Die Automobillogistik bei Gefco Deutschland Zoom

Nicolas Beaune - Gefco Deutschland: Die Logistik ist mein Zaubertrank

Seit vier Monaten leitet Nicolas Beaune die Automobillogistik bei 
Gefco Deutschland. Der weltoffene Franzose mag zwar deutschen Riesling, 
sein Lebenselixier aber sind Transportketten und Warenströme.

Die Logistikströme und deren Organisation – das ist mein Ding, sagt Nicolas Beaune mit einem Lächeln. "Die Logistik ist wie ein Zaubertrank, in den ich ganz jung hineingefallen bin." Dabei sieht der schlanke, dunkelhaarige Franzose dem kugeligen Obelix so gar nicht ähnlich. Doch auch im Leben Nicolas Beaunes ist viel Bewegung. Während Obelix munter von einer Keilerei zur nächsten zieht, folgt Beaune seinen beruflichen Herausforderungen.

Transportketten und Warenströme zu analysieren ist seine Leidenschaft

Schon als kleiner Junge schaute er gerne zu, wie Dinge am Hafen, Flughafen oder Bahnhof verladen werden. Jetzt schickt er die Einheiten, vornehmlich Autos, gerne selbst vom Hersteller zum Kunden. Transportketten und Warenströme zu analysieren, ist seine Leidenschaft. Begonnen hat alles mit einem 16-monatigen Zivildienst weit weg von Zuhause, im Controlling einer Fluggesellschaft an der Elfenbeinküste: "Eine super Auslandserfahrung". Nach der Rückkehr 1996 hat Beaune beim Logistikdienstleister Gefco im Controlling begonnen. Von Geldströmen wechselte er schnell zu Warenströmen und arbeitete zwischenzeitlich auch beim französischen Wettbewerb. Die schnelle Branche sei genau das Richtige für ihn: "Ich brauche persönliche Herausforderungen". Und die bekommt er dort auch. Vor allem die lahmende Konjunktur in Südeuropa macht den Fahrzeugspediteuren aktuell zu schaffen.

"Die Zahlen von Januar zeigen uns, dass die Neuzulassungen in Deutschland unter 200.000 gefallen sind, statt mehr als 250.000 pro Monat wie 2011". Eine riesige Lücke und für Beaune "ein Zeichen, dass das Jahr 2013 schwierig wird".

Weitere Dienstleistungen sind das Ziel

Wie reagiert Gefco? "Wir müssen uns anpassen und unsere Vertriebsstrategie erneuern. Weitere Dienstleistungskunden sind das Ziel." Dazu gebe es bereits Gespräche mit potenziellen Großkunden, sagt Beaune. Denkbar sei auch, dass Gefco mehr multimodale Vorläufe ab Deutschland organisiert. 20 Prozent der Transporte laufen bei Gefco bereits auf der Schiene, zum Beispiel verkehrt täglich ein Ganzzug mit Autoteilen von Frankreich nach Kaluga.

Dabei besitzt das Unternehmen seit Jahren eigene Autozüge. "Der Vorteil gegenüber der Straße liegt bei den Mengen – mit bis zu 220 beförderten Pkw pro Zug". Zumindest im Moment noch. "Zurzeit gibt es keinen Pkw-Auflieger in langer Form", weiß Beaune. Doch trotz oder gerade wegen der Schnelligkeit in der Logistik ist Beaune auch ein Genussmensch. Da dürfte es kein Zufall sein, dass ein hübscher französischer Weinort seinen Namen trägt und er in Deutschland auch gleich auf Weintour gegangen ist.

Seit fünf Jahren lebt Beaune in Deutschland

Beim Geschmack zeigt sich der Franzose sehr weltoffen. "In Deutschland habe ich viele gute Weine kennengelernt, Riesling zum Beispiel", sagt er. Auch die exzellenten Tropfen aus dem "Rotweinparadies" im Ahrtal, 20 Kilometer vom Wohnort Bonn entfernt, haben es ihm angetan. In diese Richtung ist Beaune auch ein paar Mal die Woche früh morgens unterwegs, wenn er am Rheinufer entlangjoggt. "Das ist gut zum Stressabbau".

