Alles über Goodyear Driving Ahead
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Foto: Goodyear

Driving Ahead

Status Quo der letzten Meile

Das Zukunftsforum Driving Ahead geht in die nächste Runde. Im Fokus: Die Herausforderungen für die Logistik auf der letzten Meile.

Hierzu lud der Reifenhersteller Goodyear und trans aktuell unlängst Akteure der Zusteller- und Transportbranche in das Goodyear-Logistikzentrum Philippsburg ein, um die  Herausforderungen für die Logistik auf der „letzten Meile“, zu diskutieren. Dabei standen der mögliche Einfluss neuer Technologien auf die Logistik der Zukunft im Fokus des Diskurses, aber auch alternative Fahrzeugkonzepte wie Mitnahmestapler, neue Logistikansätze zur Entlastung der Innenstädte und die Rolle des Fahrers und seine Weiterentwicklung hin zu einem „Last-Mile-Manager“.

Fahrer als Opfer eines Zielkonflikts

Mit Blick auf den Fahrer stellten alle Forumsteilnehmer unisono fest, dass der Ruf der Fahrer und Zusteller, die die Ware an private oder gewerbliche Kunden ausliefern, verheerend sei. „Auf dem Rücken der Fahrer wird ein gesellschaftlicher Zielkonflikt ausgetragen“, resümiert Klaus Roeser, Geschäftsführer der Paul Schockemöhle Logistics. Die Spedition mit Sitz in Mühlen bei Oldenburg liefert unter anderem Bausätze für Gartenhäuser an Privathaushalte. Nach Ansicht Roesers wachse der Kundenanspruch an die Transportdienstleistung enorm. Einerseits solle eine Bestellung – ungeachtet von Fahrverboten und Umweltzonen - umgehend bis zur Türschwelle geliefert werden. Andererseits wolle niemand ein damit einhergehendes, erhöhtes Verkehrsaufkommen, Lärm und Emissionen in Kauf nehmen.  „Anstatt den Fahrer zum Sündenbock eines ungelösten Zielkonflikts zu machen, muss der Konflikt erkannt und öffentlich diskutiert werden“, fordert Geschäftsführer Roeser.  Nur so ließen sich auch politisch die richtigen Weichen stellen.

Transportvolumen für die KEP-Dienste steigen

Sebastian Haßler, Geschäftsführer des Paketdienstes Interkep kann Roeser mit Blick auf die Rolle des Zustellers nur zustimmen. „Der Zusteller ist die einzige direkte Schnittstelle zum Empfänger“, bringt es Haßler auf den Punkt. Seiner Meinung nach werde sich das Transportvolumen für die KEP-Dienste auf der letzten Meile in den nächsten zehn Jahren sogar verdoppeln, deshalb hält Haßler den Fachkräftemangel auch vor für ein zentrales Zukunftsthema der Branche. „Um auch steigende Volumina weiterhin bewältigen zu können, müssen wir stärker differenzieren“, sagt Haßler. Seiner Meinung nach gelte es in Zukunft zu unterscheiden, welche Transporte lediglich ein Fahrer brauchen und bei welchen Routen und Produkten man einen Fachmann einsetzen muss, der das Produkt kennt, und gegebenenfalls auch eine Montageleistung erbringt. Deshalb habe man bei Paul Schokemöhle Logistics die Fahrer zu sogenannten ‚Last-Mile-Managern‘ ausgebildet, bekräftigt Geschäftsführer Roeser seinen Kollegen.  Hierbei handele es sich um gut geschulte, kommunikative und motivierte Mitarbeiter, die sowohl das Transportunternehmen und als auch den Hersteller der Gartenhäuser repräsentieren.

In Personal investieren, nicht in Drohnen

Die MMK Frachtdienste reagiere nach Angaben von Michael Mlynarczyk, Gesellschafter und Geschäftsführer auf den Fachkräftemangel in der Branche mit einem neuen Geschäftsbereich. Dort habe man 2015 die „KEP-Task-Force“ ins Leben gerufen. Diese besteht aus Fahrern, die bundesweit in die Depots entsendet werden in denen ein personeller Engpass herrscht  – für viele Paketdienste die letzte Möglichkeit, ihr Sendungsvolumen zu bewältigen. Dennoch bemängelt Mlynarczyk, dass die Branche zu wenig in gutes Personal investiert. Anstatt Millionen Euro in zukunftsferne Zustell-Szenarien wie Drohnen oder Roboter zu pumpen, solle lieber in die Ausbildung und angemessene Entlohnung der Menschen investiert werden. „Wir müssen anfangen, darüber nachzudenken, wer das Auto fährt – anstatt zu erforschen, wie das Auto selbst fahren kann“, fordert der Unternehmer. Dabei gehe die Wertschätzung des Menschen mit der Wertschätzung der von ihm erbrachten Dienstleistung einher.

