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Direktverkehr: Verbindung zwischen Ruhrgebiet und Sibirien

Stückgut: Die in Gelsenkirchen beheimatete Spedition Loxx bietet seit diesem Monat vier neue Linie an. Die Direktverkehre verbinden das Ruhrgebiet mit dem tiefsten Sibirien.  

Vor den insgesamt 35 Zollposten in Moskau bilden sich lange Schlangen. Die Fahrer, meist selbst Osteuropäer, nehmen es gelassen. Das liegt in ihrem Naturell. Ganz anders die Verlader. »Die sind aus nachvollziehbaren Gründen weniger entspannt. Schließlich ist Zeit immer auch Geld«, sagt Loxx-Geschäftsführer Günter Weber. Zumal es durchaus sein kann, dass bei zehn Ladungen auf einem Lkw drei verschiedene Zollstellen zuständig sind. »Vermutet der Zoll dann noch eine Unregelmäßigkeit, bleibt das Fahrzeug mit seiner Ladung bis zur endgültigen Klärung stehen«, erklärt Weber. Da gehen schnell fünf Tage, mitunter sogar mehr als eine Woche ins Land. Malt man sich nun aus, dass hinter jeder  Sendung ein verärgerter Kunde steht, liegt die Idee des Gelsenkirchener Spediteurs auf der Hand: Stückgutverkehre im Direktverkehr. 

Die gab es zwar bislang auch schon – kamen aber eher zufällig und demzufolge unregelmäßig zustande. Dabei ist Deutschland der wichtigste Außenhandelspartner der Russischen Föderation.  »Loxx bietet nun feste Abfahrts- und Liefertermine an«, sagt Weber. Die Subunternehmer fahren immer freitags von Gelsenkirchen aus los. Ein Zwischenstopp gibt’s jeweils im polnischen Warschau, wo Loxx einen Umschlagpunkt hat. Dort nehmen die Fahrer weitere Ladungen aus mitteleuropäischen Ländern wie der Schweiz, Frankreich oder Italien auf. »Und dies zu Preisen, wie sie direkt aus diesen Ländern sonst nicht zu realisieren wären«, sagt Weber. Beilader aus Großbritannien oder Spanien bringen ihr Frachtgut hingegen zur Zentrale nach Gelsenkirchen. Nach dem Stopp in Warschau geht die Fahrt dann statt zum überlaufenen Zollposten in der russischen Hauptstadt montags weiter in eine der sibirischen Zielstationen: Perm, Ekaterinburg, Nowosibirsk oder Kemorovo – und zwar je ein Lkw pro Destination. Noch in diesem Monat sollen Omsk, Barnaul und Krasnojarsk folgen. Den Vorteil dieses Konzepts erläutert Günter Weber: »Auf diese Weise werden alle Sendungen an nur einen Zollposten zugestellt. Da die Abfertigung in der Nähe der Empfänger erfolgt, können diese bei Problemen gemeinsam mit dem Spediteur und dem Frachtführer beim Zoll erscheinen und zu einer schnellen Lösung beitragen. Selbst wenn sich eine Sendung als klärungsbedürftig entpuppt und ins Zolllager kommt – alle anderen Sendungen gehen nach der Verzollung ohne weitere Verzögerung raus.« Durch diesen Kunstgriff spart Loxx einiges an Zeit: Eine marktübliche Lieferung von Gelsenkirchen via Moskau nach Perm dauert, ohne größere Verzögerungen beim Zoll, rund 14 Tage. Die neue Linie realisiert das ganze in acht bis zwölf Tagen. Bei optimalen Bedingungen realisierte Loxx die Sendung sogar schon in fünf Tagen. Gemäß der Prämisse »Zeit ist Geld« sind die Stückgutverkehre damit deutlich günstiger: Für eine Sendung von bis zu 250 Kilogramm, für die bislang rund 700 Euro fällig waren, bezahlt der Kunde nun nur noch etwa 300 Euro. Zudem muss er nicht auf ein Angebot warten sondern bekommt sofort bei Anfrage einen Listenpreis genannt.  Piotr Tschbanevitch fährt die rund 6.000 Kilometer zwischen Deutschland und seinem Heimatort Kemorovo seit acht Jahren hin und her – und dies elfmal im Jahr. »Die Straßen in Deutschland sind viel besser als bei uns. Es ist eine Wohltat auf ihnen zu arbeiten«, meint der Angestellte der russischen Spedition Autotransport Dwa, die als Subunternehmer von Loxx fungiert. Denn obwohl Lenk- und Ruhezeiten in Sibirien keine Rolle spielen, bekommt er dort gerade einmal 450 Kilometer pro Tag auf seinen Tacho. In Deutschland hingegen sind es rund 200 Kilometer mehr. »Wobei sich in meiner Heimat in den letzten zwei Jahren viel in Sachen Straßenbau getan hat«, räumt er ein. Dennoch geht es im Hinterland bisweilen über Stock und Stein. Ein Nadelöhr für ihn – wie auch für seine Kollegen – sind jedoch nach wie vor die Grenzen. Mit sieben Stunden  ist die innereuropäische Grenze nach Polen kein Grund zur Klage. Wer aber bei Smolensk nach Weißrussland möchte, der wartet durchschnittlich zwei Tage, bis er seine Fahrt fortsetzen kann. Etwa 1.300 Lkw passieren diese Grenzstelle täglich.  »Da müssen die Fahrer viel Geduld mitbringen. Eine Tugend, die die Asiaten glücklicherweise mitbringen«, sagt Weber.  Unterwegs sind die Fahrer übrigens alleine. Einerseits eine Mentalitätsfrage, andererseits kann aufgrund der Witterungs- und Straßenverhältnisse ohnehin nur bei Tageslicht gefahren werden. »Zur Sicherheit übernachte ich in Russland nur auf videoüberwachten Parkplätzen«, sagt Tschbanevitch. 

