Fiat E-Ducato von Emovum. Zoom

Elektro-Transporter: E-Mobilität selbst in die Hand nehmen

Das Hamburger Unternehmen Emovum baut Fiat Ducatos zu Elektro-Transportern um. Besonders im Stadtverkehr sind die umweltfreundlichen Lieferwagen gefragt.

Das Thema Elektromobilität ist spätestens seit der Ende April vom Bund beschlossenen Kaufprämie in aller Munde. Die Automobilindustrie stellt dafür 600 Millionen Euro bereit und wirft immer neue und bessere Modelle wie die Neuauflagen des Tesla Model S oder des BMW i3 auf den Markt. Doch obwohl Bewegung in die Sache kommt, geht es dem Hamburger Unternehmen Emovum nicht schnell genug. Die Firma rüstet den Fiat Ducato und Fiat 500 zu E-Autos um. Im Oktober 2015 hat die Tochter des Ersatzteileherstellers Wulf Gaertner Autoparts das Geschäft vom Stromlieferant Wemag übernommen.

Elf Ingenieure kümmern sich um die Entwicklung, Wulf Gaertner-Mitarbeiter bauen in den Hallen der Mutterfirma den Verbrennungsmotor aus und E-Motor und Batterien ein. "Unsere Kernkompetenz ist die Systemintegration", sagt Emovum-Geschäftsführer Andreas Pfeffer. Heißt: Batterien, Motor und Bordcomputer miteinander zu vernetzen. Die E-Motoren kommen von einem deutschen Hersteller, die Batteriezellen aus Korea. Emovum stellt keine der verbauten Komponenten selbst her.

Zwölf E-Ducatos sind schon unterwegs

"Wir befinden uns noch in der Positionierungsphase", erklärt Pfeffer. Pläne für eine eigene Fertigungshalle werden gerade erstellt. Zwölf E-Ducatos sind in Hamburg und Umgebung schon unterwegs. Das Uni-Klinikum, Bäcker, Gemeindegruppen, Flughäfen und Bestattungsinstitute haben Fahrzeuge bestellt. Besonders gefragt sei der E-Ducato in der Dreiseitenkipper-Variante. Die Standard-Reichweite liegt bei 100 Kilometern. "Die Erfahrung zeigt, dass unsere Kunden unter 100 Kilometer am Tag benötigen", sagt Pfeffer. Optional ist eine Schnellladefunktion mit elf Kilowatt bestellbar. Im Onlineshop sind künftig Ladesäulen, Ladekabel und weiteres Zubehör erhältlich.

Für das Standardmodell des E-Ducato zahlen Interessierte etwa 67.000 Euro, der Preis variiert je nach Ausführung und Reichweite. Mit den Fiat-Fahrzeugen habe man von Wemag ein etabliertes Geschäft übernommen. Pfeffer plant aber, auch Transporter anderer Hersteller umzubauen. "Industrie und Politik haben das Thema E-Mobilität zu lange hinausgeschoben", kritisiert der Geschäftsführer. Mit Emovum wolle er der Automobilindustrie "ein bisschen auf die Füße treten".

Auch die Deutsche Post baut E-Transporter selbst

Eigeninitiative scheint gerade verbreitet zu sein. Die Deutsche Post will noch in diesem Jahr mit dem Bau eines selbst entwickelten Elektrotransporters beginnen, 2.000 von insgesamt 30.000 Modellen sollen noch 2016 fertig sein. "Vor allem wegen der verschärften Umweltzonen sind elektrische Kleintransporter künftig im lokalen Lieferverkehr alternativlos", erklärt Pfeffer. Es sei aber nach wie vor schwierig, den Leuten die Mehrkosten für E-Autos verständlich zu machen. Da müsse noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden. Als Vorbild nennt er Tesla. Keine TV-Werbung, keine Hochglanzanzeigen in Magazinen: "Die Menschen sollen E-Mobilität selbst ausprobieren."

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Emovum

Datum

31. Mai 2016
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