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Insolvenzgefahr : Im Schatten von Schlecker

Alle reden über Schlecker. Tausende Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Doch der Einzelhandel ist weit weg. Transporteure und Logistiker haben alle Hände voll zu tun. Das Geschäft brummt, von Insolvenzgefahr kann keine Rede sein. Von wegen.

Zum einen zieht gerade die Schlecker-Pleite weitere Dienstleister mit in ihren Sog. Zum anderen ist eine stabile Realwirtschaft keine ausreichende Sicherheit.

Die Gefahr ist also nicht gebannt. Zu schaffen macht vielen Unternehmen die Kosten- und Frachtentwicklung. Während die eine Kurve ständig steigt, ändert die andere ihren Verlauf seit Jahren nicht mehr – so jedenfalls die Aussage vieler Unternehmen. "Wir leiden unter dem Diktat der Automobilindustrie", sagt Unternehmer Karl-Heinz Kloeser. Jährlich würden weitere Zugeständnisse von den Speditionen verlangt. "Die Banken geben keine Kredite mehr und der Dieselpreis gibt uns den Rest."

Spezialgebiet der Benntrans waren Verkehre nach Nordafrika

Aus diesem Teufelskreis gab es für ihn kein Entrinnen mehr. Deshalb hat Kloeser den wohl schwersten Schritt in seinem Leben gemacht – und sein Unternehmen, die Benntrans Verkehrslogistik in Empfingen (Landkreis Freudenstadt), aufgelöst. Damit kam er einer Insolvenz zuvor. Seit Mitte Januar ist die GmbH aus dem Handelsregister gelöscht. Kloeser, der Benntrans 1968 gegründet hatte, beschäftigte rund 120 Mitarbeiter und hatte mehr als 100 eigene ziehende Einheiten im Einsatz. Ihr Spezialgebiet: Verkehre nach Nordafrika, darunter Marokko, Tunesien und Libyen. Doch auch dort lief zuletzt nicht alles rund: Die politischen Unruhen in Nordafrika machten getaktete Verkehre nahezu unmöglich.

Die Konsequenz: Kloeser zog die Reißleine. "Ich habe es mir nicht leicht gemacht, es ist mein Lebenswerk", sagt er. Einen Steinwurf entfernt hat ein Schlecker-Distributionszentrum seinen Sitz. Benntrans-Gründer Kloeser kann Anton Schlecker verstehen: "Er hing wie ich an der eigenen Firma." Man könne dem einstigen Milliardär vorwerfen, was man wolle. "Man darf aber nicht vergessen, dass beim ihm 30.000 Leute in Lohn und Brot standen."

Der Insolvenzverwalter tritt auch in der Transport- und Logistikbranche auf

Doch der Insolvenzverwalter ist auch in der Transport- und Logistikbranche anzutreffen. Vorigen Monat musste Roswitha Dammasch, Chefin von Dammasch Logistik aus Monheim am Rhein, Insolvenz anmelden. Zeitweise standen die Räder bei dem Gefahrgutspezialisten still. "Inzwischen wurde der Betrieb wieder aufgenommen und es werden wieder Umsätze erzielt", sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Horst Piepenburg aus Düsseldorf. Über die Gründe, die zur Insolvenz führten, und über die weiteren Perspektiven will er noch nicht reden.

Schüchen steht vor dem Aus

Gute Aussichten schien es zunächst für die Spedition Schüchen aus Raunheim bei Frankfurt zu geben. Doch kurzfristig hätten laut Insolvenzverwalter Markus Ernestus mehrere Großkunden ihre Verträge gekündigt. Somit fallen mögliche Investoren weg. Das bedeute das Aus für Schüchen.

740 Mitarbeiter haben zuletzt für den Logistikdienstleister gearbeitet, der seinen Fokus auf der Automobilbranche hat. Das Unternehmen ist mit zehn Niederlassungen in Deutschland sowie je einem Stützpunkt in Österreich und Tschechien tätig. Es setzt traditionell auch auf die eigene Flotte. 120 eigene Einheiten und 200 Lkw von Subunternehmern sind für Schüchen unterwegs. Kurz vor dem Aus will sich Insolvenzverwalter dafür einsetzen, dass die 740 Mitarbeiter von den nachfolgenden Logistikunternehmen übernommen werden. Die Transport- und Logistikbranche bleibt von Problemen also nicht verschont. Unverständlich, dass alle nur über Schlecker reden.

Kahlschlag bei Schlecker-Logistik

Ab sofort 30 Prozent auf alles, heißt es in vielen Schlecker-Filialen. Der große Ausverkauf hat begonnen: 2.200 Läden der insolventen Drogeriemarktkette stehen nach Angaben des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz vor dem Aus. Die Liste der betroffenen Filialen ist veröffentlicht. Betroffen ist auch die Logistiksparte: 840 Stellen fallen weg. Statt 13 soll es künftig nur noch fünf Distributionszentren in Deutschland geben. Geschlossen werden die Standorte Schwarmstedt (Niedersachsen), Luckau (Brandenburg), Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen), Herda (Thüringen), Kürnach (Bayern), Alzey (Rheinland-Pfalz), Empfingen (Baden-Württemberg) und Nittendorf (Bayern). Das Unternehmen will seine Waren künftig nur noch vom Stammsitz Ehingen (Baden-Württemberg), Pohlheim (Hessen), Falkenhagen (Brandenburg), Melle (Niedersachsen) und Schleiz (Thüringen) aus verteilen. Dafür werden nur noch 560 Beschäftigte benötigt.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Ryszard Majewski (1), Ralf Johanning(1)

Datum

21. März 2012
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