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dm-Drogeriemarkt: Wertvolle Logistik

Schon lange Branchenprimus beim Wachstum, legt der Drogeriefilialist dm durch die Schlecker-Insolvenz nochmals zu. Die Expansion gelingt aber nur, wenn auch die Belieferung der Filialen funktioniert.

"Wertschätzung und Wertschöpfung" gehören im Logistikkonzept von dm-Drogeriemarkt zusammen. Ein Bespiel dafür ist die Standortwahl für das neue Verteilzentrum für Baby- und Kindertextilien: Der alte Standort in Karlsruhe platzte aus allen Nähten. Statt aber auf der grünen Wiese, suchte das Unternehmen für den Neubau bewusst eine Fläche innerhalb der Stadtgrenzen – damit die Mitarbeiter weiter problemlos zu ihrem Arbeitsplatz gelangen.

Mehr als 1.300 Filialen in Deutschland

Der Ansatz ist angesichts des Wachstumstempos von dm umso bemerkenswerter. Mehr als 1.300 Filialen betreibt dm allein in Deutschland – derzeit. Im Vergleich zum Vorjahr wird dm am Jahresende 2012 mit 100 Filialen mehr da stehen. Dazu kommen die neun Schlecker- und Ihr-Platz-Objekte, die dm im Rahmen der Schlecker-Insolvenz übernommen hat. Außerdem zeigen die Karlsruher Interesse an weiteren 60 bis 80 Ihr-Platz-Filialen. "Logistisch ließen sich die Märkte sofort integrieren, eine Umstellung auf unser Ladenbild können wir zeitnah vollziehen", sagt Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung. Für die nächsten Monate erwartet er eine weitere Wanderbewegung bei den Kunden und deshalb nochmals eine Steigerung des dm-Marktanteils bei den Drogeriewaren in Deutschland.

Bei einer solchen Expansionsstrategie muss auch die Logistik passen. "Bei diesem Wachstum ist die ständige Herausforderung, das Netzwerk auch leistungsfähig weiterzuentwickeln", sagt Christian Bodi, als dm-Geschäftsführer verantwortlich für den Bereich Logistik. Wie bei dm für Geschäftsführer üblich, hat auch er zudem Verantwortung für eine Verkaufsregion.

Segmentierung als Voraussetzung für Wachstum

Damit auch die Logistik mit den Ansprüchen wachsen kann, bedient sich das Unternehmen der Segmentierung: Es gibt mehrere Logistikstandorte, auf die die Artikel abhängig von Kriterien wie Wertigkeit, Absatz und Volumen verteilt sind. Was etwa großvolumig ist oder in großen Mengen verkauft wird, lagert nahe an den Märkten, um die Transportkosten niedrig zu halten.

Das Gros der Artikel wird von den beiden großen Verteilzentren Weilerswist bei Köln und Waghäusel bei Karlsruhe distribuiert, in denen zusammen 2.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Hier werden jeweils 4.800 Artikel vorgehalten. Hinzu kommen ein Kleinteileverteilzentrum mit rund 7.200 Artikeln, in dem etwa dekorative Kosmetik und Kleinstmengen bevorratet werden, sowie ein Saisonverteilzentrum für Saisonartikel für Weihnachten und Ostern.  Die genannten Standorte kommen täglich zusammen auf etwa 1,3 Millionen gepickte Einheiten.

Das Textil-Verteilzentrum in Karlsruhe, von dem aus rund 990 der 1.300 dm-Filialen  mit Baby- und Kleinkindbekleidung beliefert werden, ist der neueste Standort. Er verfügt über 1.200 Palettenstellplätze plus 4.900 Reserveplätze. Etwa 40 Paletten mit Ware kommen pro Tag an, werden im Wareneingang zwischengepuffert und dann in chaotischer Ordnung gelagert.

Multi-Order-Picking-System spart Zeit

"Die Textilien werden in einem Multi-Order-Picking-System auf Stückebene kommissioniert", erklärt Alexander Fiedler, Abteilungsleiter im Bereich Textillogistik, "so können bis zu sechs Aufträge gleichzeitig bearbeitet werden."  Danach kommen die Aufträge in die Verpackungsstraße und werden anschließend per Paketdienstleister an die Filialen verteilt.  Zwischen 600 und 700 Pakete macht das pro Tag.

Für die Distribution werden die Sendungen in 17 regionalen Umschlagverteilzentren konsolidiert, die darüber hinaus auch Ganzpaletten von Schnelldrehern vorrätig haben. In vier zusätzlichen Volumen-Verteilzentren wird Großvolumiges wie etwa Windeln und Haushaltspapier gelagert und kommissioniert.

