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Duisport: Weitere Marktanteile gewinnen

Fast 200 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete der Duisburger Hafen im vergangenen Jahr.  Duisport-Chef Erich Staake berichtet über das Potenzial, aber auch die Schwierigkeiten des Standorts.

Der Duisburger Hafen, der im kommenden Jahr 300 Jahre alt wird, will auch 2015 zweistellig wachsen: Für das Containergeschäft werden derzeit zwei weitere Containerbrücken gebaut und im Logport IV in Kamp-Lintford hat die Vermarktung weiterer Logistikflächen begonnen. Auch im Kombinierten Verkehr in die Türkei, wohin es ab Duisburg inzwischen 15 Abfahrten pro Woche gibt, will die Hafengesellschaft zulegen und denkt über einen Trockenhafen nach. Direkt vor der Haustüre kämpft das Unternehmen jedoch mit Infrastrukturproblemen, wie Duisport-Vorstand Erich Staake im Gespräch mit trans aktuell-Redakteurin Ilona Jüngst berichtete. Ein Verkehrslenkungsprojekt soll Abhilfe schaffen.

trans aktuell: Herr Staake, eines der am häufigsten diskutierten Themen derzeit ist die Infrastruktur. Der Duisburger Hafen arbeitet mit allen Verkehrsträgern zusammen – wo sehen Sie die größten Schwachstellen?

Staake: Eindeutig bei der A 40. Die Erreichbarkeit der Terminals  – und zwar on time –
ist inzwischen ein Riesenproblem. Völlig klar, wenn eine so wichtige Magistrale eingeschränkt ist. Und das beeinflusst die gesamte Transportkette – ob zu den Seehäfen oder im Hinterlandverkehr, egal ob per Schiff oder Schiene.

Wie lautet Ihre Lösung?

Wir versuchen alles, um das beherrschbar zu machen. Erst kürzlich haben wir ein Verkehrslenkungskonzept vorgestellt, das wir zusammen mit Siemens entwickelt haben, um hier Abhilfe zu schaffen. Wir versuchen zudem, die ausländischen Lkw-Fahrer, die die deutsche Sprache nicht gut beherrschen und nach Duisburg kommen, frühzeitig mit Flugblättern zu informieren, sich nicht nur auf ihre Navigationssysteme zu verlassen. Also viele kleine Maßnahmen.

Müssen Sie also Maßnahmen ergreifen, die eigentlich Sache des Landes wären?

Das würde ich nicht sagen. Unser NRW-Verkehrsminister Michael Groschek hat im Falle der A 40 das einzig Richtige getan und viele verschiedene Personen zusammengeholt. Er hat eine konzertierte Aktion gestartet, in der sich jeder einbringen kann. Natürlich könnte ich mich hinstellen und über die Versäumnisse der Vergangenheit philosophieren, etwa über die zu wenigen Investitionen in die Infrastruktur. Aber das hilft niemandem. Das Letzte, was wir jetzt brauchen können, ist, den Logistikstandort Deutschland schlechtzureden.

Auch die Karl-Lehr-Brücke wird immer wieder als Hindernis genannt.

Die Karl-Lehr-Brücke ist ein spezifischer Bau in Ruhrort, dessen Brückenzug erneuert werden muss. Den ersten Teil hat man mit viel Verspätung jetzt abgeschlossen. Beim zweiten Teil kann sich die Stadt so etwas nicht mehr erlauben. Deswegen werden wir der Stadt helfen, dass so etwas nicht mehr passiert.

Wie sind Sie mit der Schieneninfrastruktur zufrieden?

Wir haben bereits vor 15 Jahren damit angefangen, Hunderte Millionen Euro in die Netze und die Infrastruktur unseres Terminalbereichs zu investieren. Da sind wir exzellent aufgestellt. Bei den großen Strecken haben wir tatsächlich Bedarf, vor allem auf der Rheintrasse in Baden-Württemberg. Aber bei Tausenden von Einwendungen der Anrainer wird das kein leichtes Unterfangen.  Nichtsdestoweniger sind der Bund und DB Netz gefordert, hier etwas zu tun.

Vor zwei Jahren haben Sie für 2015 eine Container-umschlagkapazität von fünf Millionen TEU prognostiziert. Gelingt Ihnen das?

Wir sind in den letzten Umsetzungen, die im Jahr 2014 angekündigte Erweiterung auf fünf Millionen TEU zu realisieren. Für das laufende Jahr werden wir zwischen 3,6 und 3,8 Mio. TEU umschlagen. Man muss immer 20 bis 30 Prozent an Mehrkapazität anbieten können, weil sich das ja auch auf die Terminals verteilt. Bei uns sind das neun Terminals,  die ihren Kunden die entsprechenden Kapazitäten anbieten wollen. Deswegen haben wir den Ausbau im vergangenen Jahr in Gang gesetzt und wollen ihn im laufenden Jahr abschließen. Wir haben 2014 zwar in absoluten Zahlen weniger investiert, aber das wollen wir dieses Jahr nachholen.

... unter anderem mit dem Aufbau zweier weiterer Containerbrücken.

