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E-Commerce bei Rieck Logistik: Wachsen mit Online

E-Commerce und seine Besonderheiten – Rieck Logistik ist seit 15 Jahren dabei.

Rund 46,90 Milliarden Euro hat der E-Commerce-Handel 2015 umgesetzt, zusammen mit dem Versandhandel macht er inzwischen laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) 11,7 Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens aus. Die Anfänge waren bescheiden: Zum Jahrtausendwechsel war E-Commerce noch etwas Neues, der Anteil am Gesamtumsatz lag mit rund fünf Milliarden D-Mark bei nur 0,67 Prozent. Ganz von Anfang an dabei ist die Rieck Logistik-Gruppe, die bereits 2001 ins E-Commerce-Geschäft einstieg. 

"Das lief auf eher niedrigem Niveau", berichtet Patrick von Oy, Geschäftsführer der Rieck Projekt Kontrakt Logistik Berlin: Der Internethandel selbst steckte noch in den Kinderschuhen, der erfahrene Kontraktlogistiker stellte sein Know-how vor allem kleinen Ebay-Händlern zur Verfügung. 

E-Commerce: Stimmiges Konzept ist wichtig

Vor allem im letzten Jahrzehnt haben sich bereits etliche Speditionen am E-Commerce-Projekt versucht und vielfach auch die Zähne ausgebissen. "Das Konzept dafür muss stimmig sein: IT, Produkt, Personal und Finanzen", verrät von Oy die vier Säulen für ein erfolgreiches Geschäftsmodell auf diesem doch ziemlich speziellen Logistikgebiet.

Er muss es wissen. Denn bevor die Rieck-Gruppe den Experten für Onlinelogistik 2011 holte, um das E-Commerce-Geschäft grundsätzlich neu zu gestalten und auszubauen, hatte von Oy fünf Jahre Erfahrungen auf diesem Gebiet in Industrie und Handel gesammelt. So verantwortete er unter anderem die Logistik für Zalando. 

Inzwischen leitet er gemeinsam mit Antje Engelmann den mit 90 festen Mitarbeitern ausgestatteten eigenen Rieck-Bereich. "Wir haben hier ein Team aufgebaut, das alle Facetten der Branche gut bedienen kann", betont von Oy.

Hohe Investitionen sind nötig

Die Onlinelogistik kann nicht als eine Art Nebenerwerb im Speditionsgeschäft betrieben werden. Um ein solches Projekt zu realisieren, ist eine sechs- bis siebenstellige Investitionssumme notwendig. Denn im Gegensatz zur herkömmlichen Kontraktlogistik – mit der Kommissionierung von Palettenwaren – ist die E-Commerce-Branche völlig anders strukturiert. "Das betrifft alle Prozesse. Es beginnt beim IT-System, geht über das Personal bis hin zu einem völlig anderen Lagerlayout", verdeutlicht der Manager. So mussten die Lagerarbeiter entsprechend umgeschult werden. Teilweise wurden auch neue Fachkräfte eingestellt, die bereits Branchenerfahrungen mitbrachten.

Gegenwärtig betreut Rieck mehr als 40 Kunden am Standort im Berliner Süden. Fast alle Waren dieser Internetanbieter lagern in den Regalen der 17.000 Quadratmeter großen Halle. Dabei hat jedes dieser unzähligen Einzelstücke seinen eindeutigen Barcode, damit der Kunde schließlich auch exakt den bestellten blauen Kugelschreiber oder die gemusterte Unterwäsche in der gewünschten Größe erhält.

Faktisch gibt es im Rieck-Lager vom Kartenspiel über den Kühlschrank bis zum Gartenhaus nahezu alles, was der Internethandel bietet. "Wir arbeiten mit chaotischer Lagerhaltung, aber das IT-System weiß genau, wo was liegt", erläutert von Oy. Ein hochintelligentes Batch-System führt die mit Scannern ausgestatteten Mitarbeiter auf optimierten Wegen durch die Regalreihen, um die eingehenden Aufträge abzuarbeiten. 

Tausende Bestellungen pro Tag

Mehrere Tausend Bestellungen gehen jeden Tag bei Rieck ein. Das sind meist kleine Stückzahlen. An den Verpackungstischen wird darauf geachtet, dass die Kartons für die jeweiligen Paketsendungen möglichst wenig Leerraum enthalten. "Alles, was bis 14 Uhr eingeht, verlässt noch am gleichen Tag unser Haus", versichert von Oy. Rund 80 Prozent der Sendungen treffen dann bereits am nächsten Tag bei den Bestellern aus Deutschland ein.

Sofern der Auftraggeber keinen besonderen Wunsch hat, entscheidet eine spezielle Software, mit welchem KEP-Dienstleister die Sendung verschickt wird. Dabei wird immer der mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis favorisiert. Die meisten Pakete landen in den DHL-Brücken, die zweimal täglich abgeholt werden. Pakete, die für Empfänger in Österreich und der Schweiz bestimmt sind, erhalten gleich die entsprechenden nationalen Postaufkleber. 

Die Rieck-Lkw bringen sie in die jeweiligen Länder, wo sie dann in das Zustellsystem einfließen. Produkte mit mehr als 31 Kilogramm Gewicht sowie besonders sperriges Frachtgut werden über Speditionen zum Kunden geliefert. Diese Transporte übernimmt das Stückgutnetzwerk IDS, dem Rieck seit vielen Jahren als Gesellschafter angehört. Rieck vertritt dieses Netzwerk an den Standorten Dresden, Großbeeren und Rostock.

B2C-Umsatz legt zu

Im Vergleich zu 2010 sei das gegenwärtige Auftragsvolumen um das 50-fache gewachsen, bilanziert von Oy. Zu Beginn dieses Vergleichszeitraumes realisierte Rieck 95 Prozent seiner Leistungen im B2B-Segment. Gegenwärtig erzielt das Unternehmen mit der Onlinelogistik aus dem B2C-Geschäft bereits die Hälfte des Umsatzes. "Der Onlinehandel ist ein stark wachsender Markt. Wir können beides gut und deshalb soll auch alles unter einem Dach bleiben", resümiert der Kontraktlogistiker.

Allerdings ist das mit dem gleichen Dach eher symbolisch gemeint, denn gegenwärtig sucht die Logistik-Gruppe nach einem weiteren geeigneten Standort in Berlin, Großbeeren oder Schönefeld für einen Hallenneubau für seine Onlinelogistik. Damit soll 2017 die Lagerkapazität beachtlich erweitert werden. "Denn wir wollen mit den Kunden wachsen und stellen so die Weichen für die Marktperspektive in den nächsten Jahren", erläutert von Oy. Der E-Commerce-Manager ist überzeugt davon, dass sich das Auftragsvolumen im Onlinehandel in den nächsten Jahren noch weiter deutlich vergrößern wird. "Dafür wollen wir gerüstet sein", betont er.

Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 16/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

Foto

Herbert schadewald

Datum

11. August 2016
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