Die Göppinger Schwarz-Gruppe Zoom

Die Göppinger Schwarz-Gruppe: Die Zukunft ist weiblich

Die Göppinger Schwarz-Gruppe bildet mit Melanie Deuschle erstmals eine junge Frau zur Berufskraftfahrerin aus. Da zunächst keine Lehrstelle mehr frei war, setzte sich Prokuristin Gabriele Schwarz für die Bewerberin ein.

Eigentlich war in diesem Frühjahr nur noch ein Ausbildungsplatz zum Berufskraftfahrer bei der Schwarz-Gruppe zu vergeben. Einer war bereits besetzt, und der letzte freie sollte nach dem Tag der offenen Tür im Mai, an dem die verbleibenden Ausbildungsplätze vorgestellt wurden, vergeben werden.

Kurz darauf fanden die Vorstellungsgespräche mit den Bewerbern statt. Das Göppinger Unternehmen bildet nicht nur Lkw-Fahrer aus, sondern unter anderem auch Mechatroniker, Speditions- und Bürokaufleute. Was die noch vakante Ausbildungsstelle zum Lkw-Fahrer angeht, war die Auswahlkommission bei nur einem verbleibenden Platz von zwei Bewerbern überzeugt – einem jungen Mann und einer jungen Frau, Melanie Deuschle. Gerade 17 Jahre alt und frisch von der Schule, bewarb sie sich bei Schwarz. Man entschied sich jedoch für den jungen Mann.

Gabriele Schwarz die Prokuristin der Speditionsgruppe

Als die Prokuristin der Speditionsgruppe, Gabriele Schwarz, das erfuhr, begann ihr Engagement zugunsten der jungen Frau. "Ich wusste, dass eine junge Azubine gut zu unserem Unternehmen passen würde", sagt Gabriele Schwarz. Es solle sich lohnen, dass sich in diesem typischen Männerberuf eine Frau beworben hat. "Außerdem müssen wir mit den jetzigen Ausbildungsplätzen den Grundstein für die Nachfolge von altersbedingten Abgängen in den nächsten zehn Jahren legen." Das Unternehmen müsse damit rechnen, in dieser Zeit zehn bis 15 Fahrer in den Ruhestand zu verabschieden.

So machte sich Schwarz auf die Suche nach einem Platz für Melanie Deuschle. Schließlich wurde sie fündig: Die Schwarz-Gruppe besteht nicht nur aus der Spedition Wackler, die im Cargoline-Verbund Nah- und Fernverkehre abwickelt. Dort waren die beiden Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Zur Schwarz-Gruppe gehört auch die Firma ETG, die als privates Unternehmen für die Abfallentsorgung im Raum Göppingen zuständig ist. ETG ist zu 100 Prozent für die Haus- und Gewerbemüllentsorgung im Kreis Göppingen zuständig, wofür 40  Fahrzeuge eingesetzt werden.

Die erste Azubine in der Unternehmensgeschichte

Hier schuf Schwarz den Ausbildungsplatz für die erste Azubine in der Unternehmensgeschichte. "Melanie Deuschle wird dieselbe Ausbildung bekommen wie unsere Azubis bei Wackler", erklärt Schwarz. Dazu gehört während der dreijährigen Ausbildung neben der obligatorischen Berufsschulzeit auch der Erwerb des Führerscheins beim unternehmenseigenen Fahrlehrer. Sollte Melanie Deuschle die Tätigkeit in der Abfallwirtschaft nach der Ausbildung nicht zusagen, könne sie immer noch zur Spedition Wackler in den Nah- oder Fernverkehr wechseln. Und so kam es, dank des Engagements von Prokuristin Schwarz, dass Melanie zwei Tage nach der Absage von Wackler doch noch die Zusage von ETG bekam.

Doch wie kommt bei einer jungen Frau der Wunsch auf, Lkw-Fahrerin werden zu wollen? Technisch interessiert war Melanie Deuschle schon immer: "Ich wäre auch gerne Steinmetz geworden, da mich das Werken schon immer fasziniert hat", sagt sie. Doch in Steinmetzbetrieben bekam sie zu hören, dass das nichts für eine Frau sei. "Beim Tag der offenen Tür von Schwarz wurde dann mein Interesse für das Lkw fahren geweckt", erzählt sie. "Es ist faszinierend, wie viel da neben dem reinen Fahren noch dahintersteckt: Die Technik der Lkw, das Fahrzeug warten, Papiere ausfüllen und so weiter." Das habe sie an einem Tag mit einem Fahrer bei ETG kennen und mögen gelernt.

Die einzige Frau in ihrer Klasse an der Berufsschule

Ist es nicht auch in diesem Beruf schwierig, sich gegen das Männerklischee zu behaupten – immerhin ist sie in ihrer Klasse an der Berufsschule die einzige Frau? "Man muss sich schon behaupten können – du darfst da nicht zu zögerlich sein", sagt Deuschle und grinst. Schwarz ergänzt: "Aber bei Melanie mache ich mir da überhaupt keine Sorgen, dass sie das kann."

Bereits seit drei Jahren ist die Schwarz-Gruppe wieder in der Nachwuchsrekrutierung für Lkw-Fahrer tätig. Momentan fahren knapp 60 Fahrer für ETG, den privaten Entsorger in der Schwarz-Gruppe. "Vor vielen Jahren haben wir das Ausbilden von Fahrern eingestellt", erzählt Schwarz. "Während der Zeit danach haben wir viele Anfragen bekommen, die wir bedauerlicherweise alle ablehnen mussten."

Seit 2008 hat sich das Blatt gewendet. Es sei sehr schwierig, geeigneten Nachwuchs zu finden, da der Beruf für junge Menschen nicht besonders attraktiv sei. "Das war ein Grund, warum ich Melanie Deuschle nicht gehen lassen wollte. Wenn jemand geeignet ist, müssen wir diese Chance wahrnehmen", erklärt Schwarz. Aber Probleme, die Plätze zu besetzen, habe man keine gehabt. So ist jetzt ein Auszubildender im dritten Lehrjahr (der erste, seit das Programm wieder aufgenommen wurde) einer im zweiten und drei im ersten, darunter Deuschle. Und auch für das nächste Jahr plant die Spedition wieder mit zwei Ausbildungsplätzen zum Berufskraftfahrer – weibliche Bewerber sind willkommen.

Autor

Foto

Kühnl

Datum

26. Oktober 2012
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Unsere Experten
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Arbeitsrecht
Ich bin Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht. Ich vertrete Arbeitnehmer und Arbeitgeber… Profil anzeigen Frage stellen
Kristina Dietze von der Polizeidirektion Görlitz/ Autobahnpolizei Kristina Dietze Polizeioberkommissarin Autobahnpolizeirevier Bautzen
Expertin für Gefahrguttransporte (aus polizeilicher Sicht), Vermögensabschöpfung im… Profil anzeigen Frage stellen
Aktuelle Fragen
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.