvorgängen

Frankreich hatte das Protokoll im Oktober mit sofortiger Wirkung unterzeichnet. "Wir freuen uns darauf, die praktischen Vorteile zu sehen, die der elektronische Frachtbrief der französischen Logistikindustrie bringen wird", sagte Frankreichs Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies.

Dies sei der erste Schritt hin zu komplett digitalen Transportvorgängen, die in den kommenden Monaten zum Einsatz kommen sollten. Unterdessen haben die Niederlande, Belgien und Luxemburg beschlossen, den digitalen Frachtbrief gemeinsam im Rahmen eines Pilotprojekts grenzüberschreitend zu testen. Der Start ist in der zweiten Jahreshälfte vorgesehen.

180 Millionen Euro sparen

Der niederländische Transporteursverband Transport en Logistiek Nederland (TLN) geht davon aus, dass der Sektor durch den e-CMR jährlich 180 Millionen Euro einsparen kann. TLN war indirekt auch bei dem ersten papierfreien Transport zwischen Spanien und Frankreich dabei, denn der Verband ist zusammen mit der ebenfalls niederländischen Branchenorganisation EVO Initiator der Internetplattform Transfollow, über die der elektronische Frachtbrief realisiert wird.

Weniger Papier, keine Kosten für Archivierung und Versand von Dokumenten oder die Weitergabe von Informationen wie Warenempfang oder -übernahme in Echtzeit in einem mehrsprachigen Umfeld – ein elektronischer Frachtbrief könnte Logistik-Operationen für Transportfirmen, Fahrer und Behörden erleichtern. Die elektronische Unterschrift könnte die Transportabwicklung auch sicherer machen. Der Verband der Europäischen Fertigfahrzeug-Logistiker (ECG) jedenfalls sieht viele Vorteile und hat sich jetzt mit der IRU zusammengetan und einen gemeinsamen Appell verfasst.

Die Branche sei Zeuge eines gewaltigen technologischen Fortschritts, dessen Tempo durch die Digitalisierung weiter steige, betont der geschäftsführende ECG-Direktor Mike Sturgeon. "Dem muss sich die Gesetzgebung unbedingt anpassen." Die langsame Einführung von e-CMR belege einmal mehr, wie Bürokratie fortschrittliche Entwicklungen ausbremse und Unternehmen hindere, deren Segnungen an die Kundschaft weiterzugeben. Auch IRU-Mann Zeljko Jeftic sieht den elektronischen Frachtbrief als unabdingbar für die Logistik der Zukunft: "Er ist effizienter und kostengünstiger – das hat er gerade erst bewiesen, als er zwischen Frankreich und Spanien erstmals zum Einsatz kam", sagt Jeftic.

Deutschland kommt bei Automatisierung nicht voran

Aber die Aussichten, Logistikprozesse weiter zu automatisieren und die Papierflut zu verringern, sind nicht besonders rosig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Deutschland als zentrales Land in Europa bei dem Thema nicht sichtbar vorankommt. Die Ratifizierung des Protokolls steht immer noch aus. Aus dem Büro des Verkehrsausschussvorsitzenden des Deutschen Bundestags, Martin Burkert (SPD), heißt es: "Die Berichterstatter im Verkehrsausschuss von Union und SPD sind sich darüber einig, dass der digitale Frachtbrief für die Zukunft verpflichtend werden soll."

Die Ratifizierung des Protokolls durch Deutschland sei keine Voraussetzung für Testläufe, gibt der Leiter des Bereichs Internationaler Straßengüterverkehr beim Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV), Helmut Große, zu bedenken. Andererseits könnte sie einen Anschub für die EU-weite Anwendung geben. "In Deutschland soll alles digitalisiert werden, aber hier hinken wir hinterher", sagt er. Man spüre hierzulande noch nicht den Druck, etwas zu tun. Der elektronische Frachtbrief sei aber auch im Hinblick auf wirksamere Kontrollen äußerst sinnvoll.

"Ein elektronisches Frachtdokument hat vielfältige Nutzungsmöglichkeiten", bestätigt Dr. Adolf Zobel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). "Wir müssen sehen, wo es Vorteile für unsere Unternehmen gibt", sagt er. Es sei wichtig, Bürokratie abzuschaffen, und der Verband wolle sich intensiv um die Ausgestaltung kümmern. Geklärt werden müsse zunächst einmal die Position des Bundesamts für Güterverkehr (BAG). Die Umsetzung des digitalen Dokuments sei sicher noch langfristig ein Thema.

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Datum

2. Februar 2017
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