Technische Lösungen für den urbanen Raum

Obwohl der Mensch beim Transport auf der letzten Meile eine entscheidende Rolle spielt, geht es nicht ohne die richtige Technik.  Hierzu zählen clevere Fahrzeugkonzepte, weiß Torsten Zimmermann, Vertriebsleiter der GHP Spedition-Lagerei GmbH mit Sitz im sächsischen Nossen. Das Unternehmen hat sich auf die Anlieferung von Dämmmaterialien für die Sanierung von Altbauten unter anderem in der Berliner Innenstadt spezialisiert. Um diesen schwierigen Transportweg nicht mit einem 40-Tonner zurücklegen zu müssen, entladen die Fahrer von GHP die Fahrzeuge mit sogenannten Motorwagenstaplern, die sie mit einem „Hook-on-System“ variabel am Zugfahrzeug oder auch am Anhänger anbringen können. In der Regel werde der Anhänger bei Anlieferung vor der Stadt abgekoppelt. „So müssen die Fahrer nicht mit über 20 Meter langen Zügen durch die enge Innenstadt manövrieren, sondern steuern nur noch 12 Meter lange Fahrzeuge“, erklärt Zimmermann. Weitere Vorteile: Die Fahrer benötigen weniger Parkfläche für die Entladung und die Unfallgefahr verringert sich. Doch Zimmermann wünscht sich neben innovativen Fahrzeugkonzepten aber auch innovative Logistiklösungen. Hier sieht er die Kommunen in der Pflicht: „Um die Innenstädte zu entlasten, muss die Politik Konzepte zur Bündelung des Güterverkehrs schaffen. Zusteller könnten zum Beispiel die verschiedenen Baumaterialien zu einem zentralen Lager vor der Stadt bringen, vom dem aus die Baustelle mit allen Materialien in nur einer Lieferung bedient wird“, so Zimmermann‘s Lösungsansatz.

Warenströme müssen gebündelt werden

Dass Warenströme noch stärker gebündelt werden, wünscht sich auch Wolfgang Schneckenreither, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Schneckenreither aus Österreich. Als Transporteur für Pkw- und Lkw-Reifen zu Händlern transportiert, seien die unterschiedlichen Fahrverbote – wie zum Beispiel durch die deutsche Abgasplakette und die Diskussion um Fahrverbote auf der Inntalautobahn - die größte Herausforderung. „Nur mit einer guten Infrastruktur kann man den Herausforderungen des zunehmenden Verkehrs begegnen“, prognostiziert Schneckenreither. Seiner Meinung nach werden vor allem Güterverteilzentren weiter an Bedeutung gewinnen. „Dies führt zu einer besseren Auslastung der Lkw und die Wirtschaftlichkeit und das Servicelevel der Transportdienstleistung steigen“, so Schneckenreither. Solche Zentren gebe es bereits in Graz und Linz.

Mircohubs als urbane Verteilzentren

Auch der KEP-Experte Haßler setzt auf eine Bündelung der Warenströme, etwa im Bereich der Quartierlogistik. „Die Lieferungen der verschiedenen Paketdienste werden in einem City Depot gesammelt. Ein Zustelldienst bringt sie am Wunschtermin gebündelt zum Kunden“, erklärt er. Für seine Cargobike-Flotte verfolgt Haßler ein ähnliches Konzept: Kleine Zwischenlager, sogenannte Microhubs, werden von einem Transporter mit Sendungen versorgt, die mit den Cargobikes anschließend weiterverteilt werden.

Politik ist in der Pflicht

Nach Ansicht des Panels bedarf es allerdings der Unterstützung durch die Politik, um innovative Logistikideen erfolgreich umzusetzen. „Kommunen müssen Räume zur Verfügung stellen, die als Umschlagplatz dienen“, fordert Mlynarczyk. Denn seiner Ansicht nach sei es nicht nur die Aufgabe der Zusteller den Transportweg auf der letzten Meile sicherzustellen. Für eine zukunftsfähige, urbane Logistik müssen seiner Meinung nach Kommunen, Handel und Hersteller der auszuliefernden Produkte gemeinsam an Lösungen arbeiten. Mit Blick auf die rasanten Veränderungen in der Branche, die nicht zuletzt von modernen Technologien wie dem 3D-Druck katalysiert werden, bemerkt Haßler abschließend: „Um einen sexy Job zu haben, muss ich heute nicht mehr bei Google oder Apple arbeiten!“ Wenn die sogenannte additive Fertigung von mehr Industrien und vielleichte auch einmal von Privathaushalten genutzt wird, werden dem Kunden künftig nicht mehr haptische Produkte geliefert, sondern Daten elektronisch übermittelt. Eine Zustellung auf der letzten Meile würde in diesem Fall entfallen. Deshalb sei der Erfolg der Transportbranche in Zukunft davon abhängig, inwieweit Transporteure eine Mehrwertdienstleistung anbieten kann.

Mehr zur Expertenrunde Driving Ahead von Goodyear und trans aktuell erfahren Sie hier.

Knut Zimmer

Autor

Datum

31. Juli 2017
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