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Elektro-Transporter: Post weitet Streetscooter-Produktion aus

Die Deutsche Post DHL hat mit ihrem Elektro-Transporter Streetscooter große Pläne. Geplant ist, in den nächsten Jahren die komplette eigene Zustellflotte durch die E-Fahrzeuge zu ersetzen.

Das wären bis zu 15.000 Einheiten im Paket- und bis zu 30.000 Einheiten im Verbundbereich, der die gemeinsame Zustellung von Briefen und Paketen umfasst. Was die Kapazitäten angeht, fühlt sich die Post gerüstet: Die Produktion ist ab 2017 auf 10.000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt. Angedacht ist die Produktion auch für Dritte.

War das gerade eben ein rollendes Post-Paket? Wird man als Radfahrer oder Fußgänger von einem Streetscooter überholt, schießt einem diese Frage durch den Kopf. Die Assoziation kommt nicht von ungefähr und ist vielleicht sogar gewollt. Die von der Deutschen Post DHL gefertigten Elektro-Lieferwagen erinnern durch ihren flachen Aufbau von hinten tatsächlich ein wenig an ein Post-Paket.


Künftig wird einem diese neue Fahrzeugspezies noch häufiger begegnen. Denn die Post hat mit ihrem Streetscooter große Pläne. Vor fünf Jahren erst hatte der Konzern ein Pilotfahrzeug vorgestellt. Zuvor hatte er sich die Firma Streetscooter einverleibt, ein Start-up der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen mit dem Auftrag, E-Fahrzeuge für die Praxis zu bauen. Inzwischen sind 1.000 dieser Lieferwagen vom Band gerollt.

800 Streetscooter bereits in der Erprobung

800 davon sind schon länger im Probeeinsatz und haben zusammen rund eine Million Kilometer bewältigt – ohne Probleme, wie Streetscooter-Chef Prof. Dr. Achim Kampker bilanziert. Gefertigt werden die Fahrzeuge bei Talbot Services in Aachen. Die Konzeption und Montagelinie stammen von den Streetscooter-Experten. Die Reichweiten liegen bei rund 80 Kilometern – was für die typische Zustelltour von rund 40 Kilometern mehr als genug ist.


Dass sich das Design der Streetscooter deutlich von dem anderer E-Autos unterscheidet, fiel bei der Präsentation des 1.000sten Fahrzeugs auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf. "Auf den ersten Blick ist das Fahrzeug nicht besonders schnittig, wie man es zum Beispiel von den Neuheiten auf einem Auto-Salon gewohnt ist", sagte sie. Andererseits komme es darauf gar nicht an, weil die Deutsche Post DHL ein praktisches und für ihre Zwecke geeignetes Fahrzeug bauen wollte. Das Design ist demnach zweitrangig.


Trotzdem musste Jürgen Gerdes, Post-Vorstand für den Bereich Post, E-Commerce und Paket, natürlich dagegenhalten: "Ich finde das Auto unfassbar schön", erklärte er. Die Liebe zum Streetscooter hat bei ihm auch einen Grund: Das Fahrzeug ist nicht zuletzt sein Baby, er hat sich von Anfang an für das Projekt stark gemacht und den Streetscooter selbst immer wieder auf Herz und Nieren getestet. Dass er den Lieferwagen beherrscht, stellte er mit hoher Geschwindigkeit und quietschenden Reifen auch gegenüber den Medien unter Beweis.

Post bringt Umwelt und Logistik unter einen Hut

Die Präsentation des 1.000sten Fahrzeugs war für Gerdes nach eigenen Worten ein "großartiger Moment". Mit dem Streetscooter gelinge es dem Unternehmen, die vermeintlichen Gegensätze Umwelt und Logistik unter einen Hut zu bringen. Der Post-Vorstand strebt an, in den nächsten Jahren die komplette eigene Zustellflotte durch die E-Fahrzeuge zu ersetzen. Das wären bis zu 15.000 Einheiten im Paket- und bis zu 30.000 Einheiten im Verbundbereich, der die gemeinsame Zustellung von Briefen und Paketen umfasst.

Was die Kapazitäten angeht, fühlt sich die Post dafür gerüstet: Die Produktion ist ab 2017 auf 10.000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt. Angedacht ist die Produktion auch für Dritte – die endgültige Entscheidung darüber soll in diesen Tagen fallen und spätestens bis Anfang 2017 bekannt gegeben werden. Das Interesse ist offenbar groß: Der direkte Wettbewerb habe zwar noch nicht angefragt, wohl aber Kommunen und Handwerker.
Produzierte die Post bislang den Kastenwagen B 14 mit insgesamt vier Kubikmeter Ladevolumen, wird gegen Jahresende zusätzlich das Modell D 16 mit doppelt so viel Volumen verfügbar sein. Nächstes Jahr will der Konzern mit der Variante E 17 mit Blick auf das Raumangebot dann noch einmal eine Schippe drauflegen.
Dass die Post über ihre Tochterfirma Streetscooter selbst unter die Autobauer gegangen ist, liegt weniger in der Suche nach einem neuen Geschäftsfeld begründet. Ausschlaggebend war vielmehr, dass die etablierten Fahrzeughersteller offenbar kein Interesse hatten, für den weltgrößten Logistikkonzern tätig zu werden. Die Post machte aus der Not eine Tugend und stieg selbst in den Autobau ein. Street-scooter-Chef Kampker spricht aber von einem Sonderfall. "Es geht nicht darum, der Automobilindustrie Konkurrenz zu machen."

9,5 Millionen Euro an Fördermitteln

Was das Unternehmen bisher in die Elektromobilität investiert hat, verrät Vorstandsmitglied Gerdes nicht. Es seien aber "überschaubare Zahlen", sagte er. Das Umweltministerium steuert in den nächsten Jahren weitere 9,5 Millionen Euro an Fördergeldern bei. Ministerin Hendricks knüpft daran aber die Bedingung, dass die Erkenntnisse auch anderen zur Verfügung gestellt werden müssen.
Sie begrüßt es, dass sich dank des Engagements des Postkonzerns der Blickwinkel bei der E-Mobilität geweitet habe. Zuvor sei das Thema auf den Pkw beschränkt gewesen. "Dabei brauchen wir gerade im Wirtschaftsverkehr eine Entlastung von Umwelt und Gesundheit", sagte Hendricks. "Die Post setzt ein deutliches Zeichen", würdigte sie. Ein wichtiger Schritt in Richtung Umweltschutz ist also gemacht. Die Entlastung kommt – in Form von rollenden Post-Paketen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Matthias Rathmann

Datum

15. September 2016
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