Planzer Gruppe Zoom

Durch Übernahmen gewachsen: "Volumen ist nicht unser Fokus"

Nicolas Baer und Jürgen Frömberg von der Planzer-Gruppe über den Schweizer Markt und deutsche Kunden.


trans aktuell: Herr Baer, trotz AG und 4.500 Mitarbeitern fühlt sich Planzer als Familienunternehmen – wie das?


Nicolas Baer: Wir sind eine 100-prozentige Familien-AG – die Firma wurde von meinem Urgroßvater gegründet und wird geleitet von meinem Großcousin Nils Planzer in der dritten und meinem Bruder und mir in der vierten Generation. Die Familie ist der Grundwert der Planzer-Gruppe und bestimmt auch den Umgang mit den Mitarbeitern – wir begegnen uns mit Respekt und sind per Du mit allen, vom Praktikanten bis zum Geschäftsführer.


Worin liegen die Unterschiede zu einem deutschen Transportunternehmen?


Baer: Grundsätzlich die Kultur, die vier Landessprachen und die Gesetze. Ein starker Faktor ist für uns in der Schweiz vor allem der Zoll und das Nachtfahrverbot. Dies umgehen wir, indem wir stark auf den Verkehrsträger Schiene setzen. Mit Cargo Domizil haben wir ein System, an dem zehn unserer Filialen angeschlossen sind. Das gibt uns die Möglichkeit, auch in der Nacht operativ tätig zu sein und einen 24-Stunden-Service anbieten zu können.


Wie funktioniert es?


Baer: Bei einem Auftrag von Zürich oder auch Stuttgart nach Genf speisen wir die Paletten bis abends um 20 Uhr in unserem Hub in Zürich-Altstetten ein und verladen sie direkt in die Bahnwaggons. Die Schweizerische Bundesbahn fährt ab 22 Uhr den Zug dann in den SBB-Hub im Raum Egerkingen im Herzen der Schweiz und stellt dort Komplettzüge zu den einzelnen Zielen zusammen. In Genf kommt der Zug gegen 3 Uhr an und wird dann auf Lkw entladen. So können wir problemlos Zustelltermine auch um 8 Uhr gewähren. Pro Nacht befördern wir so 350 Waggons innerhalb der Schweiz.


Und die Kosten? Eigentlich sagt man, dass die Bahn sich gegenüber dem Lkw nicht auf kurzen Strecken rechnet.


Baer: Grundsätzlich ist es nicht unbedingt günstiger. Der zusätzliche Umschlag ist kostenintensiv. Jedoch können die Kosten auf mehr Sendungen verteilt werden und die Auslieferung erfolgt regional.


Jürgen Frömberg: Es gibt dazu keine Alternative, es sei denn, man wollte alles mit 3,5-Tonnern shuttlen. Insgesamt sind die Frachtraten in der Schweiz höher, schon allein wegen der Personalkosten und der LSVA-Abgabe. Die Mautbelastung macht in der Kalkulation fast ein Drittel aus.


Die Planzer-Gruppe ist durch viele Übernahmen in letzter Zeit außergewöhnlich gewachsen. Alles Unternehmen, die keinen Nachfolger gefunden haben?


Baer: Gewissermaßen schon. Wir haben einen hohen Bekanntheitsgrad, sei es durch die Größe, sei es durch unsere Kultur. Da kommen wir für viele infrage, die entweder keinen Nachfolger haben oder sich in einer finanziell schwierigen Situation befinden. Wir sind für Vorschläge grundsätzlich offen, aber wir gehen nicht auf den Markt und suchen.


Wie viele Unternehmen haben Sie denn integriert?


Baer: Seit 2014 zehn Unternehmen – vom Drei-Personen-Betrieb bis zum Unternehmen mit 200 Mitarbeitern. Insgesamt sind wir um rund 600 Mitarbeiter gewachsen.


Darunter waren auch zwei deutsche Firmen – die Maier Spedition aus Singen und das Unternehmen Decker aus Achern. Wie kam es dazu?


Baer: Für den Schweizer Außenhandel ist vor allem Süddeutschland sehr wichtig. Als Dienstleister wollen wir die Schnittstelle zum nahegelegenen Ausland bilden – das ist wirtschaftlich spannend, aber auch kulturell stehen wir Süddeutschland sehr nahe.


Frömberg: Planzer und Maier haben schon lange zusammengearbeitet. Planzer wollte sich internationaler aufstellen und Maier wollte verkaufen. So kam es – nach einem längeren Prozess – zum Kauf. Das Unternehmen Decker haben wir über die Kooperation VTL kennengelernt und hier erfolgte die Übernahme allein aufgrund eines fehlenden Nachfolgers des Firmeninhabers.


Wie haben sich die Unternehmen entwickelt?


Frömberg: Maier haben wir „die Perle vom Bodensee“ genannt, die aber über die Jahre an Glanz verloren hatte. Die Integration hat viel Zeit und Kraft gekostet. Mittlerweile haben wir wieder schwarze Zahlen, sind aber noch nicht ganz da, wo wir sein wollen. Wir werden weiter hart arbeiten und in die Zukunft investieren.


Und Decker?


Frömberg: Mit Decker haben wir einige Synergien, sowohl im operativen wie auch im kaufmännischen Bereich. Und nach den Lernprozessen von Maier konnten wir bei Decker vieles schneller umsetzen. Wir haben beiden Unternehmen aber keine Planzer-Mütze übergestülpt und deren Eigenständigkeit gekappt. Im Gegenteil, wir sind geprägt durch Dezentralität und eine Multi-Brand-Strategie.


