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Durch Flexibilität zum Erfolg: Niedrige Preise brachten Biermann das Umdenken

Die niedrigen Preise für Frachten brachten Friedrich Biermann zum Umdenken. Ein Kalkwerk trägt nun zum Erfolg bei.

Noch deutet auf der grünen Wiese bislang nichts darauf hin, dass dort bald reger Warenumschlag zum Alltag gehört. Die Rede ist vom Gewerbepark Ryhern, auf dem die Spedition Friedrich Biermann ein 14.000 Quadratmeter großes Umschlaglager baut, das bereits zum Jahreswechsel in Betrieb geht. Das Gebiet, das zum Wirtschaftsstandort Hamm gehört, liegt unmittelbar an der A 2 und der zukünftigen A 445. Laut Verkehrswegeplan soll die zweite Strecke die Querspange zwischen den West-Ost-Linien A 2, A 44 und A 46 bilden. »Ein optimaler Standort für einen Logistiker«, ist Firmeninhaber Friedrich Biermann überzeugt. Das Familienunternehmen hat daher eine Fläche von rund 34.000 Quadratmetern in dem Gewerbegebiet erworben. Kernstück ist das bereits genannte Lager, das die hohen Anforderungen der Lebensmittelbranche erfüllen soll.  Schließlich bietet das Unternehmen Transporte von temperaturgeführten Gütern von plus 30 bis minus 28 Grad Celsius an. Eigens hierfür gibt es im Fuhrpark entsprechende Doppelstock-Auflieger mit bis zu 66 Stellplätzen. »Da darf das Lager natürlich keinesfalls zum Flaschenhals der Lieferkette werden«, erklärt der 59-Jährige. Wobei das Unternehmen bereits 10.000 Quadratmeter Hallenfläche im etwa 70 Kilometer entfernten Büren, dem Hauptsitz von Biermann, bewirtschaftet. Gemäß der Maxime: »Wo Transport aufhört, machen wir weiter«, bietet die Spedition gleich mehrere Logistikdienstleistungen an. Biermann ist nämlich auch im Bereich Non-Food unterwegs: Dominierten bis Anfang der 90er-Jahre der Transport und Umschlag von Baustoffen und sonstigen Schüttgütern das Firmengeschehen, so ist der Mittelständler heute hauptsächlich für die Lebensmittel- und Getränke-Industrie sowie den Maschinenbau und die Technologiebranche tätig.

Großen Wert legen die Verantwortlichen darauf, alle entscheidenden Qualitätsstandards einzuhalten. Dafür sorgt nicht nur die eigene Werkstatt mit dem entsprechenden Fachpersonal. Als nach eigenen Angaben erstes deutsches Unternehmen setzte die Spedition Biermann in Zusammenarbeit mit der Sachverständigenorganisation Dekra die Zertifizierung aller Getränke-Sattelauflieger nach VDI 2700 um. »Wir waren damit über Jahre hinweg der einzige Getränkelogistiker in Deutschland, der diesen Standard erfüllte«, sagt der Geschäftsführer. Ebenso habe eine Kooperation, erneut mit Dekra, im Bereich der Ladungssicherung im Ergebnis zu den heute europaweit geltenden Vorschriften geführt. Aufgrund der starken Ausrichtung auf den Lebensmittelbereich hat das Unternehmen sich auch hierfür allen Zertifizierungen erfolgreich unterzogen. Aber auch anderweitig zeigen sich die Bürener umtriebig: Der Einsatz moderner Technik, allseits mit dem Begriff Green Telematics umschrieben, gehört auch bei Biermann zum Alltag.

Doch im Bereich des Umweltschutzes geht man dort noch einen Schritt weiter: Im Jahr 2007 baute das Unternehmen eine Ölmühle, um nachwachsende Rohstoffe zu Kraftstoff zu verarbeiten. Die gleichzeitige Inbetriebnahme von drei Blockkraftheizwerken komplettiert diesen Ansatz. Um das Unternehmen auf eine breitere Basis zu stellen, kaufte Friedrich Biermann zwei Jahre nach der Wende in Thüringen ein 180 Hektar großes Kalkvorkommen und sicherte sich das Bergwerksrecht dafür. Die daraufhin gegründete Tochtergesellschaft Kalkwerk Herbsleben Erdenwerk vertreibt seitdem bundesweit hochwertige Düngerkalke sowie verschiedene Erden und Substrate aus eigener Produktion. Mit an Bord ist dabei selbstverständlich auch die Muttergesellschaft, die für alle Dienstleitungen rund um Spedition und Logistik sorgt. »Der zusätzliche Unternehmenszweig befruchtet damit sogar unser eigentliches Kerngeschäft«, erklärt Juniorchef Friedel Biermann. Nicht weiter verwunderlich: Das Kalkwerk beteiligt sich an dem EU-Projekt Green Concrete, bei dem es um die Schotterterrassen aus Recycling-Baustoffen geht. Also eine Oberflächenbefestigung für gelegentliche Verkehrsbelastungen – und zwar ohne den Boden zu versiegeln. »Die Entscheidung, uns breiter aufzustellen, ist der negativen Preisentwicklung im Transportsektor geschuldet«, sagt der 28-jährige Betriebswirt der Fachrichtung Spedition, Transport und Logistik. Das erweiterte Geschäftsfeld und die sich ergebenden Synergien bilden seiner Ansicht nach das Erfolgsrezept des Mittelständlers. Sobald das Logistikzentrum im Gewerbepark Ryhern steht, ergeben sich sicher weitere Vorteile – über die bloße Nutzung des neuen Standorts hinaus.

Das Unternehmen
Den Grundstein des Unternehmens legte Friedrich Biermann, der Vater des heutigen Inhabers, im Jahr 1947. Damals erwarb er seine erste Zugmaschine, einen Normag-Holzvergaser und siedelte sich in Rüthen-Oestereiden an. Durch den unvermittelten Tod des damals 51-jährigen Firmengründers übernahm sein gleichnamiger Sohn das Unternehmen. Der 21-Jährige befand sich gerade im dritten Ausbildungsjahr und musste plötzlich Verantwortung übernehmen. Trotz diesen Einschnitts ging es aber kontinuierlich aufwärts. Aufgrund des Wachstums verlegte das Unternehmen seinen Firmensitz Mitte der 80er-Jahre nach Büren. Im dortigen Industriegebiet West entstand auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern ein Verwaltungsgebäude mit Lagerflächen und einer eigenen Werkstatt. Weitere Lagerhallen folgten im Laufe der Zeit. Im Sommer 2009 übernahm Friedrich Biermann eine kleinere Spedition aus Hamm und sicherte damit zehn Arbeitsplätze. Neuer­licher Indikator für das Unternehmenswachstum ist der Neubau im Gewerbepark Ryhern. Dort sollen 50 neue Stellen entstehen.

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Datum

15. März 2011
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