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Die Pläne des neuen Spartenchefs Lingemann: Agility baut Aktivitäten im Landverkehr aus

Der Logistikdienstleister Agility stärkt sein Landverkehrsgeschäft in Europa. Der neue Spartenverantwortliche Arne Lingemann stellt seine Pläne vor.

Der Logistikdienstleister Agility will seine Schlagkraft im europäischen Landverkehr deutlich erhöhen. Rund 900.000 Sendungen wickelt das Unternehmen jährlich mit seinen Lkw-Aktivitäten bereits ab. Die Marke von einer Million ist in Sichtweite.

Der Logistikdienstleister Agility will seine Schlagkraft im Landverkehr deutlich erhöhen. In dem Bereich stärkere Impulse zu setzen, ist nicht zuletzt die Mission von Arne Lingemann. Er ist – wie er selbst sagt – der "erste Beleg" dafür, dass der Ausbau des Landverkehrs kein Lippenbekenntnis ist: Der Konzern hat die Funktion des Managing Directors für den europäischen Landverkehr neu geschaffen. Lingemann hat sie seit Januar inne. Damit gibt der in Kuwait gegründete Konzern mit Logistikzentrale im schweizerischen Baar (Kanton Zug) ein klares Statement ab, dass er es mit seinen Plänen ernst meint.

Lingemann: Bei Agility ist der Landverkehr Teil der DNA

"Der Landverkehr ist bei uns nicht das oftmals ungeliebte Stiefkind, sondern bewegt sich auf Augenhöhe mit den anderen Sparten im Unternehmen", sagt Lingemann im Gespräch mit der Fachzeitschrift trans aktuell. Er sieht seinen neuen Arbeitgeber mit Blick auf die Lkw-Aktivitäten bereits gut aufgestellt und will diese Kompetenz nun gezielt ausbauen. "Bei Agility ist der Landverkehr Teil der DNA", betont der 47-Jährige. Immerhin war der Landverkehr auch das Steckenpferd der Speditionen Lassen und Lep, die Agility im Rahmen ihrer europäischen Expansion erworben und mit der ebenfalls übernommenen US-Firma Geo­lo­gis­tics verschmolzen haben.

Innerhalb des Konzerns mit seinen weltweit mehr als 22.000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern ist der europäische Landverkehr trotzdem noch überschaubar. "Wir sind mit rund 400 Mitarbeitern im Bereich Road Freight in Europa ein agiler Mittelständler", sagt Lingemann unter Anspielung auf den Firmennamen. Die Agilität, die der Name ausdrückt, ist für ihn Programm.

Agility ist durch Zukäufe stark gewachsen

Doch trotz der Kompetenz im Landverkehr ist nicht jedem Verlader bewusst, dass Agility in diesem Bereich tätig ist. Das dürfte auch daran liegen, dass das durch Zukäufe gewachsene Unternehmen erst seit zehn Jahren unter dem Namen Agility in Europa firmiert. "Wir wollen die Wahrnehmung am Markt erhöhen und hier in Zukunft noch größere Akzente setzen", kündigt Arne Lingemann an.

Dieses Engagement soll auch in den Zahlen zum Ausdruck kommen: Agility strebt eine Umsatzrendite an, die über dem Branchendurchschnitt liegt. Wie hoch sie zurzeit ist, behält Lingemann für sich. Er umschreibt es mit den Worten: "Der Landverkehr macht uns heute schon Spaß, er soll uns künftig aber noch größeren Spaß machen." Knapp 900.000 Landverkehrssendungen wickelt der Logistikdienstleister jährlich in Europa ab. Damit rückt die magische Marke von einer Million näher. Lingemann hält es für machbar, diese in den nächsten Jahren zu knacken.

Lingemann mit 30 Jahren Erfahrung im Landverkehr

Die selbstbewusste Prognose kommt nicht von ungefähr. Dem Manager ist das Terrain, auf dem er sich bewegt, bestens vertraut: Seit August blickt er auf 30 Jahre Berufserfahrung im Landverkehr zurück. Elf Jahre war Lingemann bei Schenker in Stuttgart tätig, zuletzt als Abteilungsleiter, ehe er zu Nedlloyd Unitrans wechselte, wo er – an verschiedenen Standorten in Deutschland – die Verschmelzung mit Danzas und den Übergang zur Deutschen Post DHL mit begleitete.