Welche Position nehmen die beiden Unternehmen im Planzer-Netz ein?


Frömberg: Mit beiden Unternehmen decken wir ab Deutschland die klassischen Einfallstore in die Schweiz ab: den Raum Basel sowie Zürich und die Ostschweiz. Für die deutschen Kunden bedeutet das im Gegensatz zu früher eine bessere Servicequalität und Netzabdeckung ab der Grenze. Da bei beiden der Schweiz-Verkehr auch vorher Schwerpunkt war, passt das gut.


Mit einer Schweizer Muttergesellschaft im Rücken fällt es wohl nicht schwer, Fahrer zu finden?


Frömberg: Es geht uns ähnlich wie anderen Unternehmen. Bei Maier sind es noch dazu acht Kilometer zur Schweizer Grenze mit einem 30 Prozent höheren Lohnniveau. Wir setzen aber bewusst nicht auf osteuropäische Fahrer und gecharterte Fahrzeuge, sondern bieten unseren Fahrern stattdessen einen guten Arbeitsplatz und vernünftige Fahrzeuge an. Bei Decker haben wir einen sehr hohen Azubi-Anteil von 20 Prozent – das Unternehmen hat einen sehr guten Ruf für seine Ausbildung.


Welche Erfahrungen machen Sie mit alternativen Antrieben?


Baer: Im Vorlauf unseres Zug-angebots setzen wir in Zürich seit zwei Jahren auf einen E-Lkw. Noch fehlen die Erfahrungswerte – er rechnet sich voraussichtlich ab zehn Jahren, aber keiner weiß, ob die Batterien das mitmachen. Außerdem haben wir seit Sommer 2016 im Wallis ein Pilotprojekt mit einem Cargobike laufen: Dabei dient der Anhänger als Hub, von dem der Fahrer sternförmig zu seinen Touren antritt und Pakete zustellt. Das läuft gut, sodass wir das bald auch in Zürich und in Bern testen.


Damit nehmen Sie den KEP-Diensten Anteile ab …


Baer: Wir haben viele Stückgutsendungen, die als Pakete laufen. Aber auch eine Waschmaschine haben wir schon per Cargobike zugestellt. Das Thema E-Commerce wird immer spannender und es ist vorstellbar, dass wir uns auch zur KEP-Sparte öffnen.


Was halten Sie von der Schweizer Initiative Cargo Sous Terrain, die Transporte in ein Tunnelsystem unter die Erde legen will?


Baer: Das halte ich für problematisch. Die erste Strecke ist zwischen Härkingen-Niederbipp und Zürich geplant. Für die Anlieferung des Volumens braucht man aber Platz und bei den derzeitigen Platzverhältnissen in Zürich ist das schwierig.


Gibt es für die Gruppe weitere Wachstumspläne?


Baer: Konkrete Pläne – nein. Man könnte darüber nachdenken, unser Zugsystem in Richtung Singen zu ziehen, das wäre für Stückgut interessant. Aber momentan gibt es keine Pläne für weitere Akquisitionen. Wir wollen keine Global Player werden wie etwa Panalpina oder Kühne+Nagel, die in der Schweiz unsere Partner sind. Das Volumenbusiness ist nicht unser Fokus.


Wo sehen Sie denn noch Verbesserungsmöglichkeiten?


Baer: Allerhand. Wir müssen uns täglich verbessern und weiterentwickeln. Für die Zukunft wollen wir uns noch mehr an Innovationen herantrauen und unsere Schnittstellen zu den Kunden weiterentwickeln


Die Personen

  • Nicolas Baer ist Head of International der Planzer-Gruppe. Er gehört seit 2015 der Planzer-Geschäftsführung und seit 2010 dem Verwaltungsrat an
  • Zuvor war er Geschäftsführer bei Lario Express in Como, Tochterfirma von Planzer Transport Italien
  • Ein Studium der Betriebsökonomie folgte auf eine Ausbildung als Speditionskaufmann bei Panalpina und zwei Jahren Tätigkeit als Projektmanager in Singapur

  • Jürgen Frömberg ist seit 2016 Geschäftsführer der Maier Spedition in Singen und Geschäftsführer von Decker & Co. in Achern
  • Davor war er in leitenden Positionen, etwa bei Post Logistics, einem Tochterunternehmen der Schweizer Post, und der Firma Hangartner
  • Seinen Abschluss als Betriebswirt machte er an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Stuttgart

Das Unternehmen

Planzer wurde 1936 gegründet und 1966 in eine AG umgewandelt. Das Familienunternehmen, das seinen Sitz im schweizerischen Dietikon hat, beschäftigt heute 4.500 Mitarbeiter an 58 Standorten, davon 50 in der Schweiz
Der Geschäftsfokus liegt auf Transport- und Logistikdienstleistungen, die Flotte umfasst 1.350 Lkw: 960 eigene Lkw, der Rest Subunternehmer, die fast ausschließlich für Planzer fahren
Zweitstärkster Bereich ist die Lagerlogistik mit einer Million Quadratmeter Lagerfläche gesamt, gefolgt vom Bereich International sowie der Speziallogistik-Sparte

Ilona Jüngst

Autor

Foto

daniele lupini

Datum

28. Februar 2017
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