150 Rubel, etwa vier Euro, pro Nacht sei ihm seine Sicherheit schließlich allemal wert. In Deutschland wiederum treibt ihn weniger die Angst vor Überfällen um, als vielmehr die Sorge, nicht rechtzeitig einen freien Stellplatz zu finden. Denn auch für den Russen gelten die hiesigen Lenk- und Ruhezeiten. »Schon deshalb müssen unsere Partnerunternehmen vor Ort auf dem neuesten Stand der Technik sein«, erklärt Weber. Apropos Technik: Im Fall der Fälle baut Piotr Tschbanevitch zur Not selbst am Motor oder Getriebe herum.  Im Nirgendwo lässt sich schließlich kein gelber Engel rufen. Der »Notruf« per Mobiltelefon dient da nur der Planung der Disponenten. »In diesen Gefilden sind die Fahrer auf sich allein gestellt. Reine Lkw-Lenker haben da keine Zukunft«, erklärt der Loxx-Geschäftsführer. Die Stückgutladungen sind ein lukratives Geschäft, nicht zuletzt dank Kunden wie BASF oder Procter and Gamble, die in Russland Niederlassungen unterhalten. Die Rückladung ist übrigens Sache von Autotransport Dwa. Da die Subunternehmer aber jeweils ein Heimspiel haben, ist das kein Problem. Zurück zu Piotr Tschbanevitch: Für ihn bedeutet die Strecke Freiheit und Abenteuer. Seit Anfang des Monats nun eben im Linienverkehr für Loxx. Darüber, dass er sich nicht mehr in die langen Warteschlangen in Moskau einreihen muss, ist er trotz aller Gemütsruhe froh.

Das Unternehmen
Loxx ist seit mehr als 30 Jahren als Dienstleister in den Bereichen Spedition und Logistik tätig. Das Unternehmen wurde 1977 gegründet, hat seinen Hauptsitz aber mittlerweile nach Gelsenkirchen verlegt. Die Speditionsgruppe beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter in sieben Gesellschaften in sechs europäischen Wirtschaftszentren. Eine Vielzahl an Muttersprachlern unterstreicht und erleichtert die internationale Ausrichtung von Loxx. Zu den Kernkompetenzen der Gelsenkirchener, die keine eigenen Fahrzeuge unterhalten, zählen: Beschaffungs- und Distributionslogistik im europäischen Netzwerk Ladungsverkehre und Stückgutverkehre per Lkw innerhalb von Europa, Kleinasien sowie Zentralasien Bahnverkehre Schwer- und Übermaßtransporte bis hin zur Verlagerung von kompletten Industrieanlagen Gesamtsegment der Kontraktlogistik und Aktionslogistik

Portraits

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Datum

6. April 2011
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