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Trailer-EBS-Modul: Mehr als nur bremsen

Der Bremsfunktion der elektronischen Bremssteuerung (EBS) ergeht es vielleicht irgendwann wie der Telefonfunktion im mobilen Multimediagerät – sie ist selbstverständlich, aber nicht der Grund, warum Trailerhersteller ein Produkt dem anderen vorziehen. Kunden erwarten zusätzliche Funktionen zu den Standards wie dem Antiblockiersystem (ABS) und der Antriebsschlupfregelung (ASR).

EBS-Module im Anhänger bringen schon jetzt Funktionen mit, die über reine Bremsvorgänge hinausgehen. "Das EBS steuert heute auch andere Komponenten", sagt der Teamleiter Konstruktion und Entwicklung Systeme beim Trailerhersteller Kögel, Robert Falk. So überwacht das Modul mittels Sensoren den Abstand zwischen Achsen und Aufbau. Verändert sich die Lastverteilung des Aufliegers durch Be- und Entladen, reagiert das EBS-Modul darauf und passt die Drücke in den Luftfederbälgen entsprechend an. Technisch ist das kein Problem. "Man kann immer irgendwelche Eingänge mit irgendwelchen Ausgängen verknüpfen", erklärt Versuchsingenieur Uwe Kaiser von Knorr-Bremse. Für die Niveauregulierung gehen im EBS-Modul Sensorsignale ein. Das Modul gibt dann bei Bedarf ein Signal an die Luftfeder­bälge aus.

Schmitz Cargobull (SCB) verbaut dieses System unter dem Namen Load Spread Program (LSP). Die Niveauregulierung bietet neben der korrekten Lastverteilung auch bessere Kurvenfahreigenschaften des Trailers und vereinfacht das Einparken und Rangieren. Bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h entlastet die Elektronik dazu die dritte Achse. Der Kurvenradius verringert sich und schont die Reifen. Unter dem Namen Dynamic Wheel Control (DWC) verkauft Krone ein vergleichbares System.

Trailerhersteller kaufen fertige Systeme

Bei den EBS-Modulen handelt es sich immer um Teile von Zulieferern wie Wabco, Knorr-Bremse oder Haldex. Trailerhersteller kaufen fertige Systeme und binden diese in ihre Anhänger ein. Gelegentlich gibt es Kooperationen, bei denen Trailerhersteller mit den Systementwicklern gemeinsam Ideen umsetzen. Dann können die Anhängerproduzenten meist für sechs Monate oder ein Jahr auch das Produkt exklusiv verkaufen. "Wir bieten Innovationen an und wenn ein Hersteller Interesse hat, auch exklusiv", bestätigt Dieter Hartmann, Entwicklungsingenieur bei Knorr-Bremse.

Das Roll Stability Program (RSP) von SCB ist ein ­Beispiel dafür. 2002 bezog der Trailerhersteller RSP für etwa drei Monate exklusiv von Knorr-Bremse und baute es serienmäßig in Trailer ein. Nach einem Vierteljahr stand das Knorr-Bremse-Produkt auch anderen Trailerproduzenten zur Verfügung. Die hatten sich zwischenzeitlich mit dem Konkurrenzprodukt von Wabco beholfen, hier RSS genannt, das etwa zeitgleich zum RSP von Knorr-Bremse auf den Markt kam.

RSP verhindert das Umkippen des Trailers

RSP ist eine integrierte Zusatzfunktion auf dem EBS-Modul, die nicht unabhängig von den Bremsen arbeitet. "Wenn dieses System regelt, sind wir im Grenzbereich. Dann droht das Fahrzeug zu kippen", sagt Kögel-Mann Falk. Kögel arbeitet seit Jahren mit dem Wabco-System. RSP verhindere im Rahmen der physikalischen Grenzen das Umkippen des Trailers, erklärt Falk. Kommt der Trailer in einen Grenzbereich, bremst ihn RSP automatisch und unabhängig vom Motorwagen ab. So streckt sich das Fahrzeug und wird stabilisiert.

Neben RSP arbeiten auch andere Zusatzfunktionen mit den Bremsen zusammen. Soft Docking von Haldex ist eine Rampenanfahrhilfe, die den Lkw bei einer Distanz von einem Meter zur Laderampe abbremst. Direkt an der Rampe kommt das Fahrzeug dann zum Stillstand. Zusätzlich sendet das System akustische Signale aus und lässt eine Warnleuchte blinken. Eingangsgröße bei Soft Docking sind die Daten von zwei Ultraschallsensoren.

Trailer bewegt sich nur, wenn der Code stimmt

Auch zur Sicherung von stehenden Fahrzeugen gibt es Funktionen der Systemhersteller. Wabco nutzt am stehenden Trailer die Bremsen zur Sicherung des Fahrzeugs. Durch Eingabe eines PIN schließen diese. Nur bei erneuter Eingabe des korrekten Codes lässt sich der Trailer wieder bewegen. Manipulationsversuche straft das Fahrzeug mit einem Alarm ab.

Und was ist – abseits der Serienfunktionen – mit speziellen Kundenwünschen? Vieles sei möglich, sagt Versuchsingenieur Kaiser. "Wir haben viele festverdrahtete Funktionen." Trotzdem wolle Knorr-Bremse auf Kundenwünsche reagieren können, erläutert Kaiser. Speziell dafür gibt es die sogenannte Auxilliary Design Language (ADL). Kunden definieren ihre Anforderungen beim technischen Vertrieb. Dort prüfen Softwareexperten zunächst, ob die Wünsche machbar sind. Das jeweilige Programm entstehe dann in ADL, sagt Kaiser. Die fertige Software auf die EBS aufspielen sei wie das Aufspielen einer App aufs Mobiltelefon, erklärt Kaiser.

Einige Programme können Lkw-Fahrer selbst bedienen

Manche der Standardfunktionen, aber auch spezielle Programme können Lkw-Fahrer unterwegs selbst bedienen. Dafür haben Wabco, Knorr-Bremse und Haldex jeweils eigene Bedienelemente entworfen. Dort können die Fahrer unter anderem den Druck für die Luftfederbälge vorgeben oder eben die Bremsen eines stehenden Anhängers schließen.

Die Möglichkeiten, die das EBS-Modul bereithält, sind umfangreich. Anforderungen einzelner Kunden sind damit realisierbar. Aber auch die Arbeiten an den Standard- und Zusatzfunktionen gehen weiter. Es hat den Anschein, als bleibe die Bremsfunktion dabei noch lange im Mittelpunkt der Entwicklungen.

Wie Knorr-Bremse das elektronische Bremssystem in Nordschweden testet, das Lesen Sie in dem Artikel "Knorr-Bremse testet in Schweden" auf diesem Portal.

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Kögel

Datum

8. März 2012
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