Grüne Logistik Zoom

Eco Performance Award: Der Umwelt zuliebe

Die Max Müller-Gruppe verstärkt ihr Engagement in Richtung Grüne Logistik weiter. Sie hat im vergangenen Jahr den Eco Performance Award des Tankkartendienstleisters DKV Euro-Service gewonnen.

Die Berge sind zum Greifen nah, der Bodensee ebenso. Auf den sanften Hügeln im Umland grasen zufriedene Kühe. Wo andere Urlaub machen, führt Walter Müller seit 32 Jahren ein Unternehmen. 1981 hat er den elterlichen Betrieb in Lindenberg im Allgäu mit fünf Mitarbeitern übernommen. Heute beschäftigt die Max Müller-Gruppe, die ihre Zentrale seit 1997 in Opfenbach hat, an mehreren Standorten mehr als 900 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr 68 Millionen Euro um.

Mit dem Eco Performance Award ausgezeichnet

Die Allgäuer Erfolgsgeschichte erfreut Chefs, Mitarbeiter und den Landkreis Lindau, aber nicht unbedingt die Umwelt. Denn mit solchem Wachstum einher geht meist ein höherer Energieverbrauch. Büros wollen beheizt, Lager beleuchtet und Fahrzeuge angetrieben werden. Das ist häufig der Preis für die Expansion. Geschäftsführer Walter Müller versucht jedoch, nach Kräften gegenzusteuern. Er unternimmt große Anstrengungen, um den Energieeinsatz zu drosseln und damit auch den CO2-Emissionen zu Leibe zu rücken.
Für dieses Engagement in puncto Nachhaltigkeit hat ihn der Tankkartenbetreiber DKV Euro-Service im vergangenen Jahr in der Kategorie kleine und mittlere Unternehmen mit dem Eco Performance Award ausgezeichnet (siehe unten). "Darauf sind wir als Mittelständler sehr stolz", sagt Firmenchef Müller im Gespräch mit trans aktuell. "Der Preis ist für uns aber auch Ansporn, unsere Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit weiter auszubauen", sagt er. Die Trophäe hat einen Ehrenplatz in einer Vitrine vor Müllers Büro.
Der Geschäftsführer nennt vier gute Gründe, die ihn bei seinem Engagement besonders antreiben: seine vier Kinder, die zwischen 10 und 28 Jahre alt sind. "Ich will mir nicht eines Tages vorhalten lassen: ‚Papa, du hast nichts getan'", erklärt er. "Ich muss als Geschäftsführer alles Menschenmögliche tun, das wirtschaftlich darstellbar ist, um die Ressourcen zu schonen."

Energiesparendes Heiz- und Kühlkonzept für Immobilien

Das mögliche Betätigungsfeld ist denkbar breit. Daher konzentriert sich Müller vornehmlich auf drei Bereiche, in denen er Fortschritte erzielen will. Da wäre zum einen ein energiesparendes Heiz- und Kühlkonzept für die Immobilien. Die vor fünf Jahren in Opfenbach in Betrieb genommene zweite Logistikimmobilie dient hierfür als Referenzobjekt. Sie nutzt über unzählige Sonden – insgesamt wurden 4.000 Meter Sonden in bis zu 120 Meter Tiefe verlegt – die natürliche Erdwärme. Strom benötigt der Logistikdienstleister nur für den Betrieb der Wärmepumpe zum Heizen und der Umwälzpumpe zum Kühlen.

Bewusstsein für verantwortungsvollen Umgang mit Energie schaffen

Maßnahme zwei zielt darauf ab, bei den Mitarbeitern ein Bewusstsein zu schaffen, verantwortungsvoll mit der Energie zu haushalten. "In der Vergangenheit hat die Frühschicht um vier Uhr alle Lampen im Lager eingeschaltet", erzählt Müller und führt das auf alte Gewohnheiten zurück. "Nun werden nur noch die Bereiche beleuchtet, in denen tatsächlich gearbeitet wird." Raum für Verbesserungen gebe es auch im Bürogebäude. "Wir haben in vier Küchen das Wasser in den Boilern immer auf die höchste Temperatur aufgeheizt", sagt er. Das sei aber nicht erforderlich, da eine Temperatur von 35 Grad meist ausreiche.

Kraftstoffeinsparung im Fuhrpark

Die dritte Maßnahme dürfte aber das größte Potenzial bergen: das Projekt Kraftstoffeinsparungen im Fuhrpark. "Mein Ziel ist es, dauerhaft auf unter 30 Liter im Fernverkehr zu kommen", sagt Müller. Seine Fahrer haben sich dieser Marke bereits angenähert: Im Herbst 2010 lag der Verbrauch der Fernverkehrsflotte im Schnitt noch bei 34,2 Litern, wie eine Wochen-analyse von zehn damals bereits mit der Daimler-Telematik Fleetboard ausgerüsteten Lkw zeigt. "Ich hatte damals mutig gesagt, dass wir eine Einsparung von zwei Litern schaffen würden", berichtet Müller. Und tatsächlich: Dieses Ziel hatten die Fahrer bereits ein Jahr später bei der Bewerbung um den Eco Performance Award erreicht.

