Spedition Kellershohn Zoom

Spedition Kellershohn : Fliegende Untermieter auf dem Speditionshof

Um ihrem guten Ruf gerecht zu werden, setzt die Spedition Kellershohn aus Lindlar auf ein vielfältiges Engagement. Das hilft nicht nur Belegschaft und Umwelt, sondern auch der Spedition selbst – bei der Mitarbeitersuche.

Der Mensch und die Umwelt stehen im Mittelpunkt unseres gesamten Handelns«, lautet der Leitspruch der Spedition Willi Kellershohn. Mit diesem zukunftsgewandten Profil ist das Kleinunternehmen mit 21 Beschäftigten zum ersten Vorzeigebetrieb des Modellprojekts IPL geworden. IPL steht für Intelligentes Personalmanagement für die Logistikbranche NRW. Es hat zum Ziel, über Speditionen und Logistikunternehmen zu berichten, die angesichts der Herausforderung demografischer Wandel besonders nachhaltig und erfolgreich Personalentwicklung betreiben. Dabei will das Unternehmen nach innen und außen wirken.

Gesundheitsförderung für die Beschäftigten

Besonderes Augenmerk legt Firmenchef Willi Kellershohn dabei auf die Gesundheitsförderung seiner Beschäftigten, vor allem jener mit hohen Belastungen gerade im operativen Bereich. Damit auch Berufskraftfahrer und Lagermitarbeiter möglichst lange gesund und dem Betrieb als Arbeitskraft erhalten bleiben, hat er eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, wie Seminare zur Rückenschule, Schlafapnoe und gesunder Ernährung. Im Rahmen des Prämiensystems wird präventives Verhalten etwa zur Rauchentwöhnung gefördert. Den Jahresbeitrag für das Fitnessstudio zahlt der Arbeitgeber, sobald die Mitarbeiter regelmäßig (einmal wöchentlich) hingehen.

Zu den neuesten Projekten gehört eine Hörbuch-Bibliothek für die Mitarbeiter. Neben spannenden Geschichten gibt es autogenes Training, Infos über den Sekundenschlaf und mehr. Gemeinsam mit der Universität Dresden läuft ein Projekt "Mobile Learning" für die Berufskraftfahrer-Qualifizierung. Nötig sei das eigentlich nicht mehr, denn die Fahrer seien bereits alle geschult, sagt der Chef. "Mir war klar, dass es zum Ende hin eng wird", sagt Kellershohn.

Die Mitarbeiter fühlen sich offensichtlich wohl im Unternehmen. Die Fluktuation ist gering, fünf Fahrer sind seit mindestens 20 Jahren für Kellershohn unterwegs. "Deren Erfahrung ist unschlagbar", lobt der Geschäftsführer. Sein Urgroßvater Wilhelm gründete 1894 den Betrieb mit Pferden statt Zugmaschinen.

Grüne Logistik

Ein gutes Image als moderner und verantwortungsvoller Arbeitgeber ist enorm wichtig, weiß der Unternehmer. Besonders im Speditionsgewerbe, das noch immer mit Ressentiments zu kämpfen hat. Wer gute Leute gewinnen und halten will, muss sie überzeugen können. Dazu gehört für den Vater von zwei fast erwachsenen Kindern neben dem Engagement für die Mitarbeiter auch jenes für Umwelt und Gesellschaft. "Grüne Logistik ist mehr als nur Euro 5", sagt der Unternehmer. "Was hinterlasse ich meinen Kindern?", fragte er sich zur Geburt der Tochter 1994. Seitdem ist die Ökologie selbstverständlicher Teil der Firmenphilosophie. Als sein Sohn zur Welt kam, ließ er sich die Wortmarke "Logistik mit Menschen und Umwelt" eintragen. Man tut, was man kann: Der Strom kommt vom Dach (mehr als gebraucht wird), der Fuhrpark ist schadstoffarm, der CO2-Ausstoß wird auf den Kundenrechnungen ausgewiesen und mit My Climate neutralisiert, abends wird der Hauptstrom abgedreht, damit auch die Stand-by-Schalter nichts verbrauchen, Bewegungsmelder knipsen in der Lager­halle das Licht an und wieder aus. Vermeiden ist immer noch die beste Strategie.  

