Euro 6 für Busse von MAN und Neoplan, Vorstellung 5 Bilder Zoom

Euro-6-Aggregaten: Busse mit Zuschlag

Die Einführung von Euro-6-Aggregaten bedeutet mehr Gewicht, weniger Plätze und höhere Kosten, Adblue als Zuschlagstoff – aber beim Stadtbus spürbar weniger Verbrauch.

Pure Diesel? Mit diesem Schlagwort ist’s nun bei MAN und Neoplan vorbei. Mit dem Schritt zu Euro 6 hält zusätzlich zur Abgasrückführung jetzt SCR-Technik Einzug. Künftig müssen auch die Omnibusse von MAN und Neoplan den bisher ungeliebten Zuschlagstoff Adblue tanken. Bestellen kann man die Generation Sechs ab sofort. Die Stadtbusse liefert MAN ab Anfang kommenden Jahres, die Reisebusse Baureihe für Baureihe ab Juni 2013.

Zwei Fahrgastplätze verschwinden

Beim Lion’s City betont MAN nur zu gern, dass trotz Euro 6 kein Sitz verloren geht. Im Unterschied zum Hauptwettbewerber mit dem Stern kommt man beim liegenden Motor ohne lästigen Turm im Heck aus – der MAN wirkt deshalb hell, luftig und großzügig. Zwei Fahrgastplätze aber verschwinden trotzdem: Mit Euro 6 nimmt der Lion’s City um 150 Kilogramm zu. MAN steuert an anderer Stelle gegen: Wer in eine Klimaanlage investiert, profitiert von einer um 60 Kilogramm abgespeckten Anlage.

Der zusätzliche Adblue-Tank fasst im Lion’s City 20 Liter. Er ist aus Gründen der Gewichtsverteilung zusammen mit dem 280-Liter-Dieseltank auf der rechten Seite in einem etwa 30 Zentimeter hohen Podest zwischen Vorderachse und Mitteltür untergebracht, manche MAN-Darstellungen zeigen die Tanks noch vor der Hinterachse. Die Einfüllstutzen liegen hinter separaten Klappen direkt übereinander.

Knapp geht’s im Motorraum zu, hier drängt sich die Technik auf engstem Raum. MAN lässt unverändert die Wahl zwischen dem liegenden D20 mit 10,5 Liter Hubraum und dem stehenden D08 mit 6,9 Liter in Turmbauweise (nur Solobus). Jeweils zwei Turbolader mit Zwischen- und Hauptkühlung der Ladeluft pusten die Triebwerke auf, die Leistungsspanne reicht von 250 PS
(184 kW) bis 360 PS (265 kW). Wie gehabt befördert eine Common-Rail-Einspritzanlage den Kraftstoff in die Brennräume, der verträglich-sanfte Klang der MAN-Motoren bleibt. Der maximale Einspritzdruck des Kraftstoffs liegt mit 1.800 bar vergleichsweise niedrig.

Der Dieselverbrauch sinkt

Die neue Kombination von AGR mit SCR hat einen sympathischen Nebeneffekt: Zwar müssen nun auch MAN-Besitzer Adblue zuschütten, doch der Dieselverbrauch sinkt, so erklärt MAN-Vertriebsvorstand Frank Hiller, um drei bis fünf Prozent. Das bedeutet bei einem Stadtbus schnell 1.000 Liter Diesel im Jahr – prompt erscheint der zunächst abschreckende Euro-6-Aufpreis von fast 10.000 Euro in einem deutlich milderen Licht.

Hinter dem Motor folgt unweigerlich das Euro-6-Chemiewerk. Im Abgasschalldämpfer stecken in zwei Ebenen nacheinander Oxidationskatalysator, geschlossener Partikelfilter, Adblue-Eindüsung, SCR-Kat und ein weiterer Oxi-Kat. Omnibus-Technikchef Jörg Willert vertraut der Technik: „Wir haben eine umfassende Kundenflotte und eigene Dauerläufer unterwegs." Versuchsleiter Peter Folger ergänzt: "Wir hatten noch nie so eine intensive Erprobung." Die MAN-Stadtbusse mit Euro 6 haben rund 1,5 Millionen Kilometer zurückgelegt.

Euro 6 geht aber auch anders: Traditionell stark bei Erdgasbussen, überspringt auch der Lion’s City CNG im Laufe des kommenden Jahres die neue Abgashürde. Hier genügen ein Dreiwege-Katalysator und die für alle Motoren vorgeschriebene Langzeitüberwachung der Abgasemissionen. Partikelfilter, Adblue, mehrstöckige Abgasanlage? Für den Gasbus nicht nötig.

Der MAN wird in Extremsituationen sicherer

Sämtliche Lion’s City profitieren von segmentierten Seitenwänden, das senkt die Reparaturkosten bei kleineren Schäden. Die Klimaanlage ist nicht nur leichter, eine verbesserte Luftführung verringert Leistungsaufnahme und Geräusch. Und der MAN wird in Extremsituationen sicherer: Die Solobusse gibt es jetzt auf Wunsch mit dem Rettungsanker ESP. Aufmerksame Beobachter erkennen den neuen Jahrgang des Lion’s City an einem dezent veränderten Marken-Enblem: Der Löwe ist kräftiger gebaut und rückt nach oben in die Chromleiste.

Auf den MAN-Reisebussen spielt der Löwe ebenfalls mit den Muskeln. Mit Euro 6 ist MAN bei Lion’s Coach und der Neoplan-Flotte indes noch nicht so weit wie beim Stadtbus. Da MAN für die Reisebusse keinen Verbrauchsvorteil ankündigt, jedoch ein Mehrgewicht von 150 bis 200 Kilo, scheint der Schritt weniger drängend. Noch trainieren die Entwickler heftig gegen das Mehrgewicht an – allein 60 Liter Adblue drücken auf die Waage: Auch hier ist von einer leichteren Klimaanlage die Rede. Und von Aluminiumrädern – die den Bus nicht billiger machen. Technikchef Jörg Willert will sich noch nicht festlegen, doch es sieht so aus, als verliere der Lion’s Coach als Zweiachser in Drei-Sterne-Ausführung einen Sitzplatz. Aber: "Beim Cityliner sieht es etwas besser aus." Das Thema Euro 6 wird die Busleute noch eine Weile verfolgen. Doch die Zeiten von "pure Diesel", die sind vorbei.

Lion’s Coach Efficient Line: Sparen mit Paket

Gut 10.000 MAN-Lkw sind mit dem Spritsparpaket namens Efficient Line unterwegs, jetzt folgen die Reisebusse. Das Paket für den Lion’s Coach ist sinnvoll zusammengestellt: D26-Motor mit 420 PS (324 kW) Leistung, superlange Hinterachse (3,08 : 1), ZF AS-Tronic (von MAN Tip-Matic genannt). Dazu gibt es ein Reifendruck-Kontrollsystem, Reifen Typ Conti HSL 2 Eco-Plus mit geringem Rollwiderstand. Aluminiumräder und der Entfall des Reserverads senken das Gewicht, der gewich­tige Lion’s Coach kann’s vertragen. MAN verlängert die Garantie auf 48 Monate oder 400.000 Kilometer. Wer will, bekommt Radabdeckungen an der Hinterachse. Obendrauf gibt es ein zweitägiges Spritspartraining. MAN-Vertriebsvorstand Frank Hiller nennt einen Verbrauchsvorteil von 3 Litern/100 km gegenüber einem konventionell konfigurierten Man Lion’s Coach.

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

9. November 2012
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.