Der Geschäftsführer gibt zu, dass er dem Telematikprojekt zunächst skeptisch gegenüber stand. Das war gestern. Heute sind alle 40 Fernverkehrszüge und auch einige Nahverkehrs-Lkw mit Fleetboard ausgerüstet. Selbst in den MAN-Fahrzeugen hat die Spedition die Telematiklösung eingebaut. Die Fahrer hätten die Technik akzeptiert, bilanziert Müller. Er hängt die Tabelle mit den Werten der einzelnen Lkw wöchentlich aus. "Das wird so stark beachtet wie die Bundesliga-Ergebnisse."

Riesiges Einsparpotenzial bei Euro-6-Motoren

Riesiges Einsparpotenzial sieht der Spediteur auch bei den neuen Euro-6-Motoren. Der erste Actros, der die neue Schadstoffnorm erfüllt, ist nach einjährigem Test bereits fest im Fuhrpark integriert – und sein Halter voll des Lobs. "Wir haben einen Verbrauch von 24 bis 25 Litern realisiert", sagt ­Müller. Das seien nahezu zwei Liter weniger, als ein Actros in Euro-5-Ausführung mit dem gleichen Ladegut auf derselben Strecke benötige. "Ich werde nur noch Euro 6 kaufen", sagt Müller.

Arbeit an niedrigen Verbräuchen ist Daueraufgabe

Der Geschäftsführer gibt sich aber keinen Illusionen hin: Die Arbeit an niedrigen Verbräuchen ist eine Daueraufgabe. Der Aushang der Fleetboard-Listen und mögliche Prämien für die Besten reichten nicht aus, um das Fahrverhalten dauerhaft umzustellen. "Es braucht ständige Schulungen", erklärt Müller. Die letzte fand erst vor zwei Wochen statt. Der Firmenchef hatte sich ebenfalls unter die Teilnehmer gemischt. Es könne ja nicht schaden, seine Kenntnisse aufzufrischen.

Die Auszeichnung mit dem DKV-Preis hat bei der Max Müller-Gruppe zu neuen Projekten geführt. Unmittelbar danach begannen die Vorbereitungen für eine Zertifizierung nach der Umweltnorm DIN 14001 Und an neuen Ideen, um Energie zu sparen, mangelt es dem Firmenchef nicht: Er holt die Rechnung eines Lieferanten aus seiner Schreibtischschublade. Sie bezieht sich auf die Ausstattung des Bürogebäudes mit Energie sparenden LED-Leuchten.

Müller will dieses Projekt in den nächsten Wochen in Angriff nehmen und mit gutem Beispiel vorangehen. Er will zuerst sein Büro ausstatten lassen und dann gegebenenfalls das ganze Gebäude nachrüsten lassen. Rechnen werde sich eine solche Investition erst nach vier bis fünf Jahren, sagt Müller. Doch auch hier fühlt er sich in der Pflicht – gegenüber der Umwelt, aber auch gegenüber seinen Kindern.

Eco Performance Award

Mit dem Eco Performance Award zeichnet der Tankkartendienstleister DKV Euro-Service vorbildliche Konzepte zur Nachhaltigkeit von Speditionen aus. Eine fünfköpfige Jury honoriert einen erfolgreichen Dreiklang an Maßnahmen in den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Das Preisgeld in den beiden Kategorien kleinere und mittlere Unternehmen (bis zu 50 eigene Lkw) sowie Großunternehmen (mehr als 50 eigene Lkw) beläuft sich auf je 10.000 Euro. 2012 setzten sich hier die Max Müller-Spedition im Bereich Mittelstand sowie die Speditionen Camion Transport (Schweiz) und Ekol Logistics (Türkei) in der Rubrik Großunternehmen durch. Die siebte Preisverleihung des Eco Performance Awards findet am 3. Juni in München statt.

Das Unternehmen

Die Max Müller-Gruppe beschäftigt an mehreren Standorten mehr als 900 Mitarbeiter und setzte voriges Jahr 68 Millionen Euro um. Die Gruppe bildet in sechs Berufen aus, insgesamt beschäftigt sie rund 50 Lehrlinge. Der Firmensitz befindet sich in Opfenbach im Kreis Lindau, wo auch die Speditions- und Umzugssparte beheimatet ist. Schwerpunkte der Spedition sind Nah- und Stückgutverkehre (als Partner der Kooperation CTL), die um Fernverkehrsaktivitäten ergänzt werden. Der am schnellsten wachsende Bereich ist seit Jahren aber die Sparte Lager/Logistik. Was die Möbelspedition angeht, ist das Unternehmen Partner der Kooperation DMS, Geschäftsführer Walter Müller fungiert dort als Aufsichtsratschef. Unter dem Dach von Max Müller sind auch die Firmen Amos Umzüge und Schindlauer Umzüge aus Garching angesiedelt. Die Kontraktlogistik-Töchter Logistik Zentrum Allgäu (LZA) und Matrium Logistic + Procurement bilden mit zusammen fast 650 Mitarbeitern die größte Firmensparte. Bei LZA handelt es sich um ein Joint Venture mit Simon Hegele, hinter Matrium stehen die Gesellschafter LZA mit 51 Prozent und EADS Deutschland mit 49 Prozent. An mehreren Standorten erbringen die Mitarbeiter Logistik- und Mehrwertleistungen. Dafür stehen fast 100.000 Quadratmeter überdachte Hallenfläche zur Verfügung. Die Max Müller-Gruppe ist unter anderem für die Luft- und Raumfahrt- sowie die Motoren- und Elektroindustrie tätig.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Dietmar Hecke

Datum

18. April 2013
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