Spedition Schwarz, Herbrechtingen Zoom

Echtzeit: "Leichenbeschau hat ein Ende"

Die Spedition Schwarz aus Herbrechtingen überwacht ihre Sendungen in Echtzeit mit der Telematik von Trimble und der SAP-Lösung Best4Log-X von Arvato. Sprit sparen ist da nur ein kleiner Teilaspekt.

Die Spedition Schwarz aus Herbrechtingen hat dank dem Car Cube, der Telematikeinheit von Trimble, sowie der SAP-Branchenlösung Best4Log-X von Arvato und Weber Data Service alle Prozesse im Blick. Vor rund zwei Jahren sah das noch anders aus. Also machten sich die Schwaben auf die Suche nach einer neuen Hard- und Software-Lösung.
"Es ist so, wie Prof. Heinz-Leo Dudek auf dem Telematik-Symposium der trans aktuell gesagt hat – zuerst muss man sich überlegen, was für eine Art Lösung man benötigt", sagt Thomas Schwarz, der mit seinem Bruder Hans-Günther die Geschicke des mittelständisches Familienbetriebs lenkt. Für seinen Geschmack gehen da viele etwas zu technisch an die Sache heran. »Wir sind hingegen ganz klar prozessorientiert«, erklärt Schwarz. Viele Daten könne man natürlich im Nachgang auch ohne entsprechende Telematik erheben. "Aber wenn Sie das einen Monat später tun, gleicht das eher einer Leichenbeschau", sagt er.

Technik kann auch beim Thema Spritsparen helfen

Das gilt zum einen für die Prozesse. Schließlich könne man nur dann einen Schadenfall abwenden, wenn die Informationen rechtzeitig vorliegen. Aber auch hinsichtlich des Themas Sprit sparen kann die Technik helfen. "Wobei wir schon vorher mit Fahrerschulungen und Anreizsystemen den Verbrauch stark gesenkt hatten", berichtet der Unternehmer. Das Versprechen der Verbrauchreduzierung im zweistelligen Prozentbereich, das quasi alle Telematik-Anbieter geben, sei zwar nicht realistisch. Dafür erleichtere die Technik es aber, die Fahrweise fairer zu bewerten. Schließlich handelt es sich nicht nur um unterschiedliche Fahrzeugkombinationen, sondern auch um andere Ladungen. Auch die Streckenprofile der Touren unterschieden sich.  Aus diesem Grund hat Arvato eine App für Smartphones und Tablet-PCs entwickelt: die Trucker Bundesliga. Diese Applikation greift auf die Verbrauchs- und Tourendaten von Best4Log-X zu. "Die nutze wir natürlich auch", erzählt Schwarz.

Car Cube von Trimbel unterstützt Mitarbeiter

Im Fahrerhaus unterstützt der Car Cube von Trimble den Mitarbeiter. Die Telematikeinheit zeigt ihm   an, wie effizient er gerade unterwegs ist. Und das unterteilt nach seinem Brems- und Beschleunigungsverhalten, Geschwindigkeit, Drehzahl und Leerlauf. Läuft es nicht optimal, gibt der Car Cube sogar einen akustischen Kommentar dazu ab.
Optisch ist das Ganze ohnehin an der Farbgebung sowie den angegebenen Prozentzahlen zu erkennen. Wobei der Car Cube sich bei jedem neuen Arbeitsbeginn wieder auf 100 Prozent setzt. "Alles andere wäre demotivierend und würde dem Ziel, Sprit zu sparen, entgegenlaufen", erklärt Schwarz. Da die Verbrauchsdaten, die von der FMS-Schnittstelle kommen, nur Hochrechnungen sind, rechnet der Spediteur aber immer den tatsächlichen Verbrauch aus. "Der liegt meist etwas höher", sagt Schwarz.

Doch bei den Logistikern aus Herbrechtingen müssen vor allem die Prozesse stimmen. Mit der SAP-Branchenlösung Best4Log-X sieht sich Thomas Schwarz da gut aufgestellt. "SAP sehe ich ganz klar als Wettbewerbsvorteil", sagt er. Bei Kunden wie Bosch Siemens Hausgeräte oder der Carl Zeiss Gruppe sei eine direkte Anbindung an deren Systeme im Sinne der Prozesssicherheit sozusagen eine Grundvoraussetzung. Selbst eine CO2-Berechnung anhand der Telemetriedaten ist möglich. "ch bin mir sicher, dass wir über kurz oder lang eine Kennzeichnung hinsichtlich der Emissionen bekommen. Ähnlich etwa dem A+ bei Kühlschränken", sagt Schwarz.

Prozesse darstellen plus Dokumentation einzelner Arbeitsschritte

Zurück zu den logistischen Abläufen: Für die Schwarz Spedition muss die Telematik in der Lage sein, die Prozesse entsprechend darzustellen und eine Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte ermöglichen. "Das ist mit dem Car Cube problemlos möglich", sagt Prokurist Oliver Ocker. Dort lassen sich die einzelnen Ereignisse individuell anlegen. Steckt der Mitarbeiter seine Fahrerkarte, erscheint zunächst eine Sprachauswahl. Wobei das System anhand der Karte bereits die Nationalität erkennt. "Insbesondere Tschechisch ist aufgrund unserer Tochtergesellschaft Kareka wichtig", erläutert Ocker.

