Alles über Tag der Logistik
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Foto: Ann-Christin Wimber

Diskussion über Straßenbau und Hilfspolizei

Schwerlast-Logistik in Schleswig-Holstein

Am Tag der Logistik machte Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, den Auftakt bei der Veranstaltung unter dem Titel "Von der Produktion zum fertigen Produkt".

Im Mittelpunkt: die Schwerlast-Logistik. Er wisse, dass "Verlässlichkeit und Flexibilität der Schlüssel" für die Branche sei. Das gelte es auch in der Infrastruktur sowie in den bürokratischen Abläufen wie bei Genehmigungsverfahren für Schwerlast und Großraumtransporte abzubilden.

Ausbau der A 20 wichtiges Thema


Dabei betonte Nägele im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf vor allem, dass die schleswig-holsteinische Landesregierung weiter für den Ausbau der A 20 kämpfen werde. Mit Blick auf die Verzögerungen gab er sich kämpferisch: "Wir schaffen das – Stück für Stück." Unterschwellig vertröstete Nägele die rund 200 anwesenden Branchenvertreter. Er sei sich anderen Infrastrukturproblemen bewusst – etwa der Ausbau der A 23 und der B 5. Jedoch sei sein Ministerium auch für die Bürger da und für diese seien diese Projekte nicht akut. "Die Bedürfnisse der Branche sind andere als die der Bevölkerung", meinte Nägele. "Wir müssen für alle etwas tun." Aber er versprach  den Anwesenden "spannende neue Projekte". So wolle sein Haus künftig bei der Planung und Entwicklung Logistikunternehmen mehr einbeziehen. 

Klagen über die Infrastruktur


In Bezug auf die Infrastruktur klangen die Stimmen aus der Branche jedoch weniger positiv. So berichteten sowohl Karsten Penner, Leiter des Max Bögl-Fertigungswerk Osterrönfeld, als auch Andreas Düser, Niederlassungsleiter Nord bei Multilift, von massiven Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Schwertransporten.

Bei Bögl bedeutet der Transport der Betonsegmente für den Bau von Windkraftanlagen oft, nicht den direkten Weg fahren zu können. So versuchen die Fahrer immer, umgehend zur Autobahn zu kommen und dann so nahe wie möglich an eine Baustelle heranzukommen, doch insbesondere im Norden sei dies oft nicht so einfach.
"Kurzfristig eingerichtete Baustellen tauchen zum Teil nicht auf den offiziellen Internetportalen auf", beschreibt Penner die Problematik. "Auch die Autobahnmeistereien wissen aufgrund der nicht mehr notwendigen Meldepflicht oft nicht über Baustellen Bescheid." Hinzu komme die dünne Personaldecke bei der Polizei, die die Schwerlastverkehre begleiten muss.

Weiterfahrt um mehrere Tage verzögert


Düser berichtet, dass die Transporte seiner Firma – einer Kooperation von mehreren Groß- und Schwerlasttransportunternehmen – schon mal mehrere Tage auf die Weiterfahrt warten musste – bei Kosten für die Standzeit eines Krans von 5.500 Euro pro Tag. "Dabei leidet natürlich auch die Verlässlichkeit gegenüber dem Kunden", betonen sowohl Penner als auch Düser. Zwar sei die jetzt anvisierte Begleitung durch sogenannte Hilfspolizisten eine "gute Lösung". Allerdings hätten diese nicht die Befugnis für die Begleitung auf allen Strecken, bemängelt Günter Scharfschwerdt, Disponent bei Bögl, während der Veranstaltung.

Live-Vorführung: Beladung eines Tiefladers


Live wurde am Tag der Logistik im Fertigungswerk Österrönfeld die Beladung eines Tiefladers mit einem Betonelement gezeigt. Dabei erläuterte Scharfschwerdt nicht nur, wie das Fahrzeug auf die richtigen Maße eingestellt wird und dann mit dem von der Firma Bögl selbst entwickelten Travellift beladen wird. Er erklärte auch, dass Genehmigungsverfahren nun acht bis zwölf anstatt vormals vier bis acht Wochen dauern würden. Die genehmigte Strecke zum nächsten Projekt in Eutin – mit dem Pkw rund 70 Kilometer entfernt – bedeutet laut dem Disponenten für den Lkw eine Distanz von 200 Kilometern.


Am selben Tag debattierte der Bundesrat über einen Antrag von Schleswig-Holsteins Minister für Inneres und Bundesangelegenheiten, Stefan Studt, zur Entlastung der Polizei. Künftig soll privaten Dienstleistern diese Aufgabe übertragen werden können, da die Anfragen zur Begleitung extrem gestiegen seien. Waren es in 2006 noch 3.457 Transporte, gab es in 2015 bereits 13.746 Begleitanforderungen. "Das ist ein Anstieg an Einsätzen, der für die ohnehin stark beanspruchte Polizei eine immense zusätzliche Belastung darstellt", erklärte Studt. Der Bundesrat hat eine entsprechende Stellungnahme abgegeben; diese muss nun noch in den Gesetzgebungsprozess zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes berücksichtigt werden.

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Datum

3. Mai 2016
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