Seit März 2008 lebt Beaune in Deutschland. "Ich wollte international Erfahrungen sammeln", sagt er, und hat sich umgeschaut. Als sein damaliger Arbeitgeber ihm die Chance eröffnete, in Deutschland die Fahrzeuglogistik zu leiten, nahm er gerne an. Der erste Eindruck von seiner neuen Heimat war zwar trüb und nasskalt. Doch die Familie Beaune hat Bonn schnell ins Herz geschlossen, eine »sehr internationale, kleine Stadt«.

So multikulti wie der heutige Arbeitgeber Gefco, wo Geschäftsführer aus vier Nationen das Unternehmen leiten. Zudem sei das internationale Gefco-Netz zentral für die tägliche Arbeit und erleichtere diese enorm, sagt Beaune. "Überall in Europa haben wir dieselben Prozesse und Systeme. Und dabei sind wir fast von Porto bis Wladiwostok präsent – das ist ein enormer Vorteil für unsere Kunden." Den Transport von vier Millionen Fahrzeugen koordinierte Gefco im Jahr 2011.

Beaune kümmert sich um zwei zentrale logistische Prozesse

Als Chef der deutschen Automobillogistik kümmert sich Beaune um zwei zentrale logistische Prozesse hierzulande. Er verantwortet die Dienstleistungen und Pre-Delivery-Inspektionen (PDI) im Lager (Umschlag) sowie die Verteilung der verkaufsfertigen Fahrzeuge zum Fachhändler.

Dabei kämpft er nicht nur gegen die Zeit, sondern manchmal auch gegen schlechtes Wetter. Denn wenn, wie im Juli 2010, tennisballgroße Hagelkörner vom Himmel prasseln, sei zum Beispiel in einem großen Auslieferungslager wie Bremerhaven mit 100.000 Fahrzeugen nichts zu machen, sagt er. Eine solche Flotte lässt sich nirgends unterstellen. Dann kommen die Reparaturdienste "mit ihren goldenen Händen" und glätten die kleinen und größeren Krater im Fahrzeuglack. "Der Kunde sieht keinen Unterschied mehr", verspricht Beaune.

Neben den Importen von ausländischen Produktionsstandorten transportiert Gefco Fahrzeuge nach Frankreich und ermöglicht so Warenrundläufe. »Denn nur mit Anschlussladung können wir unseren Kunden optimale Transportläufe und Preise bieten«, betont Beaune.

Winterbereifung ab Werk

Die Margen in der Automobillogistik ließen sich durch Mehrwertdienstleistungen verbessern. "Wir wollen deshalb unsere Dienstleistungskompetenz an unseren vier deutschen Standorten immer weiter entwickeln. Zum Beispiel bieten wir unseren Kunden eine Winterbereifung quasi ab Werk an."

Seit vier Monaten leitet Nicolas Beaune die Automobillogistik bei Gefco Deutschland. Zeit zum Einarbeiten blieb ihm wenig, die angespannte wirtschaftliche Lage in Teilen Europas traf natürlich auch sein Segment und erfordert entsprechende Maßnahmen. "Als Thema Nummer eins passen wir unsere operativen Prozesse an die neuen Absatzzahlen der Hersteller an", sagt Beaune.

"Wir werden unser Kundenportfolio erweitern und als deutsche Tochter über das Gefco-Netz an allen internationalen Projekten mitwirken". Und obwohl er ein Chef sei, der trotz vieler Fachkenntnisse delegieren könne und die Eigeninitiative seiner Mitarbeiter fördere, stapelt sich vor allem zu Jahresbeginn viel Arbeit auf seinem Schreibtisch. "Meine Familie geht zum Skifahren – aber leider ohne mich."

Zur Person

Der 40-jährige Nicolas Beaune kam in Lyon zur Welt. Er studierte Politik, Finanzcontrolling und Logistik und begann nach seinem Zivildienst an der Elfenbeinküste direkt in der Logistik. Seit Oktober 2012 leitet er die Automobillogistik bei Gefco Deutschland. Damit verantwortet er die Dienstleistungen und Pre-Delivery-Inspektionen (PDI) im Lager (Umschlag) sowie die Verteilung der verkaufsfertigen Fahrzeuge zum Fachhändler. Zuvor war Nicolas Beaune in führenden Positionen beim Automobillogistiker Groupe Cat tätig. Er ist verheiratet und Vater eines kleinen Sohnes.

Portrait

Autor

Foto

© Wild

Datum

6. Mai 2013
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