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Deutsches Verkehrsforum/Alliance Germany: Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Deutsches Verkehrsforum und Logistics Alliance Germany: Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Deutschland spielt ganz vorne mit, was Infrastruktur und Logistik angeht. Zu Recht darf sich die Republik mit dem Titel des Logistikweltmeisters der Weltbank schmücken. Es kann einem Weltmeister aber nicht schaden, hart zu trainieren, um im Form zu bleiben. So lautete sinngemäß eine wichtige Erkenntnis des parlamentarischen Abends, zu dem das Deutsche Verkehrsforum (DVF) und die Logistics Alliance Germany (LAG) nach Berlin geladen hatten.

"Ein guter Logistikstandort ist kein Selbstläufer"

"Ein guter Logistikstandort ist kein Selbstläufer", betonte DVF-Geschäftsführer Thomas Hailer. "Man muss sich dauerhaft dafür engagieren." Es gelte, eine funktionsfähige Infrastruktur zu erhalten, die Häfen anzubinden und die Flughäfen auch nachts geöffnet zu lassen. Ein sichtbarer Ausdruck des Engagements für Infrastruktur und Logistik sind für Hailer die vielen Aktivitäten des LAG-Fördervereins. Es sei wichtig, auf den Logistikstandort Deutschland im Ausland aufmerksam zu machen. Genauso wichtig sei es, dass diese Öffentlichkeitsarbeit auch nach innen wirke. Nur dann erkenne die Politik die Bedeutung der Branche. "Und nur dann sieht sie: Es ist eine förderfähige Veranstaltung."
Der Vorsitzende des LAG-Fördervereins, Mathias Krage, machte deutlich, dass einem der erste Platz nicht einfach zufalle. Für den Titel des Logistikweltmeisters müsse man einiges tun. Hier gehe es nicht nur um die sichtbare Infrastruktur, sondern auch um die Dateninfrastruktur. "Dieses Thema wird für die Zukunft entscheidend sein", sagte Krage, der auch Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV) ist. Wie Hailer zog auch Krage eine positive Zwischenbilanz der vor fünf Jahren gegründeten LAG. Der Verein habe zurzeit 54 Mitglieder und repräsentiere einen guten Querschnitt der Logistikwirtschaft. Der ETM Verlag, in dem trans aktuell erscheint, ist ebenfalls Mitglied der LAG.

Positiv bewerten Hailer und Krage die Zusammenarbeit zwischen DVF und LAG. In den Lenkungskreisen des DVF gibt es sie schon länger, der gemeinsame parlamentarische Abend war aber eine Premiere. „Die Konstellation passt gut, auch bei den Mitgliedern haben beide Organisationen Überschneidungen“, erklärte Hailer am Rand der Veranstaltung.

LAG als Türöffner

Die LAG-Mitgliedschaft könne ein Türöffner sein, erläuterte die parlamentarische Staatsekretärin im Bundesverkehrsministerium, Dorothee Bär (CSU). Auf den Delegationsreisen, die Teil der LAG-Aktivitäten sind, könnten hiesige Speditionen gut mit ausländischen Behörden und Firmen in Kontakt kommen. 2016 sind Reisen nach Indien, in den Iran und in die USA geplant. Die USA-Reise hat Kalifornien, genauer gesagt das Silicon Valley, zum Ziel. Bär erhofft sich von diesem Abstecher Erkennt­nisse in Sachen Digitalisierung.

Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Denn hier muss die Republik nach Ansicht der Podiumsteilnehmer noch Gas geben. "Die Hardware-Seite war in Deutschland immer gut, die Software-Seite nicht", sagte Stefan Stroh, Partner der Wirtschaftsprüfergesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, sieht das nicht anders: "Bei der Digitalisierung haben wir enormen Nachholbedarf", erklärte sie. Trotz der nötigen Weichenstellungen beim Thema Big Data ist es nach Ansicht der Logistikakteure aber wichtig, auch die Bedeutung der konventionellen Infrastruktur nicht aus dem Auge zu verlieren.

Brücken müssen in Schuss sein

Ulrike Höffken, Direktorin für Einkauf beim Stahlriesen Thyssen Krupp, machte das am Beispiel der maroden Brücken deutlich. "Wir beladen jeden Tag 1.000 Lkw und 2.000 Waggons", berichtete sie. Wer in diesen Dimensionen Ware verschicke, sei darauf angewiesen, dass auch die Brücken in Schuss sind. "Es hat uns alarmiert, als es geheißen hat, dass viele der Bauwerke in schlechtem Zustand sind."

Darunter leiden auch die Flughäfen. Der Airport Köln/Bonn ist laut seinem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Michael Garvens, zwingend auf gute Zufahrtswege angewiesen. 40 Prozent der Ware komme mit dem Lkw an, sagte er. "Die Brückensperrungen sind ein Riesenthema. Wenn es so weiter geht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns UPS den Rücken kehrt."

Für den Standort engagieren

Zu diesen Negativmeldungen gesellt sich die oft schlechte Stimmung, wenn es um Infrastruktur-Großprojekte geht. Willem van der Schalk, Sprecher der Geschäftsführung bei der Spedition A. Hartrodt Deutschland, machte das am Beispiel der negativen Bürgerbefragung zur Olympia-Bewerbung der Stadt Hamburg für 2024 fest. "Das ist ganz schlechtes Marketing für den Standort Deutschland", sagte er. Es kommt daher mehr denn je darauf an, sich für den Standort zu engagieren – etwa in der LAG.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Montage: Götz Mannchen

Datum

24. Dezember 2015
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