Die Logistikstandorte erhalten ihre Ware mehrheitlich frei Haus. Allerdings übernimmt dm in einigen Fällen über seinen Logistikpartner DHL auch die Beschaffungslogistik. "Das machen wir nicht grundsätzlich", sagt Bodi, "sondern nur, wenn es die Möglichkeiten zu einer sinnvollen Sammelbelieferung gibt."

Disposition der Filialen erfolgt automatisch

Um die Versorgung der Filialen zu gewährleisten, setzt dm auf eine automatisierte Filialdisposition: Dafür werden Daten aus dem Kassensystem über die verkauften Artikel sowie Daten zur Verkaufshistorie herangezogen und eine Prognose über den möglichen Abverkauf erstellt. Dies wird durch Informationen zu Feiertagen oder Sonderaktionen zu einem automatischen Bestellvorschlag für die Filiale ergänzt. Die Bestellung wird dann in den Verteilzentren bedarfsgerecht kommissioniert. "Denn was wir im Verteilzentrum vorher erledigen, reduziert den Aufwand für die Filialen", sagt Bodi, "so können wir die  Erstverräumung auf hohem Niveau halten."

Ebenso angepasst ist die Filialbelieferung selber: Bei einer Ladenlage in der Innenstadt mit Zufahrtsbeschränkung bringt der Dienstleister die Paletten im Rahmen des erlaubten Zeitfensters. Oder er stellt sie per Nachtanlieferung in ein Nachtlager zu. Aus diesem ziehen die Filialmitarbeiter dann morgens die Ware. "Hier prüfen wir ständig Möglichkeiten für eine Flexibilisierung, um unseren Logistikpartnern dispositive Freiräume zu erarbeiten", erklärt Bodi.

Täglich verlassen 8.000 Paletten die Verteilzen­tren

Die Transportdienstleister sieht Bodi dabei als sehr wichtige Partner an. Auch, weil immer wieder Projektarbeiten anstehen, schließt dm grundsätzlich Verträge mit einer längeren Laufzeit. "Somit können wir immer wieder ein Feintuning in der operativen Arbeit vornehmen und auch strukturelle und übergeordnete Themen angehen", sagt Bodi. Etwa die Themen Frequenzierung oder Standort- und Artikelverteilung sowie Palettenmanagement.

"Gemeinsam mit unserem Dienstleister haben wir etwa überlegt, wie wir die Anzahl der Paletten und damit auch die Anzahl der Transporte reduzieren können", erklärt der Logistikverantwortliche. Denn täglich verlassen weit über  8.000 Paletten die Verteilzen­tren.  Die Lösung: Die Mitarbeiter lernten, die Paletten besser zu bepacken. Ergebnis dieses "Turmbaus" ist laut Bodi eine Reduzierung um 70.000 Paletten oder 2.300 Lkw-Transporte in zwei Jahren.

Das Thema Nachhaltigkeit hat bei dm einen besonderen Stellenwert. "Wir haben auch Szenarien zum Lang-Lkw geprüft, denn vor allem in den Hauptläufen wäre das für uns interessant", sagt der Logistik-Geschäftsführer. "Zudem stoßen wir mit unseren Ladungen selten an Gewichtsgrenzen, sondern sind eher von der Restriktion der Palettenplätze betroffen." Weil der Feldversuch jetzt aber einem Flickenteppich gleiche, habe man von einer Teilnahme abgesehen. "Darüber hinaus prüfen wir ständig etwa die Optimierung der Transportauslastung, die Nutzung von alternativen Antrieben oder von neuen Transportgefäßen", erklärt Bodi.  Für dm, sagt Bodi, sei die Nachhaltigkeit ein Gesamtthema für alle – und auch ein Kriterium für die Bewertung der Qualität eines Dienstleisters.

Das Unternehmen

dm-Drogeriemarkt hat seinen Sitz in Karlsruhe und beschäftigt europaweit etwa 40.000 Mitarbeiter. In Deutschland hat das Unternehmen mehr als 1.300 Filialen. Noch mal so viele betreibt es aufgeteilt auf die Länder Österreich, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Slowenien. Im Geschäftshalbjahr 2011/2012 erwirtschaftete dm europaweit einen Umsatz von 3,33 Milliarden, davon 2,47 Milliarden in Deutschland. Das Sortiment von dm umfasst insgesamt 12.500 Artikel.

Ilona Jüngst

Autor

Foto

Wolfgang Schmidt

Datum

4. Juli 2012
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