Wir sind im Zeitraum 2008 bis 2014 um bis zu 80 Prozent im Containerumschlag gewachsen, während unsere Wettbewerber etwa am Niederrhein mehr oder weniger stagnierten. Die Zahlen sprechen für sich – wir haben enorme Marktanteile gewonnen. In der Gesamtleistung haben wir fast 200 Millionen Euro erreicht, die Rendite gesteigert, unseren Mitarbeiterstamm vergrößert – wir konnten also die richtigen Weichen für ein Wachstum in der Zukunft stellen.

Und wie läuft’s beim Kombinierten Verkehr?

Hier liegt unser Hauptaugenmerk natürlich auf Schiff und Schiene, damit verdienen wir Geld, darauf konzentrieren wir auch unsere Investitionen. Eine unserer Maßnahmen war, dass wir uns an Distrirail beteiligt haben, dem wichtigen Operateur aus dem Hafen Rotterdam. Bei den maritimen Containern liegt das größte Wachstumspotenzial. Wir sind nicht zuletzt auch deshalb so stark gewachsen, weil wir kontinentales Aufkommen auf das Schiff und die Schiene gebracht haben. Allein für die Schiene haben wir in unserem Netzwerk europaweit 80 Destinationen und auch Verbindungen nach China.

Momentan hat es der Kombinierte Verkehr unter anderem wegen der geringen Dieselpreise nicht leicht bei den Verladern …

Damit leben wir immer. Ich hoffe, dass die Verlader nachhaltig agieren und entsprechend handeln. Leider trifft man immer wieder Versand- oder Logistikleiter, die denken, sie müssten beim Preis das Momentum des Augenblickes nutzen. Unsere Partner, vor allem aus der Automobilindustrie, sind da anders. Sie denken nachhaltig und wechseln nicht von einem Verkehrsträger auf den anderen, nur weil dort kurzfristige Kostenvorteile realisiert werden können. Es kann immer wieder weitere Belastungen geben. Auch der Ölpreis kann in einem Jahr wieder bei 80 Dollar liegen. Ein konstruktives Verhältnis auf Augenhöhe zwischen Verlader und Dienstleister wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert. Aber ich will ausdrücklich betonen, dass der ganze große Teil der Verladerschaft so agiert und man mit ihm gute Lösungen finden kann.

Ist der Preisdruck die größte Herausforderung für Duisport?

Ja. In einigen Branchen machen es sich die Verlader sehr einfach, nach dem Motto »im Einkauf liegt der Segen«, unabhängig von der Leistung. Und am Ende des Tages wundern sie sich, dass die Lieferkette nicht funktioniert.

Auf was richten Sie sich mittelfristig ein?

Wir von Duisport richten uns auf ein gemäßigtes, aber stabiles Wachstum ein. Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten sind im Containerumschlag vorbei – wenn Europa nochmals ein Jahr mit fünfprozentigem Wachstum hat, dann ist das schon gut. Ich rechne eher im Schnitt mit zwei bis vier Prozent. Wir wollen immer überdurchschnittlich wachsen, den Anspruch haben wir, und versuchen, weitere Marktanteile zu gewinnen.

Auch durch die Expansion der Geschäfte außerhalb der Region?

Das ist unsere Gesamtkonzeption: Einmal die Konzentration auf die Region, wo wir neue Flächen entwickeln und diese Fläche in einem Hub-and-Spoke-System an den Hafen anbinden. Zum anderen die Internationalisierung – wir begleiten unsere Kunden und ihre Warenströme vom Produktionsland bis zur Verteilung hier in Europa. Da wollen wir in Duisburg an der Wertschöpfung partizipieren. Das gilt umgekehrt natürlich auch für die Volumina, die hier produziert werden. 

Sie sind seit 17 Jahren Chef im Duisburger Hafen. Was macht für Sie den Job so interessant?

Ein hohes Maß an Gestaltungsmöglichkeit. Ich bin in meinem Selbstverständnis immer Unternehmer gewesen. Ein Unternehmer will gestalten, neue Dinge entwickeln. Dafür braucht man ein bisschen Risikobewusstsein, Mut, aber auch verständnisvolle Aktionäre. Auf die bin ich immer getroffen.

Zur Person

Erich Staake ist seit 1998 Vorstandsvorsitzender des Duisburger Hafens (Duis­port) und Vorsitzender der Geschäftsführung mehrerer Tochtergesellschaften. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren belgischer Honorarkonsul. Der Diplom-Kaufmann war nach seinem Studium als Manager unter anderem bei Preussag, Bertelsmann, Philipp Holzmann und Wella tätig.

Den Verkehr steuern

Duisport und der Technologiekonzern Siemens wollen bei Verkehrslenkungskonzepten künftig verstärkt zusammenarbeiten. Als Pilotprojekt soll die Lkw-Zulaufsteuerung Integrated Truck Guidance (ITG) von Siemens schrittweise im Duisburger Hafen eingeführt werden. Das System erfasst nach Duisport-Angaben die Lkw-Daten und anonymisiert diese Informationen. Gebündelt mit regionalen Echtzeit-Verkehrsdaten wie etwa Reisezeiten, Verkehrslagen sowie -störungen werden die Informationen an mobile Endgeräte sowie LED-Verkehrsinfo-Schilder gespielt. In einem weiteren Schritt soll das Duisburger Pilotprojekt zusammen mit den ansässigen Kunden auf andere Verkehrsträger wie Bahn und Binnenschiff ausgeweitet werden.

Ilona Jüngst

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Duisport

Datum

21. Mai 2015
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