All diese Eingaben erzeugen Statusmeldungen, die wiederum ins SAP-System fließen. "Bei unserer Wahl war uns daher auch wichtig, dass es eine entsprechende Schnittstelle gibt", sagt Schwarz. Die würden zwar viele Anbieter versprechen, in den meisten Fällen müsste dann aber noch programmiert werden. "Das braucht Zeit und ist auch finanziell bisweilen ein Fass ohne Boden", urteilt Schwarz. Daher habe man sich im Vorfeld von den Anbietern mehrere Referenzkunden geben lassen und sich das Ganze dann bei den Speditionskollegen vor Ort angeschaut. "Das kann ich jedem nur empfehlen, sich die Systeme im Praxiseinsatz anzuschauen", erklärt auch Ocker.

Daten per Car Cube

Im Fall des Car Cubes heißt das, dass der Lkw-Fahrer nach der Sprachauswahl Aufträge angezeigt bekommt, von denen er sich einen auswählen kann. Das Gerät holt sich dann automatisch die Daten aus SAP. Inklusive der Adresse des Empfängers, zu der auf Knopfdruck automatisch die Routenführung gestartet wird. Zunächst muss noch die Nummer der Wechselbrücke eingegeben werden. Wurden Paletten oder Gitterboxen abgegeben beziehungsweise mitgenommen – und wenn ja, wie viele? Die Statusmeldungen Ankunft, Beladen und Beladen zeigen, wann der Fahrer an der Rampe war – und wann er tatsächlich drangekommen ist. Ebenso wird das Umbrücken erfasst oder auch die Info, ob die Sendung bei Be- oder Entladen beschädigt war.
Für die Disposition ist die errechnete Ankunftszeit wichtig. Auch alle erdenklichen Daten zu den Lenk- und Ruhezeiten liefert der Car Cube, der direkt mit dem jeweiligen Digitalen Tachografen verbunden ist. Und das sogar übersichtlich aufbereitet bis hin zur Doppelwoche. So sieht der Fahrer, wann er seine nächste Pause machen muss und wie lange diese dauert. Auch der Disponent kann das sehen. "Doch leider muss der in zwei Abfragen gehen. Denn die errechnete Ankunftszeit des Routenplaners berücksichtigt bislang die Lenk- und Ruhezeiten noch nicht", erklärt Ocker.

Großes Display plus große Tasten erleichtern die Bedienung

Positiv merkt Thomas Schwarz hingegen die intuitive Benutzerführung des Car Cubes an. Das große Display sowie die ebenfalls großen Tasten auf dem Touchdisplay erleichtern die Bedienung. "Dadurch, dass bei Trimble die Soft- und Hardware-Entwicklung in einer Hand ist, bleibt sich das System auch bei neuen Versionen treu. Die Logik bleibt erhalten und die Fahrer müssen nicht jedes Mal umdenken."

Das sei nicht bei allen Anbietern gegeben. Schließlich ist die Telematik eine langfristig angelegte Investition. Das Ausrüsten von 200 der insgesamt rund 250 Lkw von Schwarz und Kareka muss sich letztlich rechnen. "Da ist es wichtig, sich einen Anbieter herauszusuchen, den es in ein paar Jahren noch gibt", urteilt Schwarz. Aber auch Software-Schmieden, die mit wechselnden Geräten verschiedener Hersteller arbeiten, sieht er kritisch.

Positiv überrascht hat ihn Trimble. Zu den Geräten gab's die Schulungen der Fahrer kostenlos dazu – selbst in Tschechien. Die Kombination von Car Cube und Best4Log-X sieht er als Glücksgriff. Denn immerhin läuft das System nun auch schon rund ein Jahr erfolgreich.

Drei Fragen an

Carsten Holtrup, Deutschland-Chef von Trimble.

trans aktuell, Herr Holtrup, warum berücksichtigt das System die Lenk- und Ruhezeiten bei der errechneten Ankunftszeit nicht?

Der Car Cube stellt beide Informationen zur Verfügung. Der Routenplaner liefert die Verkehrsdaten, der Digitale Tachograf weiß um die Restlenkzeit des Fahrers. Nur kann die SAP-Branchenlösung Best4Log-X die Daten noch nicht zusammenführen. Das liegt daran, dass viele Telematikanbieter diese Infos nicht bereitstellen – oder aber auf andere Art. Arvato sucht nach einer Lösung, um allen gerecht zu werden – und nicht nur dem Car Cube.

Wird die Spritersparnis von den Telematikanbietern nicht zu stark beworben?
Ja und nein. Sicher schauen heute alle Lkw-Flotten nach dem Dieselverbrauch. Dennoch erleichtert es der Car Cube, diese Transparenz herzustellen. Mit Anreizsystemen lassen sich dauerhafte Verbrauchreduktionen erreichen. Selbst bei fünf Prozent weniger kommt da bei einer Flotte von 50 Fahrzeugen jeden Monat eine ganz beachtliche Summe zusammen. 

Also doch lieber das Hauptaugenmerk auf die logistischen Prozesse legen?
Ich glaube, dass die Funktionsweise des Car Cube deutlich macht, dass wir eher auf Prozesse setzen. Das zeigt sich nicht nur bei den Möglichkeiten, unseren Festeinbau entsprechend der eigenen Abläufe anzupassen. Auch die Smartphone-App Fleet Xps ist eine Antwort darauf. Denn so lassen sich sogar Mietfahrzeuge oder Subunternehmer in die logistischen Prozesse einbinden.

Portraits

Autor

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Rathmann

Datum

21. Februar 2013
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