Für ihr ökologisches Engage­ment wurde die Spedition 2009 mit dem europäischen Umweltpreis "Eco Performance Award" des Tankkartendienstleisters DKV Euro-Service ausgezeichnet. Den Ausschlag gab damals die konsequent ökologische Ausrichtung des Unternehmens. Kellershohn setzte Fahrzeuge mit geringem Schadstoffausstoß ein, minimierte Leerfahrten, steigerte die  Mitarbeiter-Motivation durch Einführung eines Prämiensystems und richtete sein Unternehmen nach einem neuen Motto aus: "Logistik für Mensch und Umwelt."

Unterm Vordach der Lagerhalle nisten Vögel

Vier Jahre später piept es bei den Lindlarern ganz gewaltig: Unterm Vordach einer sechs Meter hohen Lagerhalle nisten Vögel. Kohlmeisen hüpfen über das Gelände, Schwalben fliegen die Halle an und manche verschwinden darin, ohne sich am Betrieb der Spedition zu stören.  "Mit dem Gedanken, den Vögeln einen richtigen Unterschlupf zu bieten, entstand ein Projekt zwischen unseren jungen Praktikantinnen und dem Naturschutzbund (Nabu) Oberberg", berichtet Geschäftsführer Willi Kellershohn.

"Gemeinsam wollten wir Vögeln Nisthilfen bieten, um ihre Artenvielfalt zu
sichern", sagt er weiter. Diplom-Biologe Stefan Heitmann vom Naturschutzbund Oberberg weiß, dass Vögel wie Sperlinge und Mauersegler Kulturfolger sind. Sie seien lernfähig und merkten sehr schnell, dass von gleichbleibenden, sich wiederholenden Ereignissen wie in einer Spedition keine Gefahr ausgeht. In einer ersten Aktion Mitte Juni befestigten Mitarbeiter von Nabu und Spedition mithilfe einer langen Leiter zehn Nistkästen unter der Dachkante der Lagerhalle. Sie dienen nun als Brutplatz für Nischen- und Kolonienbrüter. Angebracht wurden spezielle Kästen für Nischenbrüter wie Rotkehlchen, Mauersegler und Sperlinge. Letztere haben mehrere Kammern, da Sperlinge gerne in Gemeinschaft ihrer Artgenossen brüten. Auf Steckbriefen können alle Mitarbeiter nachlesen, wer über ihren Köpfen trällert und zwitschert. Anfang Juli folgen noch mehrere Doppelnester für Mehlschwalben.

Die Nistkästen müssen sauber gemacht werden

Saubermachen muss man eventuell die Nistkästen von Nischenbrütern wie Hausrotschwänzchen und Bachstelzen. Dafür greifen die Mitglieder des Nabu-Arbeitskreises "Aktiver Vogelschutz" den Lkw-Profis unter die Arme. Obwohl die Brutsaison in diesem Jahr schon beendet ist, erwartet Biologe Heitmann für nächstes Jahr Besuch von kleinen Piepmätzen bei Sperlings- und Nischenbrüterkästen. "Wir freuen uns bereits jetzt darauf und sind gespannt auf die vielen kleinen Untermieter unserer Spedition", sagen die Praktikantinnen Sophie Zens, Samira Hentschel und Svenja Kellershohn.

Bei den Mauerseglern wird es laut Heitmann noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die neuen Wohnstuben besetzt sind, da Mauersegler standorttreu sind und nur die Jungvögel sich neue Nistgelegenheiten suchen. Sinnvoll ist die Maßnahme aber allemal: Da viele Nistplätze heute durch Gebäudesanierungen verloren gehen, musste der Mauersegler kürzlich auf die Vorwarnliste der "Roten Liste" gefährdeter Brutvögel gesetzt werden, teilt der Naturschutzbund Deutschland mit.

Portrait

Autor

Foto

Kellershohn, Naturfoto

Datum

26. Juli 2012
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