Seit 2007, bis zu seinem Wechsel zu Agility, agierte der dreifache Familienvater im Bereich Landverkehr bei Panalpina – zunächst bei den Road-Feeder-Aktivitäten in Luxemburg, anschließend steuerte er die gesamten europäischen Lkw-Verkehre von Kornwestheim aus. Ähnlich wie bei Panalpina steuert Lingemann seine Geschäfte auch bei Agility nicht von der Schweizer Zentrale aus. Er hat sein Büro in der Niederlassung Korntal-Münchingen bei Stuttgart, die von Peter Wagemann geleitet wird.

Korntal ist eines der stärksten Landverkehr-Häuser

"Das hängt damit zusammen, dass dies eines unserer stärksten Häuser im Landverkehr ist", sagt der neue Spartenchef. In den nächsten Monaten wird er die Bedeutung der Niederlassung für seinen Bereich weiter stärken und einige Zentralfunktionen im Zusammenhang mit Supply-Chain und Beschaffung dort ansiedeln.

Wie die Gebietsverantwortlichen in Europa berichtet auch Lingemann direkt an den Europa-Vorstandschef Michael Bible in Basel. Agility hat den Kontinent in sechs Regionen unterteilt, denen entsprechende Geschäftsführer zugeordnet sind. Lingemann hat hier eine Sonderrolle. Er erklärt sie damit, dass eine Landesbetrachtung bei Lkw-Verkehren keinen Sinn ergeben würde. "Im Landverkehr gibt es keine nationalen Lösungen, sondern immer die Anforderung nach einer Lösung für ganz Europa", erläutert der Logistikexperte. 

Der Anspruch der Kunden ist also hoch, doch Agility fühlt sich ihm gewachsen. Die Firma deckt mit ihren 145 Häusern insgesamt 30 Länder auf dem Kontinent ab. Dahinter steht ein hybrides Netzwerk. Abhängig von der Bedeutung und den weiteren Perspektiven in einem Land ist das Unternehmen entweder mit eigener Mannschaft oder mit gezielten Partnerlösungen vor Ort. Diese Flexibilität will Agility noch weiter ausbauen – um sich von den großen Netz­betrei­bern abzuheben und um agil zu bleiben. Agilität ist bei Agility schließlich Programm.

Wie Agility den Landverkehr gestaltet

Asset-light-Ansatz: flexibles Agieren unter Verzicht auf eigenes Equipment und hohe Kostenbindung. Agility betreibt keinen Zentral-Hub oder eine eigene Flotte. Vielmehr übernehmen einzelne Niederlassungen wie Korntal-Münchingen oder Düsseldorf, Barcelona oder Helsingborg (Schweden) Gateway-Funktionen, um Sendungen zu bündeln. "Vorfahrt vor Gateway-Verkehren hat jedoch immer der Direktverkehr, 
sofern die Auslastung stimmt", sagt Arne Lingemann, der neue Managing Director für den europäischen Landverkehr.

Netzwerk-Gedanke: Agility betreibt ein hybrides Netzwerk. Das Unternehmen deckt mit 145 Häusern in 30 Ländern ganz Europa ab und setzt dort entweder auf eigene Häuser oder auf gezielte Partnerlösungen – abhängig von den Marktgegebenheiten und Kundenanforderungen. "Das gibt uns die nötige Flexibilität", erläutert Lingemann. Tendenziell werde der Stellenwert des variablen Netzwerkanteils wachsen. Fest in eigener Hand sind Deutschland – der für Agility mit Abstand stärkste Landverkehrsmarkt in Europa – sowie Spanien, Portugal, Italien, die Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Skandinavien. "Das sind unsere Topmärkte, weitere werden folgen", kündigt Lingemann an. Auch wickelt Agility Verkehre auf exotischen Relationen ab, etwa nach Armenien, Aserbaidschan und Kasachstan.

Multiproduktanbieter: Agility wickelt sowohl Stückgutverkehre als auch Teil- und Komplettladungen ab. Wurden Teilpartien in Stückgutnetzen früher von vielen Firmen als störend empfunden, will Lingemann diese gezielt zusammenführen, um die Auslastung zu erhöhen. "Wir werden eine Renaissance der Disponenten erleben, die beide Spielarten beherrschen", sagt Lingemann.

Individuelle Lösungen: Agility setzt auf Unternehmertum vor Ort. "Wir haben einen starken Bezug zum Kunden und können flexibel auf seine Wünsche eingehen", sagt Lingemann. So könne das Unternehmen auch voluminöse Güter ins Netzwerk aufnehmen, die bei den großen Logistikdienstleistern nicht ins Raster passten. Auch stärke Agility seine Kompetenz in wichtigen Branchen, etwa den Bereichen Pharma und Automotive.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

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Matthias Rathmann

Datum

19. Oktober 2016
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