VDO, Stoneridge Zoom

Digitaler Tachograf: Wettrüsten geht weiter

Mit immer neuen Ideen tricksen Betrüger den Digitacho aus. Behörden sowie Hersteller setzen daher auf immer ausgefeiltere Geräte. Die EU bereitet eine neue Verordnung vor.

Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Findige Kriminelle tun immer wieder einen Weg auf, um die Lenk- und Ruhezeiten zu manipulieren. Sei es, indem sie mit Fahrerkarten tricksen oder aber den sogenanntes Kitas-Sensor mittels eines Magneten außer Betrieb setzen.

Betrug hat Auswirkungen auf die Fahrsicherheit

Da dieser Betrug zudem enorme Auswirkungen auf die Elektronik und damit auf die Fahrsicherheit hat, trat die EU-Verordnung 1266/2009 in Kraft. So ist beim Kauf eines neuen Nutzfahrzeugs ein Digitaler Tachograf Pflicht, der ein zweites Geschwindigkeitssignal integriert. Das erste kommt vom Kitas-Sensor. Sowohl bei VDO Continental (DTCO 2.0) als auch beim schwedischen Hersteller Stoneridge (SE5000 Exakt Duo) kommt das zweite Signal vom ABS-Sensor. So hat es der Gesetzgeber vorgeschrieben. Und dies seit dem 1. Dezember 2012 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge mit Digitalem Tachografen. Eine Nachrüstpflicht für den bereits vorhandenen Fuhrpark gibt es nicht.

Aber auch der Kitas-Sensor kommt in der Neuauflage verbessert daher. So kann dieser kleinere Magnete aussteuern. Der Manipulationsversuch wird dabei gespeichert. Kann der Kitas die Magnetwellen nicht mehr aussteuern, schaltet er auf das ABS als Geschwindigkeitsgeber um. Einen entsprechenden Vermerk des Betrugsversuchs gibt es selbstverständlich auch hier.

Noch sind die neuen Geräte aber in der Unterzahl, Magnete also in den meisten Fällen noch ein probates Mittel zur Manipulation. Immer wieder erreichen die Redaktion FERNFAHRER, die Schwester-Zeitschrift der trans aktuell, Hilferufe von Fahrern, denen der Einsatz von unlauteren Mitteln buchstäblich vorgeschrieben wird.

Werkstätten helfen Betrügern

Noch mehr kriminelle Energie legen eigens darauf spezialisierte Werkstätten an den Tag: Sie rüsten die Fahrzeuge beispielsweise mit einem doppeltem Kitas-Geber aus oder setzen zwischen den Digitacho und die zentrale Lkw-Steuereinheit die Platine eines analogen Tachos. Damit kann man selbst die Notlaufeigenschaft von Mercedes und Iveco umgehen, die sich ansonsten bei unplausiblen Geschwindigkeitssignalen  aktiviert.

"Werkstätten sind ein sensibles Thema", räumt Timo Kube ein, der bei Stoneridge in Süddeutschland  verantwortlich für die Bereiche Vertrieb und Marketing ist. Deshalb kontrolliere der Stoneridge-Dienstleistungspartner Motometer regelmäßig die Vertragswerkstätten. "Es gibt sogar ein Qualitätssicherungs-Handbuch, nach dem verfahren werden muss", erklärt Kube. Eklatante Probleme habe man bislang allerdings noch nicht gehabt. Sollte dies allerdings einmal der Fall sein, werde der entsprechenden Werkstatt sofort die Lizenz entzogen. 

Tatsache ist jedoch, dass es seitens der Europäischen Kommission Bestrebungen gibt, weitreichende Werkstatttests vorzunehmen. Soll heißen, dass die staatlichen Kontrolleure unangemeldet vorbeikommen und die Digitachos prüfen. Stellen sie dabei Unregelmäßigkeiten fest, kann dies je nach Art des Verstoßes erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Magnete kommen immer seltener zum Einsatz

Seitens der Hersteller gibt man sich diesbezüglich etwas bedeckter: Lediglich Ralf Bosch, strategischer Leiter bei VDO, hatte in einer früheren Veranstaltung schon mal angedeutet, dass es zunehmend in Werkstätten zu Manipulationen kommt während Magnete eigentlich immer seltener zum Einsatz kommen. Leider war bis zum Redaktionsschluss kein aktuellerer Stand von VDO zu bekommen.

Laut Stoneridge-Rechtsexperte Arne Lohage, sind seitens der EU die nächsten Änderungen in der Pipeline. "In den nächsten Monaten wird eine neue Verordnung für den Digiatlen Tachografen verabschiedet", sagt er. Einer der Hauptpunkte sei es, die Sicherheit zu erhöhen und die Möglichkeiten einer Manipulation zu verringern.

Manipulation hinterlässt Spuren

Tatsache ist allerdings – darin sind sich alle Experten einig – dass eine Manipulation immer möglich ist. Nur hinterlässt sie auch Spuren. Darauf verweist Maik Schlote, Marketing-Verantwortlicher bei Nordsys. Die Software-Experten aus Braunschweig haben unter anderem eine Lösung entwickelt, Analysesoftware zur Auswertung von Daten aus dem EU-Kontrollgerät. Die Software untersucht systematisch sowohl Fahrer- als auch Fahrzeugdatensätze nach Unstimmigkeiten. Wie das genau funktioniert will man aber aus verständlichen Gründen nicht preisgeben.

Noch zugeknöpfter zeigt man sich bei Kienzle Automotive, dem "Erfinder des Tachografen". Der dortige technische Leiter für den Bereich Fahrzeug Roland Hölker wollte sich jedenfalls nicht zu Innovationen beim Kitas-Sensor äußern.  Wobei der für nichts anders als "Kienzle intelligenter Tacho Sensor" steht.  beim Wettrüsten lässt sich eben niemand gerne in die Karten schauen.

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Stoneridge, VDO

Datum

20. März 2013
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Prof. Dr.-Ing. Heinz-Leo Dudek, Experte für Telematik Heinz-Leo Dudek Telematik
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